«Guetenabig, ich bi de Ueli Murer...»

Aktualisiert

«Guetenabig, ich bi de Ueli Murer...»

Aggressives Telemarketing der SVP: Gestern erhielten 5000 Zürcher einen automatischen Anruf von Parteipräsident Ueli Maurer. Auf der Ansage wird für ein Nein zum Osthilfe-Gesetz geworben.

Seit gestern Abend erhalten «ausgewählte Stimmberechtigte» den Anruf der SVP. Die Rede Maurers dauert ganze zwei Minuten (siehe Audio-Hörprobe). Gemäss SVP befindet sich die automatisierte Telefonwerbung aber noch in der Testphase.

Bei Beschwerden würde das Experiment abgeblasen, ansonsten laut einem Bericht von «Radio 24» gar ausgeweitet. Doch Beschwerden gibt es bereits: Einige Hörer beschwerten sich beim Radio über den SVP-Anruf.

SVP-Parteisekretär Claudio Zanetti behauptet das Gegenteil: «Von den 5000 Anrufen haben sich nur 20 beschwert», sagte er gegenüber 20minuten.ch. Zudem haben sich nach Angaben der SVP 70 Prozent der Leute die Ansage zu Ende angehört.

«Get the vote»

Laut PR-Berater Klaus J. Stöhlker ist die SVP nur die erste Schweizer Partei, die auf die neue Directmarketing-Methode setzt, andere würden folgen. Denn: «Das nächste Jahr wird das härteste und wichtigste Wahljahr werden», sagte Stöhlker zu 20minuten.ch.

Jetzt würden modernste amerikanische Methoden eingesetzt, damit der Besitzstand gewahrt werden könne. «Der Partei-Fight wird härter», prognostiziert Stöhlker. Die Parteien stünden vor dem Problem, auch Jüngere ansprechen zu müssen, um an der Urne Erfolg zu haben.

Die neuen Wahlwerbung wird sich nach Ansicht Stöhlkers durchsetzen. Im Ausland sei aggressive telefonische Wahlwerbung unter dem Motto «Get the vote», um Wahlmuffel zu aktivieren, gang und gäbe.

Legale Wahlwerbung

Rechtlich gesehen ist die je nach Interpretation innovative oder aufdringliche Telefonwerbung legal. Genau wie der Sticker «keine Werbung» für Wahlwerbung nicht gilt und diese trotzdem im Briefkasten landet.

Allerdings: Gerichte beurteilten Fax-Spam kommerzieller Natur in der Vergangenheit als unlauteren Wettbewerb. Davon will Ueli Maurer nichts wissen. In der «Tagesschau» meinte der SVP-Präsident, der Angerufene könne ja nach einer Sekunde auflegen.

Die SVP will aber diejenigen Haushalte nicht anrufen, die keine Werbeanrufe wünschen. Einen solchen Eintrag kann man im Telefonbuch vermerken lassen.

(ast/pwy)

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