Wodka Red Bull: Gummibärli soll legalisiert werden

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Wodka Red BullGummibärli soll legalisiert werden

Partygänger müssen bald nicht mehr selber mischen: Das Parlament könnte den Mix aus Wodka und Red Bull in der Herbstsession legalisieren. Gesundheitspolitiker und das Blaue Kreuz üben Kritik.

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hvw

Der beliebte Drink Gummibärli könnte bald in Bars angepriesen werden. Das Mischgetränk aus Wodka und Red Bull, das vor allem in Clubs und an Jugendfesten reissenden Absatz findet, wird vom Parlament voraussichtlich in der Herbstsession legalisiert, schreibt die «Basler Zeitung» am Montag.

Der Ausschank des süssen Mischgetränks ist bis anhin nach schweizerischem Recht verboten, da Energy-Drinks unter die Verordnung über Speziallebensmittel des Bundes fallen. Darin ist festgehalten, dass die Aufputsch-Getränke nicht mit Alkohol gemischt werden dürfen. Dafür gebe es gute Gründe, sagt Walter Liechti, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes in der Deutschschweiz: «Jeglicher Mischkonsum ist potenziell gefährlich, da man den Alkohol beim Konsum nicht mehr so gut schmeckt.»

Gummibärli gefährlich für Junge

Vor allem bei Jugendlichen bestehe die Gefahr, dass sie zu viel der süssen Drinks konsumierten, sagt Liechti. Der Alkoholmissbrauch werde durch den Mischkonsum klar gefördert, ist er überzeugt. Er kritisiert daher das Vorhaben des Parlaments: «Die gesetzliche und damit auch gesellschaftliche Billigung des Ausschanks von alkoholischen Mischgetränken lehnen wir ab.»

Neu sollen Red Bull und Co. in die Verordnung über alkoholfreie Getränke überführt werden. Darüber entscheidet das Parlament in Bern in der Herbstsession. Die bislang zwingende Dosen-Aufschrift «Nicht mit Alkohol mischen» würde also wegfallen. Clubs, Bars und Feststandbetreiber könnten das Getränk dann fertig gemischt anbieten.

«Junge müssen lernen, mit Alkohol umzugehen»

Massvoll konsumiert seien diese Mischgetränke unbedenklich, sagt Kathrin Leisi, Präsidentin der Swiss Barkeeper Union. Zudem sei sich ein Jugendlicher bewusst, was er damit zu sich nehme: «Jeder weiss, dass ein Gummibärli Wodka mit 40 Prozent Alkohol enthält.»

Das reiche nicht, findet Liechti vom Blauen Kreuz. Nötig wären vielmehr Aufschriften auf den Schnapsflaschen, die vor den schädlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit warnen. Leisi hält dagegen, dass Einschränkungen oder Verbote nicht zielführend seien: «Junge Leute müssen lernen, mit Alkohol umzugehen. Mit Verboten erreicht man das nicht.»

Gesundheitspolitiker dagegen

Bei Mitgliedern der Gesundheitskommission stösst die geplante Gummibärli-Legalisierung auf Ablehnung. «Alkohol kann zum Suchtmittel werden und dies sollten wir nicht mit Liberalisierung unterstützen», sagt etwa Roland Borer (SVP). Das Geschäft werde im Parlament sehr wahrscheinlich abgelehnt. Ruth Humbel (CVP) steht der geplanten Gesetzesänderung ebenfalls skeptisch gegenüber, da sie einen Anstieg des Alkoholkonsums bei Jugendlichen befürchtet.

SP-Politikerin Bea Heim dagegen räumt der geplanten Legalisierung gute Chancen ein. «Erfahrungsgemäss werden Liberalisierungen im Alkoholbereich angenommen.» Dies setze aber ein schlechtes Zeichen. «Mit dem Ausschank von Mischgetränken fällt eine Hemmschwelle weg, da die Konsumenten es nicht mehr selber mixen müssen», sagt Heim.

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