Wetterfrosch vor Gericht: Gutachter soll sich erklären dürfen
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Wetterfrosch vor GerichtGutachter soll sich erklären dürfen

Das Gericht hat den Hauptsachverständigen der Verteidigung wegen Befangenheit abgelehnt. Nun haben die Anwälte von Jörg Kachelmann einen neuen Antrag gestellt.

von
amc

Die Anwälte von Jörg Kachelmann geben ihren vergangene Woche abgelehnten Gutachter nicht kampflos auf: Die Verteidigung fordert in einem 20-seitigen Antrag vom Gericht, dass sich Rechtsmediziner Bernd Brinkmann zumindest «dienstlich» zu seiner Ablehnung äussern darf. Der Antrag ging in kompletten Umfang nicht nur an das Gericht, sondern auch an die Medien. Brinkmann belastet mit seinem Gutachten das mutmassliche Opfer schwer: Gemäss seinem Schluss soll sich das Opfer die Verletzungen selbst zugefügt haben.

Das Gericht hatte den Gutachter vergangene Woche ausgeschlossen. Das Gericht bezweifelte die Neutralität von Brinkmann einerseits aufgrund des Auftragsverhältnisses, andererseits aber auch damit, dass sich der Sachverständige früh auf seine Version konzentriert habe und keine alternativen Szenarien als Möglichkeit in Betracht zog für die Verletzungen.

Noch immer ist ungewiss, ob die Verteidigung aufgrund der Ablehnung von Brinkmann einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht stellt oder nicht. Der Anwalt des Fernsehmoderators, Reinhard Birkenstock, sagte am Wochenende der Nachrichtenagentur dapd, er prüfe diese Frage noch. Ein erster Befangenheitsantrag der Verteidigung war zu Prozessbeginn gescheitert.

Achter Prozesstag hat begonnen

Im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann will das Landgericht Mannheim am achten Prozesstag drei weitere Ex-Freundinnen des Schweizers vernehmen. Die Vernehmungen werden voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen, wie dies auch bisher bei der Befragung der Ex-Partnerin von Jörg Kachelmann geschah.

Dem 52 Jahre alten Wettermoderator wird vorgeworfen, seine langjährige Freundin am 9. Februar 2010 in ihrer Wohnung mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Meteorologe bestreitet die Tat und spricht von einer Falschanschuldigung. Er war am 20. März auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen und hatte mehrere Monate im Untersuchungshaft gesessen. Ende Juli wurde er auf freien Fuss gesetzt.

Der ursprünglich bis zum 27. Oktober terminierte Prozess gegen den Schweizer soll nunmehr bis zum 21. Dezember dauern. (amc/dapd)

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