Aktualisiert 21.04.2006 09:52

Guantánamo ist «riesige Pleite» für die USA

Nach der Veröffentlichung der Liste von mehr als 500 Guantánamo-Häftlingen sind sich Experten sicher, dass sich darunter absolut keine wichtigen Informanten im Kampf gegen den Terror befinden. Sie bezeichnen die ganze Aktion als «riesige Pleite» für die USA.

«Diese Leute wissen nichts», sagte der französische Afghanistan- Experte Olivier Roy der Nachrichtenagentur AFP. «Und selbst wenn sie ein wenig wussten, was sollen ihre Informationen nach vier Jahren noch wert sein?».

Unter den 125 Afghanen auf der Liste seien viele nur durch einen einzigen Namen identifiziert, sagte Roy. «Weil es in Afghanistan und Pakistan häufig Namensgleichheiten gibt, wurden viele festgenommen, weil sie denselben Namen haben wie andere.» Insgesamt sei Guantánamo für die USA eine «riesige Pleite».

Nie gekämpft

Die Mehrheit der Guantánamo-Gefangenen sei von Pakistan an die USA übergeben worden, sagte Tom Malinowski von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Washington. Viele angebliche «Kämpfer» hätten nie gekämpft.

Zahlreiche seien nur festgenommen worden, weil sie in einem Haus wohnten, das mit den Taliban in Verbindungen gebracht wurde, oder weil sie für eine humanitäre Organisation arbeiteten, die dieser Gruppe nahesteht.

Der Ex-Leiter der Abteilung «Bin Laden» der CIA, Michael Scheuer, hatte der US-Wochenzeitung «National Journal» jüngst gesagt, die meisten Guantánamo-Gefangenen seien bestenfalls Taliban- Kämpfer, «die absolut nichts über den Terrorismus wissen».

Gute Informationen

Die Vize-Leiterin der Abteilung für Kriegsverbrechen im US- Aussenministerium, Sandra Hodgkinson, sagte dagegen am Donnerstag in Paris, bei den Insassen des US-Lagers auf Kuba handle es sich zwar nicht um grosse Fische. Ihre Befragungen hätten es den USA aber «erlaubt, gute Informationen zu gewinnen».

Als Beispiele führte Hodgkinson an: «Wir haben Dinge über die Struktur von El Kaida erfahren, über die Mechanismen zur Finanzierung, der Rekrutierung und des Trainings.» Dies gelte gleichermassen für «die Methoden zu reisen, ihre Motivation und für die Organisationen, die ihnen Unterstützung leisten».

(sda)

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