Aktualisiert 08.12.2008 11:52

Gut bewaffnet und organisiert

Die Piraten vor der Küste Somalias sind finanziell gut ausgestattet, hervorragend organisiert und finden leichten Zugang zu schweren Waffen.

Sie greifen riesige Frachtschiffe von kleinen Booten aus an, die von Komplizen aufs Meer hinaus geschleppt werden. Trotz Patrouillen internationaler Kriegsschiffe gelingt es ihnen dank moderner Kommunikationstechniken immer wieder, Frachter und Segeljachten unter ihre Kontrolle zu bringen.

Auf dem Radar erscheinen die Piraten wie normale Fischerboote oder andere ungefährliche Schiffe, die jeden Tag auf dem Meer unterwegs sind. Bis an Bord der Schiffe die Piraten bemerkt werden, sind sie schon mit Leitern an Deck geklettert und drohen mit automatischen Waffen und Granatwerfern. Dabei kommt ihnen zugute, dass es sich bei ihrer Beute meist um riesige und damit schwerfällige Schiffe handelt, wie den saudiarabischen Supertanker mit einer 100 Millionen Dollar teuren Ladung Rohöl.

Bislang haben die Piraten allein in diesem Jahr rund 30 Millionen Dollar Lösegeld erpresst. In einem Land, das seit fast zwei Jahrzehnten keine funktionierende Regierung hat, stellt sich ihnen niemand in den Weg. Die Überfälle konzentrieren sich auf den Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen, der jedes Jahr von rund 20.000 Handelsschiffen durchquert wird. Die Schiffe fahren den Suez-Kanal und nehmen damit den kürzesten Weg von Asien nach Europa und Amerika.

Die NATO und die US-Marine haben erklärt, sie könnten unmöglich den ganzen Golf kontrollieren. Militärische Befreiungsaktionen gekaperter Schiffe sind riskant für die Besatzung und kommen bisher nur selten vor.

Experten erklärten, die Piraten erhielten für gewöhnlich einen Festpreis für ihr Teilnahme an einer Entführung. Die Verhandlungen übernehmen dann Mittelsmänner, die Zugang zu Satellitentelefonen haben und Englisch sprechen. Wenn ein Schiff über einen längeren Zeitraum festgehalten wird, stellen die Mittelsmänner eine Investorengruppe zusammen, die alle Kosten für die Versorgung übernimmt und nach Zahlung des Lösegelds entschädigt wird. (dapd)

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