Gülcan-Hochzeit: Kommerz hoch drei
Aktualisiert

Gülcan-Hochzeit: Kommerz hoch drei

Schwiegervater Kamps wusste schon, warum er der TV-Hochzeit ferngeblieben ist. Das angekündigte «Sommermärchen» von Gülcan Karahanci und Sebastian Kamps geriet zu einer peinlichen Werbeinszenierung.

Um 22 Uhr und vier Minuten war es soweit: Moderatorin Gülcan und Sebastian Kamps gaben sich das Ja-Wort. Einigen Zuschauern ist es wie eine Erlösung vorgekommen. Nicht aus gespannter Rührung, sondern wegen der gähnenden Langweile, die der produzierende Sender ProSieben zuvor verbreitet hat. Die meiste Sendezeit wurde bis dahin mit Werbung, versteckter Werbung und Zusammenschnitten alter Sendungen gefüllt.

Verlogenheit bis ins Detail

Es gibt Dinge, über die sich streiten lässt. Zum Beispiel, ob es eine gute Idee von Sebastian Kamps war, im gelben Edel-Lamborghini vorzufahren, statt wie geplant gemeinsam mit seiner Braut in der von vier Andalusier-Schimmeln gezogenen Kutsche. Dem gelernten Bäcker und Werbekaufmann hängt ohnehin schon der Ruf eines Schnösels an. Indiskutabel ist dagegen die verlogene Inszenierung der Hochzeit durch das Fernsehen.

Bei den «Fans», die zu Beginn der Sendung aussen stehend gezeigt worden sind, handelte es sich in Wahrheit um vom Sender angeheuerte Komparsen. Wer das entsprechend telegene Gesicht vorzeigen konnte, wurde prompt vorne positioniert und mit Plakaten oder Fähnchen ausgerüstet. Peinlich auch das Interview mit Michael Schmidt: Der Freund des Bräutigams flog angeblich per Helikopter aus London ein und müsse ergo ein «echter Freund» sein, adelte ihn TV-Moderator Steven Gätjen. Der «Spiegel» enthüllte jedoch, dass der Gast aus England schon lange in Travemünde war und erst kurz zuvor in den extra gecharterten Flieger gestiegen ist.

Die Hochzeit als Werbeveranstaltung

Neben den ohnehin schon langen Werbepausen wurden die Zuschauer durch ellenlange Rückblicke hingehalten und durch versteckte Werbung genervt. Da wären beispielsweise die vom Sender bestellten Bands: «Kate & Ben» scheinen nicht wegen ihrer engen Freundschaft mit dem Hochzeitspaar, sondern vor allem wegen ihrer neuen Single «Bedingungslos» aufgetreten zu sein, die Moderator Gätjen prompt in die Kamera hielt.

Dann war da noch der vielsagend angekündigte «Überraschungsgast» Scooter, über dessen bevorstehenden Auftritt eine Zeitung schon einen Tag vorher berichtet hatte. Es ist eine Frage, wie gut der Wummer-Sound von H.P. Baxxter zu einer Hochzeit passt. Es ist jedoch ärgerlich, wenn Moderator Gätjen verbreitet, der Songbrei sei allein zu diesem Anlass zusammengekocht worden. Und einige Minuten später zufällig die neue Scooter-CD auf dem ProSieben-Gabentisch des Paares entdeckt.

Sommer-Traum-Märchen-Prinzen Hochzeit und wuuunderschön

Es ist verständlich, dass der Sender für diese Show nicht mit Superlativen spart. Die Konzentration von Ausdrücken wie «Sommermärchen», «Traumhochzeit», «Prinz und Prinzessin» oder dem mantramässig wiederholten «wunderschön» wurde jedoch schnell langweilig. Bisweilen wurden Tatsachen falsch dargestellt – etwa als Gätjen von Deutschlands erster TV-Live-Hochzeit schwadronierte. Das oft als «Rentnersender» belächelte «ZDF» hat schon letzten November die Eheschliessung des Sängers Bernhard Hirtreiter übertragen. Und ob Gülcan tatsächlich «Deutschlands beliebteste Moderatorin» ist, wie Gätjen vollmundig behauptete, steht nicht zuletzt nach dieser Hochzeit auf einem ganz anderen Blatt.

Laut der Nachrichtenagentur AP hätten insgesamt im Schnitt fast drei Millionen Zuschauer das mehr als zweistündige Finale der Serie «Gülcans Traumhochzeit» verfolgt.

Deine Meinung