Nach Wehrpflicht-Schlappe: GSoA mit neuem Namen in eine bessere Zukunft?
Aktualisiert

Nach Wehrpflicht-SchlappeGSoA mit neuem Namen in eine bessere Zukunft?

Trotz herber Niederlage denkt die Gruppe Schweiz ohne Armee GSoA nicht daran, sich aufzulösen. Eine Namensänderung schliesst sie allerdings nicht aus, so Sprecher
Nikolai Prawdzic.

von
Christoph Bernet

Herr Prawdzic, 73.2 Prozent der Stimmbürger haben Nein gesagt zur Abschaffung der Wehrpflicht. Müsste sich die GSoA nach dieser Niederlage nicht auflösen?

Nikolai Prawdzic: Die GSoA ist eine Friedensbewegung. Leider gehen uns die Aufgaben nicht aus. Wir sind überzeugt, dass wir mit der Initiative ein wichtiges Anliegen thematisiert haben. Es war richtig, eine Diskussion über Sinn und Zweck des Militärzwangs zu lancieren. Bei einer Initiative stellt sich immer das Problem, dass man am Anfang nicht weiss, wann und unter welchen politischen Vorzeichen sie zur Abstimmung kommt. In Europa herrscht Krise und viele Leute haben das Gefühl, die Schweiz sei eine Insel der Glückseligkeit und diese gelte es unter anderem mit der Wehrpflicht zu verteidigen.

Aber seien wir ehrlich. Ist die Zeit der GSoA-Initiativen nicht einfach vorbei? Neben Achtungserfolgen bei der ersten Armeeabschaffungsinitiative 1989 und der F/A18-Initiative 1993 haben die meisten GSoA-Initiativen schwache Resultate erzielt...

Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, wann die GSoA erneut eine Initiative lancieren wird. Die GSoA hat aber neben ihren Initiativen immer auch andere Formen politischer Arbeit gemacht. Wir begleiten eine ganze Reihe von Themen, etwa die Kriegsmaterialexporte, Einsätze im Innern oder den Umgang mit Schusswaffen. Hier werden wir uns weiterhin kritisch engagieren und im Parlament um Unterstützung für unsere Anliegen werben.

Die GSoA ist als notorischer Haufen von Armeeabschaffern verschrien. Könnte der Erfolg mit einem neuen, sexy Namen zurückkehren?

Seit 60 Jahren wird jeder Angriff auf einen Teil der Armee als Angriff aufs Ganze bekämpft. Wer sich gegen höhere Armeeausgaben oder Rüstungsexporte ausgesprochen hat, wurde in der Schweiz schon immer als Armeegegner angefeindet, auch bevor es die GSoA gab. Was den Namen betrifft kennen wir keine Tabus: Wenn Mitglieder einen solchen Antrag stellten, wären wir bereit, darüber zu diskutieren. Eine Schweiz ohne Armee bleibt auf jeden Fall ein Leitstern. Die GSoA hat in ihrer Geschichte sehr viel erreicht, vor allem die Entmilitarisierung vieler Köpfe und die Verhinderung von Kriegseinsätzen im Ausland.

Nach der Abstimmungsschlappe wird jetzt eine Reform der Wehrpflicht diskutiert. Laut der ETH-Sicherheitsbefragung 2013 unterstützen 70 Prozent der Befragten eine obligatorische Dienstpflicht mit freier Wahl zwischen Militär, Zivilschutz und Zivldienst. Unterstützt die GSoA diesen Weg?

Eine Gleichstellung des Zivilidienstes gegenüber dem Militärdienst wäre schon ein grosser Schritt. Heute muss man erst militärdiensttauglich sein, um Zivildienst leisten zu können. Wenn man dieses Modell ändert und die Wahlfreiheit stärkt, hätten wir eine Aushebelung der Wehrpflicht auf anderem Weg. Dies würden wir begrüssen.

Ihre Initiative wollte die Dienstpflicht abschaffen und einen freiwilligen Zivildienst einführen. Nun diskutieren sogar Offiziere und Bürgerliche eine Ausdehnung der Dienstpflicht auf Ausländer und Frauen mit freier Wahl zwischen verschiedenen Dienstarten. Schaffen am Schluss die Bürgerlichen, was der GSoA nicht gelang?

Dank unserer Initiative wurde der Angriff auf den Zivildienst gestoppt. Wir haben aufgezeigt, wie willkürlich das heutige Aushebungsverfahren ist. Wenn es jetzt Reformen gibt, welche ziviles Engagement fördern und den militärischen Zwang schwächen, ist das positiv. Wir wollten das erreichen, in dem man die Wehrpflicht abschafft. Dieser Weg ist jetzt gestorben. Nun liegt der Ball beim Parlament, die Reform der Wehrpflicht voranzutreiben.

Haben Sie eine kreative Idee für einen neuen Namen für die GSoA? Senden Sie Ihren Vorschlag an newsdesk@20minuten.ch

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