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Stadt ZürichGünstige neue Wohnungen – auch für Flüchtlinge

Ab Spätherbst können gleich beim Zürcher Limmatplatz 99 Wohnungen zu günstigen Preisen gemietet werden – zehn davon gehen an Flüchtlinge.

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som
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Blick in die Küche einer 4,5-Zimmer-Wohnung der Siedlung Kronenwiese. Ab Spätherbst 2016 können hier 99 Wohnungen bezogen werden. Der Nettomietzins für eine nicht subventionierte 4,5-Zimmer-Wohnung liegt bei rund 1800 bis 1910 Franken (plus 160 Franken Nebenkosten). Ein Drittel der Wohnungen ist subventioniert. Hier kostet die 4,5-Zimmer-Wohnung netto zwischen rund 1430 und 1510 Franken.

Blick in die Küche einer 4,5-Zimmer-Wohnung der Siedlung Kronenwiese. Ab Spätherbst 2016 können hier 99 Wohnungen bezogen werden. Der Nettomietzins für eine nicht subventionierte 4,5-Zimmer-Wohnung liegt bei rund 1800 bis 1910 Franken (plus 160 Franken Nebenkosten). Ein Drittel der Wohnungen ist subventioniert. Hier kostet die 4,5-Zimmer-Wohnung netto zwischen rund 1430 und 1510 Franken.

Stadt Zürich
In der Wohnung dominieren Weiss- und Grautöne. Auffällig sind die Decken aus Sichtbeton und die Gipsböden.

In der Wohnung dominieren Weiss- und Grautöne. Auffällig sind die Decken aus Sichtbeton und die Gipsböden.

som
Die eher karge Ausstattung habe man einerseits aus Spargründen gewählt, sagt Jürg Keller, Vizedirektor der Liegenschaftsverwaltung, «anderseits gefällt uns diese Bauweise auch».

Die eher karge Ausstattung habe man einerseits aus Spargründen gewählt, sagt Jürg Keller, Vizedirektor der Liegenschaftsverwaltung, «anderseits gefällt uns diese Bauweise auch».

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Sie ist noch eine Baustelle – die städtische Siedlung Kronenwiese in Zürich-Unterstrass. Trotzdem rechnet die Stadt mit einem riesigen Andrang, wenn am 3., 4. und 8. Juni eine fixfertige Musterwohnung besichtigt werden kann – bereits 600 Personen haben gemäss einer Mitteilung ihr Interesse bekundet. DAs ist nicht verwunderlich, denn der monatliche Nettomietzins beträgt für eine 96 bis 104 Quadratmeter grosse 4,5-Zimmer-Wohnung regulär 1500 bis 1600 und subventioniert 1200 bis 1300 Franken.

Insgesamt sollen 99 Wohnungen an zentraler Lage oberhalb des Limmatplatzes ab diesem Spätherbst bezogen werden, 72 davon sind Familienwohnungen mit 3,5 bis 5,5 Zimmern. Zehn Wohnungen sind für Flüchtlinge reserviert, sagte Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) an einem Medienrundgang am Dienstag.

Unmöglich, Flüchtlinge in privaten oder städtischen Siedlungen unterzubringen

Denn die Liegenschaftsverwaltung unterstützt die Asyl Organisation Zürich (AOZ) bei der Unterbringung von Personen, die das Bleiberecht als anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene erhalten, wie Leupi sagt: «Zehn von 99 Wohnungen mag nach viel erscheinen.» Man vermiete sie aber hauptsächlich an Familien, die längerfristig in der Schweiz bleiben können.

«Es ist unser Interesse, dass sie eine feste Bleibe haben und nicht ständig hin und her geschoben werden», sagt Leupi: So lange ein erhöhter Bedarf bestehe, werde bei allen neuen städtischen Siedlungen einen Teil der Wohnungen für Flüchtlinge reserviert sein: «Der Kanton schreibt uns ein bestimmtes Kontingent an Flüchtlingen vor, die wir aufnehmen müssen.» Es sei unmöglich, diese in privaten oder bestehenden städtischen Siedlungen unterzubringen.

«Das ist ein Affront»

Gar nicht begeistert ist der Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena: «Bei dieser Wohnungsnot ist das ein Affront gegenüber allen Einheimischen, die sich nur knapp eine Wohnung leisten können oder keine städtische kriegen.» Zudem werde die Willkommenskultur so auf die Spitze getrieben: «Das spricht sich doch rum.»

Denn viele Flüchtlinge kommen laut Tuena aus wirtschaftlichen Gründen hierher – und nicht, weil sie an Leib und Leben bedroht seien: «Sie haben doch keinen Anlass, die Schweiz wieder zu verlassen, wenn sie solche Wohnungen kriegen.»

«Die Idee der Stadt ist sehr gut»

Ganz anders sieht das Davy Graf, SP-Fraktionschef im Gemeinderat: «Viele Flüchtlinge können bei der gegenwärtigen Situation in ihren Ländern nicht so schnell zurück.» Da sei es doch wichtig, dass man ihnen eine gewisse Perspektive aufzeige und ein anständiges Leben ermögliche.

Die Idee der Stadt sei sehr gut: «Gerade in einer neuen Siedlung mit vielen Menschen können sich Flüchtlinge besser integrieren, als wenn sie isoliert leben.» Die paar Flüchtlinge in der Siedlung würden die Wohnungsnot nicht weiter verschärfen: «Um dieser entgegenzuwirken, braucht es ganz andere Massnahmen.»

Wie werden die Wohnungen vergeben?

Eine Musterwohnung kann am 3., und 4. und 8. Juni besichtigt werden – die Stadt rechnet mit einem Grossandrang. Die Vergabe der Wohnungen richtet sich nach den vom Gemeinderat festgelegten Grundsätzen: Angestrebt wird eine gute soziale Durchmischung. Steuerbares Einkommen und Vermögen der Bewerberinnen und Bewerber müssen in einem «angemessenen Verhältnis» stehen, wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Zudem wird eine möglichst gute Belegung angepeilt, die über den Mindestanforderungen liegt (Mindestanzahl Personen = Anzahl Zimmer minus eins). Die 99 Wohnungen werden im Tagblatt und auf den Internetseiten der Liegenschaftenverwaltung ausgeschrieben. sda

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