12.09.2019 12:51

Alpkäse-Trail

Gute Beinarbeit und preisgekrönte Handarbeit

Schweiz und Käse – das gehört für viele Menschen untrennbar zusammen. Beim Wandern in Engelberg bekommt man beides aus erster Hand.

von
Fee Riebeling

Beim Wandern gilt: Der Weg ist das Ziel. Beim Alpkäse-Trail rund um Engelberg wurde dieser um acht Zwischenziele ergänzt. Dies in Form von Alpkäsereien, die ihren Käse nicht nur in der Höhe herstellen, sondern auch direkt verkaufen (siehe Video oben).

Doch diese Option und die auf den 45,2 Kilometern abwechslungsreiche Natur (siehe Bildstrecke unten) sind nicht das Einzige, das den Alpkäse-Trail besonders macht. Es sind die Begegnungen mit den Alpkäsern.

Auf Ski ins Käselager

Im Gespräch mit ihnen erfährt man nicht nur vieles über die Herstellung der verschiedenen Varianten, sondern auch über das Leben der Käser – wie fleissig sie sind und auch wie flexibel sie sein müssen. Denn käsen können sie in der Regel nur von Mai bis Oktober. Je nachdem wie lange die Kühe auf der Alp grasen können. In der restlichen Zeit des Jahres müssen die Käser dagegen ihr Auskommen anders verdienen, im Tal.

Thomas Scheuber von der Alpkäserei Untertrübsee ist dann als Zimmermann tätig. Daneben müsse er zudem jeden Morgen und jeden Abend noch im Käselager die Laiber pflegen, die er nach der Saison mit hinabgenommen hat.

Der Sbrinz ist weniger pflegeintensiv, deshalb überwintert er auf der Alp. Doch auch nach ihm muss Scheuber hin und wieder schauen. «Wenn Schnee liegt, mache ich beim Skifahren einen Abstecher zur Alp und sehe nach dem Rechten», so Scheuber. Sonst müsse er wandern. Alles kostet Zeit.

Erste-Klasse-Sbrinz

Auch in den warmen Monaten haben die Alpkäser gut zu tun. Sälmi Töngi von der Gerschnialp ist dann nicht selten 16 Stunden im Betrieb. So stellt er pro Jahr zwischen 32 und 35 Tonnen Alpkäse her, «plus noch einige wenige Tonnen Geissenchäs». Er sei ausserdem der Einzige, der hier oben noch Halbziger verkaufe.

Dass er liebt, was er macht, sieht man ihm an: Mit seinem Kapperl, der Schürze und den Gummistiefeln – alles in strahlendem Weiss – sieht er wie der Inbegriff eines Käsers aus (siehe Video oben). Und das ist er auch irgendwie, immerhin verbringt er zum 44. Mal den Sommer auf der Alp.

An zwei Tagen pro Woche, Dienstag und Samstag, ist er jedoch im Tal. Dann bietet er seine Waren auf dem Luzerner Wochenmarkt an. Von dem Verkauf an Grossisten hält Töngi nichts. Er weiss gerne, wohin sein Käse geht. Nur einmal habe er einen richtig grossen Kunden gehabt, als sein Sbrinz den First-Class-Passagieren der Swiss serviert worden sei.

Preisgekrönte Handarbeit

Wie Töngi merkt man auch Rosmarie Hurschler, der einzigen Käserin rund um Engelberg, die Freude am Käsen an. Wenn sie von ihrem Handwerk – sie zieht den Käse jeden Morgen per Hand, mithilfe von Tüchern, aus dem Kessel – spricht, strahlt sie über das ganze Gesicht.

Dabei vergisst die Frau von der Alp Hüttismatt fast, zu erzählen, dass ihr Halbhartkäse bereits mehrfach Preise gewonnen hat. Ob es daran liegt, dass sie dafür anders als die meisten anderen Alpkäser ausschliesslich die Milch der eigenen Kühe verwendet? Immerhin 21 Tiere nennen sie und ihr Mann Edy ihr Eigen. «Ja, vermutlich beeinflusst das die Qualität», so Hurschler, die sich in diesem Jahr erstmals an der Olma den Preisrichtern stellen will.

Eine Kostprobe ihres Gewinnerkäses bestätigt, was auch die anderen degustierten Käsehappen schon zeigten. Man kann nie genug Käse essen. Und: Es lohnt sich, auf den Alpkäse-Trail einen Rucksack mitzunehmen, der nicht allzu klein ist. Denn so unterschiedlich die Alpkäser sind, so verschieden sind auch ihre Produkte.

1 / 29
Wer Käse mag, ist auf dem 2019 eröffneten Alpkäse-Trail richtig.

Wer Käse mag, ist auf dem 2019 eröffneten Alpkäse-Trail richtig.

Fee Riebeling
Auf 45,2 Kilometern verbindet dieser acht Alpkäsereine rund um Engelberg. Für alle, denen das eine zu weite Strecke ist: Es sind auch Etappen möglich, wie der 2-Tages-Test von 20 Minuten zeigt.

Auf 45,2 Kilometern verbindet dieser acht Alpkäsereine rund um Engelberg. Für alle, denen das eine zu weite Strecke ist: Es sind auch Etappen möglich, wie der 2-Tages-Test von 20 Minuten zeigt.

Fee Riebeling
Idealer Ausgangspunkt für jede Tour auf dem Alpkäse-Trail: das Kloster Engelberg ...

Idealer Ausgangspunkt für jede Tour auf dem Alpkäse-Trail: das Kloster Engelberg ...

Fee Riebeling

Folge dem Reise-Channel auf Instagram!

Sei mit dabei, wenn Laura und ihre Kollegen aus der Redaktion für 20 Minuten unterwegs sind. Wir nehmen dich mit an die aufregendsten Spots der Welt, mal in die Berge vor der Haustür, zum Busfahren in Mexiko oder in die Flugzeugkabine! Zu Instagram >>

Alpkäse-Trail Engelberg

Beim Alpkäse-Trail handelt es sich um einen 45,2 Kilometer langen Rundwanderweg, der in der Schaukäserei des Klosters Engelberg startet und acht Alpkäsereien rund um Engelberg verbindet. Wem die mehrtägige Wanderung zu streng ist, kann die Tour auf Tagesetappen herunterbrechen, Teilstrecken mit dem (E-)Bike befahren. Die Strecke kann auch abgekürzt werden, etwa mit der Buiräbähnli Äbnet abgekürzt werden.

Die Reise erfolgte auf Einladung der Engelberg-Titlis Tourismus AG.

Fehler gefunden?Jetzt melden.