Lara Gut-Behrami und Marco Odermatt gegen den Rest der Ski-Welt
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Wer holt den Gesamtweltcup?Gut-Behrami und Odermatt gegen den Rest der Ski-Welt

Am Samstag starten die Frauen in die neue Weltcup-Saison. Noch gibt es einige Fragezeichen, doch die Favoritinnen auf den Gesamtweltcup stehen bereits fest. Und auch bei den Männern ist es ein kleines, prominentes Grüppchen an Siegesanwärtern.

von
Sven Forster
Adrian Hunziker
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Lara Gut-Behrami zählt auch in diesem Jahr zu den Favoritinnen im Gesamtweltcup. 

Lara Gut-Behrami zählt auch in diesem Jahr zu den Favoritinnen im Gesamtweltcup.

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Die 30-Jährige will in diesem Winter wieder jubeln. 

Die 30-Jährige will in diesem Winter wieder jubeln.

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Konkurrenz gibt es genug. Auch mit Petra Vhlova. 

Konkurrenz gibt es genug. Auch mit Petra Vhlova.

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Darum gehts

  • Die neue Ski-Saison startet am Samstag und Sonntag traditionsgemäss in Sölden.

  • Wer hat bei den Frauen und Männern Chancen auf den Gesamtweltcup?

  • Wir zeigen die grossen Favoritinnen und Favoriten.

Am Samstag starten die Frauen in die neue Weltcup-Saison. In Sölden wagen sich die ersten Athletinnen durch den Stangenwald und kämpfen um Punkte für den Gesamtweltcup (live im Ticker). Doch wer könnte in diesem Jahr die grosse Kristallkugel gewinnen? Wir klären auf.

Petra Vlhova

Die Siegerin des letzten Gesamtweltcups ist bei den Wettbüros auch in dieser Olympia-Saison wieder ganz vorne. Kein Wunder: Die Slowakin fährt in allen vier grossen Disziplinen um Punkte. Die 26-Jährige hat nach dem Triumph im Gesamtweltcup einen Trainerwechsel vorgenommen und arbeitet nun mit dem Schweizer Mauro Pini zusammen. Der Tessiner trainierte früher Lara Gut-Behrami und war auch Frauen-Cheftrainer bei Swiss-Ski. Zusammen wollten sie mehr auf Qualität statt Quantität setzen, so Vlhova. Im letzten Winter bestritt sie alle Rennen, nun will sie den Fokus auf den Slalom und den Riesen setzen, aber auch situationsbedingt Speed-Rennen bestreiten. Sie bleibt also ein heisses Eisen auf den Triumph am Ende der Saison.

Mikaela Shiffrin

Die US-Amerikanerin ist zurück. In der letzten Saison musste Shiffrin mit dem überraschenden Tod ihres Vaters einen Schicksalsschlag hinnehmen und konnte sich nicht mehr auf den Sport fokussieren. Nun will sie wieder an die Spitze ihres Sports. Dort, wo sie mehrere Jahre stand – kein Wunder bei 69 Weltcupsiegen. An einer Pressekonferenz sagte sie: «Ich hatte einen guten Sommer wie früher, alles war so wie früher.» Die Favoritenrolle in Sölden will sie nicht übernehmen. Kündigte aber an: «Wenn ich in Sölden die Chance erhalte, aufs Podest zu fahren, gehe ich All-in.» Unterstützung erhält sie von ihrem Freund – dem norwegischen Skistar Aleksander Kilde. Im Interview mit der «NZZ» sprachen die beiden über gemeinsame Trainings: «Es macht sehr viel Spass. Es ist, als wärst du in einem Wettkampf, aber es ist kein echter Wettkampf.»

Lara Gut-Behrami

Sie ist die grosse Schweizer Hoffnung im Gesamtweltcup, aber auch beim ersten Rennen in Sölden. Im letzten Winter fehlten ihr nur 160 Punkte auf Petra Vhlova. Nun will sie erneut angreifen. Mit dem Super-G, der Abfahrt und dem Riesenslalom zählt Gut-Behrami gleich in drei Disziplinen als eine Favoritin auf die kleine Kristallkugel, natürlich darf man auch vom grossen Titel träumen. Diesen hat sie in der Saison 2015/2016 bereits einmal gewonnen. Die Vorbereitung bestritt Gut-Behrami ganz mit den Equipen von Swiss-Ski. Der Spanier Jose Luis Alejo Hervas kümmerte sich vor allem um die 30-Jährige. Der grosse Vorteil von Gut-Behrami in dieser Saison: Im Weltcup-Kalender wurde eine Chancengleichheit geschaffen. Nun finden, sollte das Wetter mitmachen, gleich viele Speed- wie Technik-Rennen statt.

Michelle Gisin

Sie ist die Wildcard unter den Favoritinnen. Gisin ist eine Vielfahrerin und stand bereits in allen Disziplinen auf dem Podium. Das Problem: Im Sommer erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber. Eine gute Vorbereitung war kaum zu absolvieren. Sie sagte: «Manchmal frage ich mich, ob das je wieder gut kommt.» Kein Wunder, musste sie doch nach einem kurzen Spaziergang immer Pausen einlegen. Im September stand sie das erste Mal wieder auf den Ski. Nun ist das Programm der 27-Jährigen in diesem Winter noch nicht klar definiert. In Sölden hat sie zwar eine Startnummer, ob sie aber wirklich starten wird, das behält sie sich offen. Im letzten Jahr klassierte sie sich noch auf dem dritten Platz im Gesamtweltcup.

