Umstrittener Sebalter: «Gute Chancen» oder einfach nur «grässlich»?
Aktualisiert

Umstrittener Sebalter«Gute Chancen» oder einfach nur «grässlich»?

Sebalter wird die Schweiz am Eurovision Song Contest in Kopenhagen vertreten. So viel steht fest. Doch hat der Tessiner überhaupt Chancen? 20 Minuten hat sich umgehört.

von
Monika Rufener

Als Sebalter am Samstagabend als Schweizer Kandidat für den Eurovision Song Contest auserwählt wurde, waren die Reaktionen der Zuschauer geteilt. Auch auf Twitter entbrannten nach seinem Sieg hitzige Diskussionen darüber, ob mit dem Tessiner die richtige Wahl getroffen wurde.

Der Vize-Präsident des ESC-Fanclubs der Schweiz, Peter Ramón Baumann, ist optimistisch: «Die Chancen von Sebalter sind gross, in Kopenhagen zu reüssieren, da er mit seiner sympathischen Art viel Zuspruch gewinnt. Sein Song ist abwechslungsreich und sticht so aus dem Einheitsbrei heraus, was in einer Konkurrenz von 14 weiteren Songs nicht zu unterschätzen ist.» Der Schweizer Musikexperte Hanspeter Kuenzler schätzt die Chancen für den 28-Jährigen jedoch als gering ein: «Folkig angehauchte Lieder haben es gewöhnlich schwer im Duell gegen discofreundliche Dance-Beats», so Kuenzler gegenüber 20 Minuten. «Der Song tut so, als ob er im Ohr hängenbleiben müsste, tut er aber nicht. Die komischen Grimassen und das intensive Getue des Sängers finde ich ziemlich nervig.»

Harte Worte aus England

Doch wie gefällt einem Nicht-Schweizer der Tessiner ESC-Beitrag? BBC-Musikexperte Jonathan Wingate beschreibt seinen Eindruck des Songs wie folgt: «Auch wenn Sebalter die gesamte Trickkiste von Mumford & Sons geplündert zu haben scheint, kann sein Gebrauch des Banjos, der akustischen Gitarre und sein nervendes Pfeifen im Refrain nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass es sich um einen grässlichen Song handelt.» Klare Worte aus England. Der deutsche ESC-Blogger Oliver Lepold ist versöhnlicher: «Sebalter ist ein origineller Typ, sein Auftritt ist in sich stimmig und ‹Hunter of Stars› war zweifellos das interessanteste, kurzweiligste, abwechslungsreichste Lied in der TV-Show des Schweizer Fernsehens. Insgesamt war das Ergebnis der Vorauswahl allerdings eher enttäuschend», so der Autor vom Prinz-ESC-Blog, einem der wichtigsten ESC-Medien im deutschsprachigen Internet.

Im Gegensatz zu Wingate gefällt dem Blogger die Performance: «Der Auftritt mit den Instrumenten und der fröhlichen Band macht Laune und ist in sich stimmig. Der Song wird nicht langweilig, weil er aus Gesang, Geigenspiel und dem Pfeifen – ungewöhnlich beim ESC – besteht», erklärt Oliver Lepold gegnüber 20 Minuten. «Der Charme-Faktor ist ähnlich hoch wie bei Anna Rossinelli, und Sebalter wirkt als Künstler sehr glaubwürdig.»

Das Problem mit der englischen Aussprache

In einem Punkt sind sich die beiden aber einig: «Das Englisch ist das grosse Manko: Ich habe kaum ein Wort verstanden und dachte sogar erst, er singt in einem unbekannten italienischen Dialekt. Sinplus hatten ein ähnliches Problem in Baku», bemängelt der deutsche Blogger. «Nur weil halb Osteuropa in Bad English singt, muss die Schweiz das nicht auch tun. Hier müsste man also unbedingt noch etwas nachpolieren, zumal ‹Hunter of Stars› recht viel Text in die Melodie presst – das sollte dann schon auch verständlich sein.»

Auch BBC-Mann Jonathan Wingate findet wenig Gefallen an der Tessiner Interpretation seiner Muttersprache: «Sein über-ernsthafter Gesang, die vorhersehbare Melodie, der banale Text und sein mangelndes Gespür für die englische Sprache werden ihm wohl kaum mehr als einen freundlichen, aber leisen Applaus in einer Open-Mic-Show in einem Folk-Club einbringen. So sind auch Sebalters Chancen bei einem popliebenden Publikum wohl eher gering.» Auch der sonst optimistische Fanclub-Vize-Präsident sieht bei Sebalter noch Verbesserungspotential: «Am Auftritt und am Timing kann bestimmt noch gearbeitet werden», erklärt Peter Ramón Baumann.

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Sebalter bei seinem Auftritt in der SRF-Entscheidungsshow.

(Quelle: Youtube/Eurovision 2014 TV)

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