Guantánamo-Suizid: Familien bezweifeln Selbstmord
Aktualisiert

Guantánamo-Suizid: Familien bezweifeln Selbstmord

Saudi-Arabien ordnete die Autopsie von zwei Staatsbürgern an, die in Guantánamo gestorben sind. Gerichtsmediziner sollen die genaue Todesursache feststellen. Die Familienangehörigen bezweifeln den Suizid- im Islam ist Selbstmord streng verboten.

Das US- Militär hatte erklärt, drei Gefangene - neben den beiden Saudis auch ein Jemenit - hätten sich am 10. Juni mit Kleidungsstücken und Bettlaken erhängt. Die USA hatten die Leichen der drei Männer am Freitag überführt; sie trafen am Samstag in ihren Heimatländern ein.

Islam verbietet Selbstmord

Die Familien der Toten bezweifeln jedoch, dass die beiden Gefangenen Selbstmord begangen haben. Der Islam verbietet eine Selbsttötung strikt. Die Männer seien streng gläubige Muslime gewesen, erklärten deren Familien.

Auch das Innenministerium im saudi-arabischen Riad hatte Zweifel an der US-Darstellung geäussert. Wie die saudi-arabischen Verwandten der Verstorbenen, verlangt auch die Familie des Jemeniten eine Obduktion.

Sie weigert sich deshalb, den Toten zu beerdigen, wie der Anwalt der Familie am Samstag in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erklärt hatte. Eigentlich zollen Muslime ihren Toten mit einer schnellen Beerdigung - möglichst innerhalb eines Tages - Respekt.

460 Gefangene

In Guantánamo auf Kuba halten die USA seit Jahren hunderte Männer unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Terrororganisation El Kaida oder zur afghanischen Taliban gehabt zu haben. Bislang wurde aber nur gegen zehn der noch rund 460 Insassen formell Anklage erhoben.

Der Kommandant des Lagers, Konteradmiral Harry Harris, hatte die drei Toten als «gerissen und kreativ» bezeichnet. «Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns.»

Die Staatssekretärin im US-Aussenministerium, Colleen Graffy, hatte gesagt, die Selbstmorde seien «ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen». Einer der beiden Saudis, Jassir Talal al Sahrani, war erst 17 Jahre alt gewesen, als er im US- Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba landete. (sda)

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