Sofia Goggia

Mit Aussenseiterchancen geht Sofia Goggia ins Rennen. Die 28-Jährige feiert in Sölden ihr Comeback, nachdem sie sich im Januar bei einem Trainingslauf schwer verletzt hat. Trotz ihres langen Ausfalls gewann die Italienerin dank vier Siegen die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. Die Fraktur des seitlichen Schienbeinkopfes im rechten Kniegelenk soll auskuriert sein und Goggia, die bereits einmal auf dem dritten Platz des Gesamtweltcups klassiert war, will wieder voll angreifen. Neben der Abfahrt und dem Riesenslalom fährt die Italienerin auch im Super-G.

Auch mit diesen Fahrerinnen muss gerechnet werden: Katharina Liensberger (Österreich), Marta Bassino, Federica Brignone (Beide Italien).

Odermatt ist heiss

Auch bei den Männern wollen im Gesamtweltcup Schweizer mitreden: Marco Odermatt ist der grösste einheimische Triumph, aber mit Loïc Meillard ist noch ein zweiter heiss auf die grosse Kugel. Wir stellen auch bei den Männern die Favoriten vor.

Marco Odermatt

Es hatte nicht viel gefehlt in der vergangenen Saison. Der 24-Jährige schnupperte bereits ein erstes Mal am Gesamtweltcup. Letztlich behielt aber Routinier Alexis Pinturault die Oberhand. Odermatt sagt im Interview mit 20 Minuten: «Ich würde lügen, wenn ich nicht den Gesamtweltcup im Auge hätte. Es ist diese Saison ein Ziel oder spätestens in den nächsten Jahren. Wenn man schon so früh so nahe dran ist, muss man es nicht verneinen. Ich weiss aber, dass viel zusammenspielen muss. Man muss Rennen gewinnen in verschiedenen Disziplinen, das ist schon schwierig genug.» Der Allrounder hat dieses Mal den Vorteil auf seiner Seite, dass auch bei den Männern gleich viele Speed- und Technik-Rennen geben wird. Das kommt Odermatt, der Abfahrt, Super-G und Riesenslalom fährt, entgegen.

Alexis Pinturault

Jahrelang stand dem Franzosen Marcel Hirscher vor der Sonne, es gab kein Vorbeikommen. Und als Hirscher nicht mehr fuhr, war Aleksander Kilde eine Spur besser. Im März dieses Jahres war es für den 30-Jährigen aber endlich so weit: Er sicherte sich den Gesamtweltcup mit 1436 Punkten. Dank der kleinen Kugel im Riesen und vielen Punkten im Slalom holte der Allrounder als dritter Franzose den Gesamtweltcup, nach Jean-Claude Killy und Luc Alphand. Dieser Sieg Pinturaults würde auch gut nach Hollywood passen. Denn nach jahrelangem Darben schaffte er den Coup just an seinem 30. Geburtstag – so richtig kitschig. «Das beste Geschenk, das ich mir machen konnte. Es waren so viele Emotionen dabei.»

Loïc Meillard

Vierter war er letzte Saison geworden, halt immer etwas im Schatten Odermatts, mit dem er aber sehr gut auskommt. Gleich alt sind sie auch. Der Neuenburger Allrounder würde aber lügen, würde er nicht auch auf die grosse Kugel schielen. Zu 20 Minuten sagt er: «Sicher, in der Zukunft ist der Gesamtweltcup ein Ziel. Um eine Kugel zu gewinnen, musst du jeden Tag stark sein und konstant fahren. Ich fokussiere mich Rennen für Rennen.» Der Technik-Spezialist weiter: «Wenn es gut läuft, kommt es von selbst. Klar ist, es muss vieles passen, um zu gewinnen.» Meillard kommt in der aktuellen Saison hingegen nicht zugute, dass es im Kalender nur ein Parallelrennen gibt – seine Spezialität – und keine Kombination gefahren wird.

Alexander Kilde

Ein Kreuzbandriss band ihn jäh zurück. Im Januar erlitt der Norweger diesen im Training in Österreich, die Saison war zu Ende. Ein Jahr zuvor hatte Kilde noch den Gesamtweltcup gewonnen. Nun musste er monatelang seine Muskeln wieder aufbauen. Geholfen dabei hat ihm auch seine Freundin Mikaela Shiffrin. Das gemeinsame Training zeigten die beiden immer wieder auf Social Media. Zwar wird Kilde auch dieses Mal angreifen und seinen Triumph von 2020 wiederholen wollen, doch es wird ein schwieriges Unterfangen für den 29-Jährigen.

Henrik Kristoffersen

Nur der 7. Rang – viel zu wenig für einen wie den ehrgeizigen Kristoffersen. Das soll in der neuen Saison besser werden. Aber: Es gibt ja nun gleich viele Speed- wie Technik-Rennen, das ist kein Vorteil für denTechniker. Der 27-Jährige hat zwar an Muskelmasse zugelegt, das nützte ihm in der vergangenen Saison aber wenig, er fuhr des öfteren hinterher und konnte sich in der Speed-Szene nicht etablieren. Und auch im Slalom, seiner Paradedisziplin, konnte er nicht mehr an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen. Ein Auge müssen seine Konkurrenten aber auch auf ihn haben.

Auch mit diesen Fahrern muss gerechnet werden: Marco Schwarz, Vincent Kriechmayr (beide Österreich), Filip Zubcic (Kroatien) und laut Odermatt auch Ryan Cochran-Siegle (USA).

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