Aktualisiert 29.03.2020 09:24

Vorbereitung für Notstand

«Kantone machten ihre Hausaufgaben nicht»

Der Staat habe nicht alle Hausaufgaben für einen Notstand erledigt, sagt ein Experte. Und das obwohl die Probleme schon lange bekannt waren.

von
tam
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In einem Gutachten von 2018 heisst es, dass die Kantone zu wenig Medikamente und Material für einen Notstand lagern.

In einem Gutachten von 2018 heisst es, dass die Kantone zu wenig Medikamente und Material für einen Notstand lagern.

Keystone/Jean-christophe Bott
Bundesrat Guy Parmelin hatte das Gutachten in Auftrag gegeben.

Bundesrat Guy Parmelin hatte das Gutachten in Auftrag gegeben.

Keystone/Alessandro Della Valle
Im Dezember lagen die Ergebnisse vor, doch dann übernahm die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd das Departement. Das Gutachten geriet in den Hintergrund.

Im Dezember lagen die Ergebnisse vor, doch dann übernahm die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd das Departement. Das Gutachten geriet in den Hintergrund.

Keystone/Anthony Anex

Der Ernstfall wurde 2014 geprobt. Alle 26 Kantone waren an der ersten Krisenübung des Sicherheitsverbundes Schweiz involviert, mehrere Tausend Personen standen im Einsatz. Bei der Übung kam zu Tage, dass die Pandemie-Pläne der Kantone nicht auf dem neusten Stand sind, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet.

Die Erkenntnisse flossen in den nationalen Vorsorgeplan ein. Darin steht, dass die Kantone genügend medizinisches Material für eine Pandemie lagern sollten – darunter Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Dann sollte 2018 ein Gutachten im Auftrag von Bundesrat Guy Parmelin abklären, wie gut die Schweiz im Sanitätsbereich für die Bewältigung einer Krise aufgestellt ist.

Nicht genügend Material

Die Erkenntnis: Die Kantone hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht und würden nicht genügend Medikamente und Material für einen Notstand lagern, wie es im Artikel heisst. Doch dann wechselte Parmelin das Departement und Bundesrätin Viola Amherd übernahm. Das Pandemieszenario rutschte laut dem Bericht in den Hintergrund. Erst im November 2019 kam der Auftrag für die Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen.

Federführend dabei war André Duvillard, Delegierter des Sicherheitsverbunds Schweiz. Doch viel Zeit blieb ihm nicht, bis das Coronavirus die Schweiz erreichte. «Heute sieht man: Die Experten haben sich die richtigen Überlegungen gemacht», sagt er zur Zeitung. Auf dem Papier sei alles vorhanden, aber nicht alle Hausaufgaben, die dort aufgeführt sind, seien erledigt worden.

Vier Gesundheitsregionen

Man habe gedacht, dass mit der Globalisierung alles immer sofort geliefert werden könne. «Jetzt fehlt es uns plötzlich an einfachen Mitteln wie Ethanol für Desinfektionsmittel und an Schutzmasken.» Duvillard unterstützt eine Lösung, die auf Papier bereits längere Zeit existiert: Die Kantone teilen sich in vier Gesundheitsregionen auf und bereiten sich gemeinsam auf Krisen vor. Duvillard: «In der Westschweiz ist die regionale Zusammenarbeit schon weit, nicht aber in der Deutschschweiz.»

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