Luzern: Güsel soll unterirdisch abgesaugt werden
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LuzernGüsel soll unterirdisch abgesaugt werden

Ob Papier, Pet oder Alu: Ein neues Druckluft-Rohrsystem im Untergrund von Luzern soll die Güselabfuhr revolutionieren. Vorbild ist ein Stadtteil in Stockholm.

von
pz
Der getrennte Müll soll über Vakuumröhren in die Sammelstelle transportiert werden.

Der getrennte Müll soll über Vakuumröhren in die Sammelstelle transportiert werden.

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Im Stockholmer Quartier Hammarby Sjöstad wird der Güsel auf ganz spezielle Weise entsorgt. Der Stadtteil gilt als Nonplusultra am Öko-Himmel. Dort gibts ein unterirdisches Röhren-System: In Säulen können die Quartierbewohner ihren Güsel getrennt einwerfen – danach wird dieser in unterirdischen Röhren per Vakuum kurzerhand abgesaugt und per Druckluft zu einer Sammelstelle transportiert. Eine Containerleerung per Güselwagen ist überflüssig. Dieses Entsorgungssystem trennt in Stockholm zudem seit 2005 Bioabfall, Papier und Zeitschriften vom Restmüll.

Das Beispiel soll jetzt in Luzern Schule machen. In einem Vorstoss fordern die Grossstadträte András Özvegyi und Jules Gut von der GLP den Stadtrat auf, ein solches System auch für Luzern zu prüfen. «Mit der unterirdischen Methode kann viel Geld gespart werden», sagt Özvegyi. Es brauche weniger Fahrzeuge und weniger Manpower. Özvegyi betont, dass in Luzern Süd und Nord, in Littau, bei der Industriestrasse und beim ewl-Areal neue grosse Siedlungen entstehen. Zudem seien mit Bypass, Tiefbahnhof und Metro grosse Bauten mit vielen unterirdischen Tunnels und Stollen in Planung. Im Zuge dieser Neubauten bewirbt der Vorstoss die Röhrenabfall-Entsorgung.

Die Zukunft liegt unter der Erde

Auch Martin Zumstein, Geschäftsleiter von Real (Recycling, Entsorgung, Abwasser, Luzern), sieht die Zukunft der Müllentsorgung unter der Erde. «Der Trend, dass Sammelstellen im Untergrund immer häufiger gewünscht werden, wird sich fortsetzen.» Vor allem bei neuen, grösseren Überbauungen seien Abfallcontainer unter dem Boden eine gute Variante. In einigen Siedlungen gibt es das bereits, allerdings ohne abführende Röhren – der Güsel muss hingebracht werden. Dennoch sagt Zumstein: «Die Bewohner profitieren, denn sie können jederzeit ihren Müll entsorgen.»

Das Röhrensystem à la Hammarby könnte er sich höchstens bei Quartieren, die neu gebaut werden, vorstellen. Er hat aber auch Vorbehalte: «Ein Entsorgungssystem in diesem Ausmass ist kaum bezahlbar.» Denn die unterirdische Verlegung von Röhren im städtischen Raum sei ein schwieriges, teures Unterfangen und deren Betrieb sehr störungsanfällig.

Besuch in Stockholm war überzeugend

Für den Grünliberalen Özvegyi ist klar: «Mit dem Rohrsystem würde die Stadt attraktiver.» Auch der Co2-Verbrauch könne gesenkt und Energie gespart werden. Er streitet nicht ab, dass die Idee mit dem Güselstaubsauger etwas verrückt daherkommt. Aber: «Man muss Visionen haben.» Es gebe schliesslich ein unterirdisches Fernwärmenetz sowie unterirdischen Bahnverkehr. Özvegyi war bereits selbst im Stockholmer Stadtteil Hammarby. Was er dort sah, überzeugt ihn: «Kein Gestank, kein herumliegender Abfall und keine Güselwagen.» Er hofft nun, dass der Stadtrat zu diesem Thema eine Studie in Auftrag gibt.

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