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GesundheitskostenGünstige Medis sollen deutlich teurer werden

Der Bund will billige Medikamente verteuern, um die Gesundheitskosten zu senken. Wie das gehen soll, erklären Experten.

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jk
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will günstige Arzneimittel verteuern und so etwas gegen die hohen Gesundheitskosten unternehmen. Diese wachsen stetig.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will günstige Arzneimittel verteuern und so etwas gegen die hohen Gesundheitskosten unternehmen. Diese wachsen stetig.

Barbara Gindl
Laut einer Prognose der  Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz pro Person bis 2020 von 9824 Franken auf 10705 Franken.

Laut einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz pro Person bis 2020 von 9824 Franken auf 10705 Franken.

Keystone/Gaetan Bally
Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, plant das BAG, den preisbezogenen Vertriebsanteil bei Medikamenten unter 880 Franken zu senken. Aktuell liegt diese Marge für Händler bei insgesamt 12 Prozent. Das BAG will ihn per Juli auf 9 Prozent kürzen. Neu kämen den Apothekern noch 2 Prozent Vertriebsanteil zugute, den Grosshändlern 7 Prozent.

Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, plant das BAG, den preisbezogenen Vertriebsanteil bei Medikamenten unter 880 Franken zu senken. Aktuell liegt diese Marge für Händler bei insgesamt 12 Prozent. Das BAG will ihn per Juli auf 9 Prozent kürzen. Neu kämen den Apothekern noch 2 Prozent Vertriebsanteil zugute, den Grosshändlern 7 Prozent.

Keystone/Walter Bieri

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will günstige Arzneimittel verteuern und so etwas gegen die hohen Gesundheitskosten unternehmen. Diese wachsen stetig. Laut einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz pro Person bis 2020 von 9824 Franken auf 10'705 Franken. «Durch die geplante Preisänderung werden günstige Medikamente leicht teurer. Die Kosten von hochpreisigen Medikamenten hingegen können gesenkt werden», erklärt Matthias Müller, Sprecher von Santésuisse, gegenüber 20 Minuten. Dabei geht es nicht um Generika.

Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, plant das BAG, den preisbezogenen Vertriebsanteil bei Medikamenten unter 880 Franken zu senken. Aktuell liegt diese Marge für Händler bei insgesamt 12 Prozent. Das BAG will diese per Juli auf 9 Prozent kürzen. Neu kämen den Apothekern noch 2 Prozent Vertriebsanteil zugute, den Grosshändlern 7 Prozent. Das heisst: Grosshändler und Apotheken müssen ihre Marge pro verkauftes Medikament herunterschrauben. Der Fixpreiszuschlag pro Packung hingegen soll für günstige Medikamente deutlich höher werden als heute. Im Falle von Medikamenten bis 24 Franken würde er 9 Franken betragen.

Am Beispiel des Schmerzmittels Novalgin bedeutet dies: Eine Packung mit 50 Tabletten würde neu nicht mehr 12,60 Franken kosten, sondern 17,60 Franken. Der Fixpreis-Zuschlag für eine Packung würde nicht mehr 4 sondern 9 Franken betragen. Umgekehrt sinkt der preisabhängige Anteil.

«Prämienzahler müssen entlastet werden»

Laut Santésuisse würde sich jedoch deutlich mehr einsparen lassen als die 47 Millionen Franken, die das BAG angibt. «Wir schlagen vor, den Vertriebsanteil für Grosshändler und Detailhändler auf 5 Prozent zu senken. Der fixe Zuschlag pro Packung hingegen könnte für alle Medikamente bei 10 Franken angesetzt werden», führt Müller aus.

Sei der prozentuale Anteil hoch, entstehe der falsche Anreiz, teure Medikamente zu verkaufen, so Müller. «In erster Linie geht es darum, die Prämienzahler zu entlasten und nicht auf die Grosshändler Rücksicht zu nehmen.» Mit dem Vorschlag von Santésuisse würden sich rund 330 Millionen Franken einsparen lassen. «Wobei rund 300 Millionen Franken in etwa einem Prämienprozent entsprechen, das die Versicherten in der Schweiz sparen könnten», führt Müller aus. Er hoffe, dass das BAG den Prämienzahlern noch mehr entgegenkomme.

«Wird weniger Apotheken geben»

Laut Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte von Comparis, ist eine Senkung der Margen grundsätzlich der richtige Ansatz: «Hohe Margen führen zum Fehlanreiz, teure Medikamente zu verkaufen.» Sowohl die 47 Millionen Einsparungen wie auch die 330 Millionen, die Santésuisse errechnet hat, sind gemäss Schneuwly realistisch. «Man sollte sich aber bewusst sein: Je mehr gespart wird, desto grösser sind die Strukturbereinigungen. Im konkreten Fall bedeutet das, dass es weniger Apotheken geben wird», so der Experte.

Die stetig steigenden Kosten seien in erster Linie einem Mengenwachstum geschuldet, sagt Schneuwly. «Solange immer mehr konsumiert wird – Medikamente, Arztkonsultationen und weiteres – nehmen die Kosten zu. Preisreduktionen lösen dieses Mengenproblem nicht.»

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