Verkehrte Welt: Gute US-Konjunkturdaten belasten Börsen
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Verkehrte WeltGute US-Konjunkturdaten belasten Börsen

Es tönt paradox, ist aber wahr. Weil die Volkswirtschaft der USA im dritten Quartal überraschend Fahrt aufgenommen hat, sinken die Aktienkurse an den Börsen.

von
whr
Die Annahme, die US-Notenbank könnte ihre lockere Geldpolitik drosseln, bereitet den Börsianern Sorgen.

Die Annahme, die US-Notenbank könnte ihre lockere Geldpolitik drosseln, bereitet den Börsianern Sorgen.

Wenn es der realen Wirtschaft gut geht, leiden die Börsen. Am Donnerstag hatte das amerikanische Handelsministerium bekannt gegeben, dass die weltgrösste Volkswirtschaft im dritten Quartal überraschend Fahrt aufgenommen hat und so stark wie seit einem Jahr nicht mehr gewachsen ist.

Nun rechnen die Anleger Experten zufolge damit, dass die US-Notenbank Fed doch schon früher als zuletzt angenommen anfangen könnte, ihre konjunkturstützenden Anleihekäufe zu drosseln («Tapering»).

Der im heutigen Tagesverlauf noch anstehende US-Arbeitsmarktbericht für den Oktober dürfte weitere Hinweise auf die künftige Geldpolitik der Fed geben. Wegen des Verwaltungsstillstands aufgrund eines Haushaltsstreits erwarten Experten allerdings einen geringeren Beschäftigungsaufbau als im Vormonat.

All das deutet darauf hin, dass die robusten Arbeitsmarktzahlen (siehe Box) als Hinweis für ein früheres Abebben der US-Geldschwemme gedeutet werden. Vor den Daten gingen die meisten Beobachter davon aus, dass die Notenbank Fed erst im kommenden Jahr damit beginnen wird, ihre milliardenschweren Anleihekäufe sachte zurückzuführen. Das könnte sich nun ändern.

Börsen verlieren

Am Freitagmittag notierten die wichtigsten Aktienindices weltweit im Minus. Die asiatischen Börsen haben am Freitag auf breiter Front nachgegeben. Als Belastung sahen Marktbeobachter US-Konjunkturdaten. Der Stoxx Asia/Pacific 600 , der die 600 grössten börsennotierten Unternehmen in Australien, Hongkong, Japan, Neuseeland und Singapur enthält, verlor 0,33 Prozent auf 137,92 Punkte.

In Tokio schloss der Nikkei-225-Index 1,00 Prozent schwächer bei 14'086,80 Punkten. Die Aktien des exportstarken Elektronikkonzerns Sony sackten angesichts des gestiegenen Yen um 2,66 Prozent ab. Ähnlich erging es den Titeln von Konkurrent Panasonic , die 2,55 Prozent verloren. Die Papiere der Autobauer Toyota und Honda verbilligten sich um 1,12 beziehungsweise 0,77 Prozent.

Parteitag in China

Auch in China, wo am morgigen Samstag der lange erwartete Parteitag der kommunistischen Führung beginnt, ging es mit den Börsennotierungen bergab. Die im Oktober gestiegenen Exporte und Importe halfen den Kursen nicht.

Der CSI 300, der die Aktien der 300 grössten festlandchinesischen Unternehmen mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, fiel um 1,39 Prozent auf 2307,95 Punkte. Der Hongkonger Hang-Seng-Index büsste 0,60 Prozent auf 22'744,39 Punkte ein. Für China Cosco Holdings ging es um fünf Prozent bergab, nachdem die Reederei mitgeteilt hatte, dass ein Mitglied der Unternehmensführung derzeit von einer Wettbewerbsbehörde verhört werde.

Der ASX 200 in Sydney ging 0,39 Prozent tiefer bei 5400,66 Punkten aus dem Handel. Marktstratege Stan Shamu vom Broker IG verwies darauf, dass die Exportdaten aus China einigen risikobehafteten Anlagen wie dem australischen Dollar geholfen hätten. Dieser habe davor unter der Möglichkeit weiterer Zinssenkungen durch die australische Notenbank gelitten. Der Sensex-Index im indischen Mumbai fiel um 0,62 Prozent auf 20'694,66 Punkte zurück. (whr/sda)

Mehr neue Jobs in den USA trotz Haushaltsstreit

Trotz des Haushaltsstreits hat sich der US-Arbeitsmarkt im Oktober belebt.

Es entstanden 204'000 neue Jobs, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Die Finanzmärkte reagierten mit massiven Kursausschlägen. Ökonomen hatten mit lediglich 125'000 Stellen gerechnet, nachdem es im September 148'000 waren. Die Regierung hatte im Oktober zeitweise Hunderttausende Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt, bevor durch einen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern die Staatspleite vorerst abgewendet werden konnte.

Die Beschäftigungsentwicklung in den beiden Vormonaten fällt darüber hinaus besser aus. Im August und September wurden 60'000 Stellen mehr geschaffen als bisher bekannt. Die Arbeitslosenquote stieg indes um 0,1 Punkte auf 7,3 Prozent. Die für den privaten Verbrauch wichtige Lohnentwicklung enttäuschte abermals. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen wie im Vormonat um lediglich 0,1 Prozent. Das lag unterhalb den Markterwartungen.

Gleichzeitig wurden auch die Konsumausgaben der Amerikaner bekannt. Diese geben ihr Geld derzeit eher vorsichtig aus.Die Konsumausgaben kletterten im September zwar um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten mit einem solchen Anstieg gerechnet. Allerdings stieg der Konsum damit weniger stark als die Einkommen. (SDA)

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