31.01.2019 14:14

Neue Munition

Gummigeschoss mit Smiley war ein Testlauf

Ein gelbes Gummigeschoss wurde im vergangenen September schweizweit bekannt. Es gehörte zu einem Pilotprojekt, das hohe Wellen wirft.

von
dmo
1 / 7
Bei den Krawallen im September 2018 verwendete die Polizei solche Gummigeschosse. Jemand hatte eins davon mit einem lachenden Smiley verziert.

Bei den Krawallen im September 2018 verwendete die Polizei solche Gummigeschosse. Jemand hatte eins davon mit einem lachenden Smiley verziert.

zvg/Reitschule
Kapo-Sprecherin Jolanda Egger dazu: «Wir können uns nicht vorstellen, dass ein Angehöriger der Polizei dieses Smiley aufgemalt hat. Dies widerspräche dem gebotenen Respekt.» Später krebste die Kapo zurück.

Kapo-Sprecherin Jolanda Egger dazu: «Wir können uns nicht vorstellen, dass ein Angehöriger der Polizei dieses Smiley aufgemalt hat. Dies widerspräche dem gebotenen Respekt.» Später krebste die Kapo zurück.

zvg/Reitschule
Wie es in der Nacht zum 2. September vor der Reitschule zur Eskalation kam, ist nach wie vor unbekannt: Beide Seiten erzählen Gegenteiliges.

Wie es in der Nacht zum 2. September vor der Reitschule zur Eskalation kam, ist nach wie vor unbekannt: Beide Seiten erzählen Gegenteiliges.

zvg/Reitschule

Anfang September 2018 kam es bei der Reitschule in Bern zu Ausschreitungen. Im Anschluss veröffentlichte das Kulturzentrum ein Bild, das schweizweit für Aufsehen sorgte. Es zeigt ein gelbes Gummigeschoss, das mit einem Smiley versehen ist. Das Gesicht war von einem Polizisten aufgemalt worden, wie die Kantonspolizei Bern nach einem ersten Dementi schliesslich doch bestätigte.

Wie der «Bund» (Bezahlartikel) jetzt berichtet, handelt es sich bei der eingesetzten Munition um einen Testlauf. Die Kapo teste einen neuen Werfer samt Munition, heisst es in einem Schreiben des Kantons. Anders als beim üblichen Gummischrot handelt es sich um Einzelgeschosse, die grösser sind. Hersteller ist B&T aus Thun.

«Verletzungspotenzial» ist beachtlich

Doch die Firma steht in der Kritik: Unter anderem wurden Waren von B&T unzulässig nach Kasachstan vertrieben. Der Inhaber ist wegen Verstoss gegen das Kriegsmaterialgesetz verurteilt worden. Bei den Gelbwesten-Protesten in Frankreich sind zudem Demonstranten von Geschossen schwer verletzt worden, die von B&T-Werfern abgefeuert wurden.

Christa Ammann (AL) findet es «äusserst problematisch», dass der Kanton mit der Firma Geschäfte machen will. Der Regierungsrat kontert hingegen, man habe nach mehreren Besuchen des Waffen- und Zubehörherstellers keine Bedenken. B&T nimmt in einem Schreiben auf der Website Stellung. Die in Frankreich verwendete Munition stamme nicht von ihnen. Die Werfer seien von B&T «produziert und mit einer genehmigten Ausfuhrbewilligung gemäss den gesetzlichen Bestimmungen ordentlich nach Frankreich exportiert» worden, heisst es weiter.

Dem «Bund» liegt ein Gutachten der Universität Bern vor. In diesem wird das «Verletzungspotenzial» der Patronen als beachtlich beurteilt. Rippenbrüche und Augenschäden seien noch aus einer Distanz von 60 Metern möglich. B&T gibt an, die Geschosse seien durch das Gutachten als «sicher auf Nahdistanz» bewertet worden. Die Testphase ist noch nicht abgeschlossen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.