Foodscout Richi Kägi: «Guter Geschmack wird immer ein Trend sein»
Aktualisiert

Foodscout Richi Kägi«Guter Geschmack wird immer ein Trend sein»

Seit über 20 Jahren reist Richi Kägi um den Globus – stets auf der Suche nach erlesenen Lebensmitteln für Schweizer Gourmets.

von
Lucien Esseiva
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Seit bald 30 Jahren arbeitet Richi Kägi (61) für das Warenhaus Globus, seit über 20 Jahren ist er der Foodscout des Hauses und sucht auf der ganzen Welt nach den besten Produkten, Produzenten und Köchen für die Delicatessa.

Seit bald 30 Jahren arbeitet Richi Kägi (61) für das Warenhaus Globus, seit über 20 Jahren ist er der Foodscout des Hauses und sucht auf der ganzen Welt nach den besten Produkten, Produzenten und Köchen für die Delicatessa.

«Für meinen Job bin ich im Jahr circa drei bis vier Monate unterwegs», sagt er im Interview mit 20 Minuten.

«Für meinen Job bin ich im Jahr circa drei bis vier Monate unterwegs», sagt er im Interview mit 20 Minuten.

zvg
Klingt nach einem Traumjob. «Ist es auch», sagt Kägi. Pro Woche bekommt er mindesten eine Blindbewerbung von Menschen, die es ihm gleichtun möchten.

Klingt nach einem Traumjob. «Ist es auch», sagt Kägi. Pro Woche bekommt er mindesten eine Blindbewerbung von Menschen, die es ihm gleichtun möchten.

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Sie sind Foodscout und trotzdem sagen Sie: «Fuck the Trends.» Wie kommt das?

Weil ich mich dauernd mit Trends beschäftige, Trends kennenlerne und zum Teil auch mitmache oder ausprobiere, ist in mir die Erkenntnis gereift, dass Trends meist nur heisse Luft sind und oft nur gepusht werden, um kurzfristig Aufmerksamkeit zu generieren.

Haben Sie konkrete Beispiele dafür?

Es wird immer behauptet, ­Insekten zu essen sei neu. Auf der Erde ernähren sich aber über zwei ­Milliarden Menschen regelmässig von Insekten. Ausserdem funktioniert das bei uns einfach nicht, weil sie zu stark mit dem Ekel-Etikett behaftet sind.

Was macht ein Foodscout eigentlich genau?

Ich habe einen ganzen Kranz an Aufgaben, für die ich beim Globus verantwortlich bin. Aber in erster Linie geht es darum, dass ich weltweit die Nase im Wind habe und immer auf der Suche nach spannenden Produkten, Strömungen im Foodbereich oder interessanten Produzenten und Konzepten bin. Darum bin ich im Jahr circa drei bis vier Monate auf der ganzen Welt unterwegs.

«Grundsätzlich kann jeder Foodscout werden»

Das klingt nach einem Traumjob. Kann jeder Foodscout werden?

Seit Jahren bekomme ich pro Woche sicher eine Blindbewerbung als Foodscout. Es scheint also wirklich ein Traumjob zu sein. Das Ding ist: In meinem Beruf ist die Leidenschaft der Antrieb und es ist schwer, das Privatleben vom Job zu trennen. Insofern glaube ich grundsätzlich, dass jeder, der leidenschaftlich genug ist, Foodscout werden kann.

In welchen Momenten denken Sie nicht an Ihre Arbeit?

Nur wenn ich schlafe. Bin ich bei Bewusstsein, beschäftige ich mich immer in einer Art und Weise mit Food.

Ist das manchmal anstrengend?

Höchstens für eine Begleiterin, die einfach mal nur am Strand liegen möchte, währenddessen ich lieber durch die Gegend fahre, um spannende Produzenten zu besuchen.

«Quallen nehme ich nicht ins Sortiment auf»

Was braucht ein Produkt, damit Sie es ins Sortiment aufnehmen?

In erster Linie muss ich das Gefühl haben, dass unsere Kunden danach suchen und es kaufen wollen. Es bringt nichts, wenn ich ein total exotisches Produkt, wie eine Qualle, aufnehme, obwohl ich weiss, dass das kein Schwein kaufen will. Andererseits lebt der Ruf vom Gloubs auch von der Profilierung und darum haben wir auch Produkte im Sortiment, bei denen die Verkaufszahlen eine untergeordnete Rolle spielen. Über solche Produkte wird gesprochen, in den Medien berichtet und gewisse Kunden kommen nur wegen dieses Produkts zu uns.

Auf welche Entdeckung sind Sie besonders stolz?

Obwohl mich alle warnten, habe ich vor Jahren mit der kleinen englischen Firma Burts Crisps begonnen, ihre Chips in die Schweiz zu importieren. Dass es heute eine grosse Auswahl von handgemachten Pommes-Chips aus England bei uns zu kaufen gibt, ist tatsächlich mir zu verdanken. Wie immer, wenn etwas Neues bei uns funktioniert, sind dann irgendwann auch die Grossverteiler aufgesprungen.

Welcher Trend wird niemals sterben?

Die italienische Küche zum Beispiel, trotz des ganzen Geschreis um Gluten und Kalorien. Pizza und Pasta werden wir immer essen. Aber grundsätzlich gilt: Guter Geschmack und Einfachheit werden immer im Trend sein.

2016 gewährte Richi Kägi SRF einen Einblick in sein Leben und seine Arbeit

Richi Kägi (61) arbeitet seit bald 30 Jahren für das Warenhaus Globus, seit über 20 Jahren forscht er für die Globus Delicatessa auf der ganzen Welt nach den erlesensten Nahrungsmitteln. Der Zürcher ist nicht nur der profilierteste Foodscout der Schweiz, Richi Kägi ist auch ein hervorragender Koch. Eine Sammlung seiner Rezepte und Geschichten aus seinem Leben als Foodscout finden Sie hier:

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