04.11.2020 04:43

Hunderte Schusswaffen erbeutet«Gut möglich, dass die Waffen bald im Darknet auftauchen»

Am Freitag scheiterte ein Einbruch in einem Fricktaler Waffengeschäft. In Zwingen erbeuteten Unbekannte Anfang Oktober über hundert Waffen. Die Ware ist auf dem Schwarzmarkt heiss begehrt, weiss Kriminalexperte Markus Melzl.

von
Lukas Hausendorf
Elodie Kolb
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Anfang Oktober wurde in das Waffengeschäft Munitionsdepot in Zwingen eingebrochen. Wie viele Waffen die Täter dabei erbeuteten, ist nicht klar.

Anfang Oktober wurde in das Waffengeschäft Munitionsdepot in Zwingen eingebrochen. Wie viele Waffen die Täter dabei erbeuteten, ist nicht klar.

munitionsdepot.ch
Der Fachhändler hat ein breites Sortiment von Pistolen bis zu vollautomatischen Seriefeuerwaffen an Lager. Nach Informationen von 20 Minuten haben die Täter mehrere Hundert Waffen erbeutet.

Der Fachhändler hat ein breites Sortiment von Pistolen bis zu vollautomatischen Seriefeuerwaffen an Lager. Nach Informationen von 20 Minuten haben die Täter mehrere Hundert Waffen erbeutet.

munitionsdepot.ch
Am Freitag, 30. Oktober, versuchte eine bislang unbekannte Täterschaft in das Waffengeschäft Schild in Wallbach im Fricktal einzubrechen.

Am Freitag, 30. Oktober, versuchte eine bislang unbekannte Täterschaft in das Waffengeschäft Schild in Wallbach im Fricktal einzubrechen.

lha

Darum gehts

  • In Wallbach (AG) versuchten Unbekannte am Freitag in ein Waffengeschäft einzubrechen und wurden vom Inhaber überrascht und vertrieben.

  • Anfang Oktober erbeuteten Einbrecher möglicherweise mehrere hundert Waffen in Zwingen (BL). Zwischen den Taten könnte ein Zusammenhang bestehen.

  • Auf dem Schwarzmarkt sind gestohlene Waffen heiss begehrt, weiss der ehemalige Basler Kriminalkommissär Markus Melzl.

Mutmasslich bewaffnete Kriminelle versuchten in der Nacht auf Freitag in Wallbach im Kanton Aargau in das bekannte Waffengeschäft Schild einzubrechen. Der Geschäftsinhaber wurde aber vom Alarm geweckt und vereitelte die Tat. Die Täter schoss er buchstäblich in die Flucht, einer der Männer wurde dabei verletzt, wie die Aargauer Kantonspolizei vermutet.

Jetzt zeigen Recherchen von 20 Minuten, dass in der Nordwestschweiz erst vor kurzem ein weiteres Waffengeschäft Ziel von Kriminellen wurde. Anfang Oktober wurde in das Munitionsdepot in Zwingen im Laufental im Kanton Baselland eingebrochen. Die Baselbieter Polizei hatte die Tat nicht kommuniziert, bestätigt den Einbruch aber auf Anfrage.

Der Fachhändler hat ein breites Sortiment von Pistolen bis zu vollautomatischen Seriefeuerwaffen an Lager. Nach Informationen von 20 Minuten haben die Täter mehrere Hundert Waffen erbeutet. Die Polizei machte auf Anfrage kein Angaben zur Menge der gestohlenen Waffen. Die Inhaber des Geschäfts wollten keinen Kommentar abgeben.

«Ein allfälliger Zusammenhang zwischen den beiden Taten wird geprüft», teilt Fiona Strebel, die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, auf Anfrage mit. Für den ehemaligen Basler Kriminalkommissär Markus Melzl ist klar: «Die Waffen wurden nicht für den Eigengebrauch gestohlen, und der Fall Wallbach zeigt, dass die Täterschaft sehr entschlossen vorgeht.» Denn: Waffengeschäfte sind gut gesichert, und die Standorte wurden wohl strategisch gewählt. In beiden Fällen gehen die Behörden davon aus, dass die Täterschaft in Richtung französische Grenze geflüchtet ist.

Heiss begehrte Ware auf dem Schwarzmarkt

Was aber geschieht mit den gestohlenen Waffen? «Gut möglich, dass sie bald im Darknet zum Verkauf angeboten werden», meint Melzl. Die IT-Spezialisten der zuständigen Strafverfolgungsbehörden würden das nun ganz genau beobachten. Möglich sei auch, dass die Täter im Auftrag gehandelt haben. «Für gewisse Kreise sind Waffen immer ein sehr gefragter Artikel», weiss Melzl. Gerade auch technisch zuverlässige und präzise Waffen seien heiss begehrt. Der Handel ist zudem lukrativ. «Die Preise für gestohlene Waffen liegen teilweise deutlich über dem Ladenpreis», weiss der erfahrene Kriminalist.

Sämtliche in Zwingen gestohlene Waffen dürften inzwischen im Fahndungsregister der Polizei vermerkt sein. «Spannend wird es, wenn sie irgendwann auftauchen», sagt Melzl. Es sei nämlich nicht davon auszugehen, dass die Herkunft der Waffen verschleiert werde, indem Seriennummern ausgefräst würden. «Sie lässt sich jetzt ohnehin nur zum Laden zurückverfolgen, wo sie gestohlen wurde.»

Das gefährliche Diebesgut könnte überall zum Einsatz kommen. «In Syrien oder weiss Gott wo», so Melzl.

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