16.09.2020 02:55

Eltern von Céline für Prix Courage nominiert«Gut, dass Cybermobbing wieder zur Sprache kommt»

Die Eltern des Mobbingopfers Céline aus Spreitenbach sind für den Prix Courage 2020 nominiert worden. Sie fordern einen neuen Straftatbestand Cybermobbing.

von
Stefan Hohler
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2017 hatte sich die 13-jährige Céline wegen Mobbingattacken das Leben genommen.

2017 hatte sich die 13-jährige Céline wegen Mobbingattacken das Leben genommen.

Sie war in sozialen Netzwerken beleidigt und bedroht worden.

Sie war in sozialen Netzwerken beleidigt und bedroht worden.

Die Eltern von Céline litten stark unter dem Tod ihres einzigen Kindes. So musste der Vater aus psychischen Gründen seine Arbeit aufgeben und ist seitdem auf Stellensuche. 

Die Eltern von Céline litten stark unter dem Tod ihres einzigen Kindes. So musste der Vater aus psychischen Gründen seine Arbeit aufgeben und ist seitdem auf Stellensuche.

SRF 

Darum gehts

  • Die Eltern des Mobbingopfers Céline aus Spreitenbach sind für den Prix Courage nominiert worden.
  • Sie kämpfen dafür, dass Cybermobbing ein Straftatbestand wird.
  • Vorbild ist Österreich, das einen solchen Gesetzesartiktel kennt

Der Fall Céline sorgte landesweit für Schlagzeilen und Betroffenheit. Das 13-jährige Mädchen aus Spreitenbach hatte sich im August 2017 das Leben genommen, nachdem es vom damals 14-jährigen Freund und von dessen um ein Jahr älterer Ex-Freundin massiv gemobbt worden war. Der Junge spielte die Mädchen gegeneinander aus und forderte erotische Fotos von der 13-Jährigen.

Diese sandte er anschliessend seiner eifersüchtigen Ex-Freundin weiter, die Céline übel beschimpfte: «Jez ish dis lebe verbi, ich mach der dis lebe so chabbut», «ich brich der din hals» und «wür dich eigehändig umbringe, also pass uf, was du machsch». Zudem teilte der Knabe ein Selfie von Céline in freizügiger Pose auf Snapchat und erpresste sie.

«Es ist eine grosse Ehre»

Die beiden Peiniger wurden Anfang Jahr vom Jugendgericht Dietikon zu gemeinnützigen Arbeitseinsätzen von sieben und zehn Tagen verurteilt. Die Eltern von Céline litten stark unter dem Tod ihres einzigen Kindes. So musste der Vater aus psychischen Gründen seine Arbeit aufgeben und ist seitdem auf Stellensuche.

Nun wurden die Eltern Nadya und Candid Pfister von der «Beobachter»-Redaktion für den Prix Courage 2020 nominiert. «Wir waren total überrascht, es ist eine grosse Ehre», sagt der Vater zu «20 Minuten». Es sei gut, dass damit das Thema Cybermobbing wieder zur Sprache komme und nach dem Urteil nicht einfach abgeschlossen sei.

Zusammen mit seiner Frau Nadya will Candid die Erwachsenenwelt wachrütteln. Zeigen, dass Cybermobbing nicht vergleichbar ist mit Mobbing. Dass die Beschimpfungen 24 Stunden pro Tag dauern können, wie der «Beobachter» bei der Vorstellung der Kandidaten schreibt.

Eltern fordern neuen Straftatbestand

Auf Instagram und Facebook kämpfen die Pfisters unter #célinesvoice gegen Cybermobbing. Immer wieder würden sich Jugendliche mit Sorgen, Fragen und Zuspruch bei ihnen melden. Célines Eltern wissen, was es für Kinder bedeutet, wegen Social Media zu leiden. «Wenn auch nur ein Kind weniger versucht, Suizid zu begehen, haben wir unendlich viel erreicht», sagt Nadya Pfister.

Die Pfisters fordern einen neuen Straftatbestand Cybermobbing im Strafgesetzbuch, so wie es ihn in Österreich bereits gibt. Unterstützung erhalten sie von der SP-Nationalrätin Gabriela Suter, welche dazu eine parlamentarische Initiative eingereicht hat. Das Begehren liegt momentan bei der nationalrätlichen Rechtskommission. «Cybermobbig muss ein Offizialdelikt werden», sagt Candid Pfister. Damit der Staat von sich aus handelt und die Opfer und ihre Angehörigen nicht selber eine Anzeige einreichen müssen.

In Österreich ist inzwischen das Gesetz verschärft worden. Schwere Beleidigungen, Blossstellen, Mobbing sind nun nicht mehr nur dann strafbar, wenn diese als «fortgesetzte Tathandlungen» begangen werden, sondern schon ab dem ersten Posting. Auch nach Suiziden können Angehörige das Cybermobbing weiter gerichtlich verfolgen.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)


Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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