Aktualisiert 23.12.2008 09:31

Leukämie?Guineas Diktator Conté ist tot

Der langjährige Diktator des westafrikanischen Landes Guinea, Lansana Conte, ist nach langer Krankheit gestorben. Conte war in Guinea seit 24 Jahren an der Macht. Guinea verfügt über reiche Bodenschätze, ist jedoch eines der ärmsten Länder Afrikas.

Conte litt an Diabetes und Herzproblemen, Berichten zufolge soll er auch an Leukämie erkrankt gewesen sein. Er hatte sich in den vergangenen Jahren häufiger zu medizinischen Behandlungen in die Schweiz begeben. Contes genaues Alter ist nicht bekannt. Er soll 1934 geboren worden sein und wäre damit bei seinem Tod am Montag etwa 74 Jahre alt gewesen.

Nach der Verfassung übernimmt der Parlamentspräsident zunächst die Amtsgeschäfte. Seine Aufgabe ist es, Neuwahlen zu organisieren. Neben Sompare waren am Dienstag auch Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare und der Armeechef im Fernsehen erschienen. Offenbar wollte die Führungselite Geschlossenheit demonstrieren, um Gerüchten über einen bevorstehenden Putsch entgegenzuwirken.

Proteste gewaltsam niedergeschlagen

Der strenggläubige Muslim Conte machte in den Streitkräften Karriere und war bereits zum Generalstabschef aufgerückt, als er am 3. April 1984 kurz nach dem Tod des ersten Präsidenten des unabhängigen Guinea, Ahmed Sekou Toure, einen erfolgreichen Militärputsch anführte. Seither regierte Conte das westafrikanische Land mit eiserner Faust. Ein Mehrparteiensystem wurde in den 90er Jahren eingeführt, doch die Wahlen waren bis zuletzt weder frei noch transparent. Kritik an seiner Regierung liess Conte wiederholt gewaltsam niederschlagen, zuletzt vor zwei Jahren, als Sicherheitskräfte dutzende Demonstranten töteten.

Trotz reicher Bodenschätze gehört Guinea zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Conte und seine Vertrauten beuteten das Land systematisch aus; Misswirtschaft und Korruption sind verbreitet. Der Grossteil der rund neun Millionen Einwohner profitiert nicht vom immensen Reichtum an Bodenschätzen. Guinea ist beispielsweise das grösste Förderland von Bauxit, einem wichtigen Bestandteil der Aluminium-Herstellung. Das westafrikanische Land steht für die Hälfte der weltweiten Bauxit-Förderung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren indes gehört zu den niedrigsten der Welt. Dem Entwicklungs- und Armutsindex HDI der Vereinten Nationen zufolge belegt Guinea 2008 bei insgesamt 179 Staaten den 167. Platz.

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.