Arbeitsmarkt: Gutes 2011, schwieriges 2012

Aktualisiert

ArbeitsmarktGutes 2011, schwieriges 2012

Robuster Arbeitsmarkt für junge Leute, sprunghafte Zunahme der Arbeitslosigkeit im Wallis und starke Verbesserung in der Westschweiz. So präsentierte sich der Dezember 2011.

von
Balz Bruppacher

«2011 war insgesamt ein gutes Jahr für den Schweizer Arbeitsmarkt», sagt Serge Gaillard, Leiter der Direktion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Arbeitslosenquote sank im Durchschnitt auf 3,1 Prozent, verglichen mit 3,9 Prozent im Vorjahr. Das ist der drittbeste Wert der letzten neun Jahre.

Nach dem Tiefststand im Juli hat seit Oktober aber eine Trendwende eingesetzt. «Die Arbeitslosigkeit ist im kurzen Aufschwung zwar stark gesunken, der Aufschwung war aber mit zwei Jahren zu kurz für eine Sanierung der Arbeitslosenversicherung», sagt Gaillard. Ende Jahr waren 130 662 Menschen als Arbeitslose registriert. Das waren 9 553 mehr als im Vormonat, aber immer noch fast 18 000 weniger als vor Jahresfrist. Die Quote erhöhte sich im Dezember auf 3,3 Prozent, gegenüber 3,1 Prozent im November. Wie schon in den beiden vorangegangenen Monaten war der Anstieg vor allem auf saisonale Faktoren zurückzuführen. Das heisst auf die winterbedingten Unterbrüche der Bautätigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen im Baugewerbe erhöhte sich innert Monatsfrist um mehr als die Hälfte auf über 15 000.

Starker Franken wird spürbar

Auch unter Ausklammerung der saisonalen Effekte nimmt die Arbeitslosigkeit aber wieder leicht zu. Erstmals seit einem halben Jahr schlug sich das im Dezember auch in der saisonbereinigten Quote nieder, die von 3,0 auf 3,1 Prozent stieg. Die wachstumshemmenden Folgen des teuren Frankens werden auf dem Arbeitsmarkt deutlicher spürbar, in Form von Stellenabbau und Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland. Dies wird nach Befürchtung Gaillards auch im neuen Jahr der Fall sein. Das Seco rechnet mit einer Zunahme der mittleren Arbeitslosenquote auf 3,6 Prozent und auf 3,9 Prozent zum Jahresende. Die SECO-Prognosen gehen allerdings nicht von einer Rezession in Europa aus.

Zunahme bei Jugendlichen unterdurchschnittlich

Für junge Leute präsentiert sich der Arbeitsmarkt nach wie vor in einer robusten Verfassung. Die Zahl der 15- bis 24jägrigen Arbeitslosen stieg im Dezember unterdurchschnittlich, um 773 auf 18 858. Die Jugendarbeitslosenquote nahm von 3,3 auf 3,4 Prozent zu. Stärker als im landesweiten Mittel wuchs erneut die Zahl der arbeitslosen Ausländer. Sie machten Ende Jahr 47 Prozent aller Arbeitslosen aus; die Arbeitslosenquote betrug 6,8 Prozent. Staatsangehörige aus dem Westbalkan, aus Portugal und aus Italien waren am stärksten betroffen. Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der arbeitslosen Deutschen; die Quote ist mit 3,4 Prozent aber nur halb so hoch wie im Durchschnitt aller Ausländer.

Sprunghafte Zunahme im Wallis

Bei der regionalen Verteilung der Arbeitslosigkeit fällt die massive Zunahme im Wallis auf. Innert Monatsfrist schnellte die Arbeitslosenquote von 3,9 auf 5,4 Prozent. Gaillard verwies auf die baubedingten Saisonausschläge, die im Wallis stets besonders hoch seien. Im Vorjahresvergleich haben sich die traditionell stärker von der Arbeitslosigkeit betroffenen Westschweizer Kantone Jura, Genf und Neuenburg stark verbessert. Mit 5,7 Prozent weist Genf aber noch immer die landesweit höchste Arbeitslosigkeit auf.

Arbeitslosenquote zu hoch ausgewiesen

Im internationalen Vergleich befindet sich die Schweiz nach wie vor in einer beneidenswerten Position. In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit mit 10,3 Prozent (Wert vom November) drei Mal so hoch wie in der Schweiz. Hinzu kommt, dass die Zahlen der Schweiz noch immer auf der Volkszählung von 2000 beruhen und damit zu hoch ausgewiesen werden. Laut Gaillard wird die Statistik im kommenden Sommer auf die aktuellen Bevölkerungszahlen umgestellt. Die Arbeitslosenquote wird dadurch um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte sinken.

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