Grusel-Rocker gewinnen Song-Contest
Finnland konnte sich am Samstag in Athen mit der Gruppe Lordi beim diesjährigen Eurovision Song Contest durchsetzen. Die extravagante Band behauptete sich mit insgesamt 292 Punkten, die Schweiz musste sich mit nur 30 Punkten begnügen.
Nachdem die Teilnehmer aus 24 Nationen aufgetreten waren, ging bei den Künstlern das grosse Zittern los. Schon nach wenigen Wertungen wurde klar: Der absolute Gewinner des Abends war die finnische Grusel-Rockband Lordi, die mit ihrem Titel «Hard Rock Halleluja» offensichtlich bei Millionen von Zuschauern ins Schwarze traf.
Die Schweiz war chancenlos
Obwohl die Schweizer mit Professionalität glänzten, kassierten six4one mit «If We All Give A Little» beim diesjährigen Gesangs-Wettbewerb klägliche 30 Punkte.
Die Nacht der schrägen Töne
Leider liess das stimmliche Niveau einiger Teilnehmer in diesem Jahr auffällig häufig zu wünschen übrig:
Besonders die spanische Girlband Las Ketchup und die französische Chanteuse Virginie Pouchain hatten Mühe, die richtigen Töne zu treffen.
Diese Künstler standen am Samstag in Athen auf der Bühne:
Andre aus Armenien brachte mit «Without Your Love» orientalischen Pop nach Athen.
Die türkische Sibel Tüzün hatte ihren Song «Superstar» selbst komponiert. Im knappen Glitzeroutfit legte die energische Sängerin eine treffsichere Performance hin.
Der guten alten Tradition des Abba-Verschnitts kam Schweden nach: Carola bewies mit ihrem Auftritt, dass sie das Live-Singen perfekt beherrscht. Eine waschechte Rockröhre.
Hatte Irland den Eurovisions-Veteranen Johnny Logan wieder ausgegraben? Nicht ganz: Brian Kennedy verzückteg ganz Logan-Like mit der perfekt gesungenen Ballade «Every Song Is A Cry For Love» das Publikum in der Halle.
Severina aus Kroatien machte im Vorfeld des Wettbewerbs eher durch ihre Porno-Vergangenheit, als mit ihren gesanglichen Qualitäten von sich reden. Im roten Kleid hüpfte sie zum schwungvollen «Moja štikla» über die Athener Showbühne. Als hätten wir es geahnt: Vom Kleid war am Ende ihres Auftritts nur noch eine knappe Corsage übrig geblieben.
Virginie Pouchain aus Frankreich hatte offensichtlich Probleme während ihrer Show: Dem besinnlichen Titel «Il était temps» konnte sie stimmlich nicht gerecht werden.
Die Ukraine schickte mit Tina Karol die osteuropäische Antwort auf Shakira mit dem Song «Show Me Your Love» zum Contest.
Ganze drei Stunden brauchte der Leadsänger der finnischen Band Lordi für sein Grusel-Make-Up. Mit «Hard Rock Halleluja» stimmten die Schock-Rocker ganz harte Töne im Saal an - mit Erfolg: Sie liessen alle Konkurrenten hinter sich und belegten in diesem Jahr den ersten Platz.
Sie galt als eine der grossen Favoritinnen des Abends: Anna Vissi, die mit der Ballade «Everything» für das Gastgeberland Griechenland auftrat. Die Dame stand ganz alleine auf der Bühne und zeigte - im Gegensatz zu vielen anderen Eurovision-Sängerinnen - wenig Haut.
Grossbritannien setzte dieses Jahr auf Kinderchor in Schuluniform mit Rapper in quietschgelber Trainerjacke: «Teenage Life» heisst das Lied von Daz Sampson.
Selbstbewusst zeigen sich LT United aus Lithauen mit «We Are The Winners». Der Song ist nicht nur wegen seines Titels gewagt: Viel Tamm Tamm und Geschrei.
Aus dem Publikum waren sogar einige Buhs zu hören.
Hari Mata Hari aus Bosnien-Herzegowina ging die Sache ruhiger an: «Lejla» heisst das verträumte Stück. Eine Mischung aus Schlager und Folklore.
Er hatte schon sechs mal bei der rumänischen Vorausscheidung teilgenommen - jetzt klappte es endlich: Der 26-jährige Mihai Traistariu sang den Dance-Song «Tornero». Ein Sänger mit einer ausergewöhnlich guten Stimme.
Mazedonien schickte Elena Risteska mit knappen Jeans-Shorts und dem orientalisch angehauchten «Ninanajna» ins Rennen. Sie punktete bei ihrem Auftritt eher mit optischen Reizen als mit stimmlicher Kompetenz.
Dima Bilan ist in Russland bereits ein gefeierter Star. Seinen Pop-Song «Never Let You Go» interpretierte er gekonnt.
Die 17-jährige Sidsel Ben Semmane ist die jüngste Teilnehmerin, die Dänemark jemals ins Rennen schickte. Dem Publikum hat ihr locker-flockiger Song «Twist Of Love» gefallen: Sie wurde begeistert in der Halle gefeiert.
Die deutsche Band Texas Lightning brachte mit «No No Never» Countryfeeling nach Athen.
Der aus Malta stammende Sänger Fabrizio Faniello lag mit «I do» daneben - zumindest stimmlich. Da konnten auch die Disco-Beats und die schmucken Tänzerinnen nichts mehr ausrichten.
Spanien setzte mit Las Ketchup auf alte Bekannte: Doch die Girl-Band konnte trotz guter Choreografie zu ihrem Song «Bloody Mary» nicht von ihren stimmlichen Schwierigkeiten ablenken.
Die 20-jährige Christine Guldbrandsen aus Norwegen trat mit «Alvedansen» (Elfentanz) auf - einer recht eigenwilligen Komposition. Auch sie kam - so wie fast alle Künstler des diesjährigen Contests - weiss gekleidet auf die Bühne.
Mit ihrem Acapella-Song «I Hear Your Heart» brachen Cosmos eine Eurovision-Tradition: Sie absolvierten ihren Auftritt ohne jegliche Bandbegleitung.
Für den richtigen Rythmus sorgte die Beatbox. Die Herren machten nicht nur stimmlich, sondern auch optisch viel her.
Israel im Soul- und Gospel-Fieber: Eddie Butler schmachtete - gemeinsam mit einem stimmgewaltigen Damenchor - «Together We Are One» ins Mikrofon. Eine klassische Eurovisions-Hymne - allerdings stimmte es mit der Intonation nicht immer.
Der moldavische Beitrag «Loca» von Arsenium & Natalia Gordienko versuchte es mit lateinamerikanischem Sound, gemixt mit ein bisschen Rap.