Aktualisiert 30.09.2011 17:56

Fashion Week Mailand

Guccis Charleston-Revival in 3-D

Gucci setzt auf Glamour, Glitzer und Art déco. Eine Hommage an die Goldenen Zwanzigerjahre, Man Ray und New Yorks Wolkenkratzer. Die internationale Fashionszene ist begeistert.

von
Yolanda Di Mambro, Mailand

Die Modemetropole Mailand ist derzeit im Ausnahmezustand. 1500 Presseleute aus aller Welt, einflussreiche Käufer und zahlreiche Promis setzen Himmel und Hölle in Bewegung, um eine Einladung für eine der rund 70 Mailänder Fashionshows zu erhalten. Die begehrteste aller Shows ist zweifelsohne Gucci, ein Luxuslabel, dessen Kollektionen sich seit jeher durch Sexyness, Femininität und Eleganz auszeichnen. Wer bei der Gucci-Show auf der stylishen weissen Lederbank mit goldenen Knöpfen sitzt, gehört im Fashionbusiness zur oberen Liga.

Vor dem Eingang zum Modetempel stehen Security-Männer im schwarzen Dressman-Look. Sie sorgen dafür, dass sich niemand ohne Einladung Zugang zur Show verschafft. Hunderte Schaulustige geniessen es, die ankommenden Gäste zu beobachten. Fotografen und Blogger stürzen sich auf Gäste und Fashionistas in kreativen Outfits und fotografieren alles, was nach zukünftigen Trends aussieht – denn Streetwear-Fotos dieser Art sind in der Modeszene heiss begehrt und für jeden Top-Blogger ein Must.

Asien läuft Europa und Amerika den Rang ab

Nach einem Prosecco-Apéro in dem mit goldenen Säulen verzierten Vestibül geht es direkt in die Showhalle, wo die Gäste auf nummerierten weissen Lederbänken Platz nehmen. Zahlreiche Gäste stammen aus dem asiatischen Raum. Sie werden von topgestylten asiatischen Gucci-Mitarbeiterinnen an ihren Platz begleitet. Ein Blitzlichtgewitter wird entfacht, als der VIP-Gast der Show erscheint: Keine europäische oder amerikanische Schauspielerin, sondern die wunderschöne chinesische Schauspielerin Yang Mi. In ihrem bodenlangen roten Gucci-Kleid sieht sie nicht nur bezaubernd aus, sondern vereint westliche Mode mit chinesischer Tradition: Rot, die Nationalfarbe Chinas und des Kommunismus, der Drache (auf dem Armreif), das Symbol der kaiserlichen Macht. In der heutigen wirtschaftlich unsicheren Zeit setzen Luxuslabels alles daran, um sich in boomenden asiatischen Ländern wie China zu positionieren.

New York, Chrysler Building & Charleston

Spektakulär und raffiniert sind die Red-Carpet-tauglichen Abendroben der neuen Frühjahrs- und Sommerkollektion von Gucci. Sie sind eine Hommage an die Goldenen Zwanzigerjahre: Cocktailkleider in Gold, Schwarz und Weiss, deren Muster an das berühmte Chrysler Building in New York erinnern. Die aufwändig verarbeiteten Kleider haben einen 3-D-Effekt und spiegeln sich im Licht, da sie aus Metallelementen, Plexiglas, prismatischen Kristallen und Baguettes bestehen. Lineare Schnitte, tiefsitzende Taille sowie goldfarbene Säume und Fransen vervollständigen den Charleston-Look der Roaring Twenties.

«Hard Déco» und Eighties-Chic

Die Daywear-Kollektion für Frühjahr und Sommer 2012 widerspiegelt den mondänen Lady-Look, den Italienerinnen so lieben. Animalprints in Schwarz und Weiss (Leopard und Zebra), geometrische Muster, vereinzelt Colour-Blocking sowie opulent verzierte Kurzjacken in Schwarz, Weiss und Gold. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die schwarzen Karottenhosen mit Bundfalten, da sie in der Regel nur sehr schlanken Models mit Gazellenbeinen stehen. Sehr tough wirkten zudem das Hairstyling und das Make-up. Die streng zurückgekämmten Haare mit antoupiertem Ansatz sowie die schwere Smokey-Eyes-Version verpassten den Models sehr harte Gesichtszüge. Das Ganze stand jedoch im Einklang mit dem von Gucci gewählten Titel der Kollektion, «Hard Déco».

Frida Giannini, die junge Kreativdirektorin von Gucci, beweist einmal mehr, dass sie ein sicheres Gespür für Trends hat und jede Kollektion neu zu erfinden weiss. Eine würdige Nachfolgerin von Tom Ford, die uns mit Glamour und italienischer Eleganz auch in Zukunft noch oft in Staunen versetzen wird.

Guccis Frühjahrs- und Sommerkollektion 2012 (Video: YouTube, Gucci)

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