Fixe Buchpreise: «Günstige Bücher sind die beste Leseförderung»
Aktualisiert

Fixe Buchpreise«Günstige Bücher sind die beste Leseförderung»

«Buchpreisdiktat Nein»: Mit diesem Slogan hat eine breite Allianz aus bürgerlichen Parteien und dem Konsumentenforum am Freitag den Abstimmungskampf gegen die Wiedereinführung der Buchpreisbindung eröffnet.

In der Schweiz sollen die Preise der Bücher wieder fix festgelegt werden. Darüber wird am 11. März abgestimmt.

In der Schweiz sollen die Preise der Bücher wieder fix festgelegt werden. Darüber wird am 11. März abgestimmt.

Verlierer bei fixen Buchpreisen seien die Konsumenten. Die Profiteure der festgelegten Preise seien hingegen ausländische Grossverlage, welche den Mehrumsatz abschöpfen würden, teilte das Referendumskomitee am Freitag mit. Die vom Parlament wieder eingeführte Buchpreisbindung verpasse das Ziel - die Leseförderung - klar.

«Die beste Leseförderung geschieht durch günstige Bücher», brachte es Nationalrat Ruedi Noser (FDP/ZH) vor den Bundeshausmedien auf den Punkt. In dem «absurden Gesetz» des Parlaments sei lediglich im Zweckartikel von der Förderung die Rede.

Was wirklich gefördert werde, seien die Gewinne eines Kartells, die erst noch hauptsächlich ins Ausland fliessen. Eine Verpflichtung, die Zusatzeinnahmen auch kulturfördernd einzusetzen, fehle, kritisierte Noser. 80 Prozent der hierzulande verkauften Bücher werden importiert.

Kein Autor verdient mehr

Das Argument der Autorenförderung sticht gemäss Noser auch nicht. Die Autoren erhalten nach seinen Recherchen ein festes Absatzhonorar auf den Listenpreis ohne die von Buchhändlern gewährten Rabatte. Das Gesetz schränkt die Rabatte nun auf 5 Prozent ein.

Steigen Bestseller-Preise, wie dies die Preisbindung zur Quersubventionierung weniger gelesener Werke beabsichtigt, erhalten Bestseller-Autoren mehr. Sinken die Preise unbekannter Autoren, erhalten diese weniger. Bleiben die Listenpreise gleich, erhalten die Autoren gleich viel und nur der Verleger profitiert vom steigenden Absatz.

Dumpingpreise via Internet

Fixe Buchpreise nützten neben den ausländischen Grossverlagen auch ausländischen Internet-Anbietern, sagte Nationalrat Lukas Reimann (SVP/SG). Heimische Internet-Buchhändler nämlich müssten sich an die Schweizer Preise halten, jene im Ausland könnten als Preisbrecher auftreten und seien nicht kontrollierbar.

Gänzlich absurd sei der Ausschluss der E-Books von der Preisbindung, das werde zum Bumerang für den heimischen Buchhandel.

Der Jungfreisinnige Matthieu Carrel (VD) erklärte, seit 2007 bröckle das Kartell von Verlegern und Importeuren in der Romandie. Feste Buchpreise hingegen «meisseln das Kartell in Stein». Innovativen Buchhändlern würden Parallelimporte verboten.

Zweifel an Verfassungsmässigkeit

Nationalrat Thomas Weibel (GLP/ZH) bezeichnete die Wiedereinführung der Buchpreisbindung als ordnungspolitischen Sündenfall. Der Buchmarkt funktioniere. Weshalb eine einzige Branche einem Preisschutz unterstellt werden sollte, sei äussert fragwürdig. Das Bundesamt für Justiz bezweifle die Verfassungsmässigkeit.

Zur Allianz gegen die Buchpreisbindung gehören Jungfreisinnige, FDP, Junge SVP, SVP, Grünliberale, Piratenpartei, Konsumentenforum sowie Wirtschaftsverbände. Die Migros mit ihrer Buchhandlung Ex Libris unterstützte die Unterschriftensammlung finanziell.

Die Referendumsvorlage kommt am 11. März zur Volksabstimmung. Das Parlament hatte im Frühling 2011 die Wiedereinführung der Buchpreisbindung beschlossen - vier Jahre nach ihrer Abschaffung. Die Befürworter legen ihre Argumente am 12. Januar dar.

Gewerkschaft für Preisbindung

Syndicom, die Gewerkschaft Medien und Kommunikation, unterstützt die Preisbindung, wie sie in einem Communiqué schrieb. Ohne fixe Preise gehe jeder siebente Arbeitsplatz der Branche verloren. In Grossbritannien seien die Preise nach Aufhebung der Preisbindung explodiert, einzig die Bestseller seien billiger geworden.

(sda)

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