UPC Cablecom: Gutes Angebot, lückenhafte Abdeckung
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UPC CablecomGutes Angebot, lückenhafte Abdeckung

UPC Cablecom steigt mit drei neuen Abos in den Mobilfunkmarkt ein und fordert Branchenprimus Swisscom heraus. 20 Minuten klärt, ob sich ein Abowechsel lohnt.

von
Philipp Stirnemann
UPC Cablecom steigt mit drei Handy-Abos in den Mobilfunkt-Markt ein. (KEYSTONE/Christian Beutler)

UPC Cablecom steigt mit drei Handy-Abos in den Mobilfunkt-Markt ein. (KEYSTONE/Christian Beutler)

UPC Cablecom offeriert seinen Kunden drei neue, günstige Handy-Abos, die vor allem für Wenig- und Durchschnittsnutzer attraktiv sind. Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Internet-Vergleichsdienst comparis.ch sieht in den neuen Angeboten vor allem drei Vorteile: «Erstens wird sekundengenau abgerechnet – im Markt eine grosse Ausnahme. Zweitens gilt das enthaltene Gesprächsguthaben für Anrufe in alle Netze», und drittens seien Anrufe innerhalb des Cablecom-Netzes grundsätzlich gratis, inklusive Gespräche zwischen Smartphones und Festnetz-Anschlüssen.

Als Nachteile nennt der Experte das teure Roaming- sowie ein fehlendes Flatrate-Angebot. Ausserdem sind die neuen Abos nur bisherigen UPC-Kunden vorbehalten, die ein Digital-TV, Internet- und/oder Festnetz-Abo besitzen und per Mail von UPC Cablecom zum Abowechsel eingeladen werden. Mit dieser Strategie wolle man sich bei den treuen UPC-Kunden bedanken, sagt Andreas Werz, Mediensprecher des Neo-Mobilfunkanbieters auf Anfrage von 20 Minuten. In den kommenden Wochen sollen aber laufend neue Einladungen, auch an Nicht-UPC-Kunden, verschickt werden.

Flatrate, Roaming-Gebühren, Vertragslaufzeit

Die neuen Abos sind zwar vergleichsweise günstig, bieten allerdings keine Flatrates. Laut Andreas Werz werde UPC Cablecom in der nächsten Zeit die Einführung von Flatrates prüfen. Man gehe aber davon aus, dass man den Kunden keine entsprechenden Angebote machen werde. Zum einen, weil die neuen Tarife ohnehin schon sehr tief seien. Zum anderen, weil solche Tiefpreis-Angebote nicht zwingend günstiger seien. Ein Comparis-Vergleich von Anfang Jahr hat aufgezeigt, dass Flatrate-Kunden im Durchschnitt rund 100 Franken pro Monat ausgeben, obwohl die günstigste Flatrate gerade mal halb so viel kostet.

Betreffend Roaming-Gebühren stehe für das Unternehmen die Attraktivität der Angebote innerhalb der Schweiz an erster Stelle. Tatsächlich seien die UPC-Roaming-Gebühren in einigen Ländern teurer, in anderen dafür günstiger als bei der Konkurrenz. Im Durchschnitt bezahle man mit einem UPC-Cablecom-Abo für Ausland-Telefonie gleich viel wie bei der Konkurrenz.

Die Vertragslaufzeit variiert je nach gewähltem Abo zwischen einem Monat und zwei Jahren. Als virtueller Netzbetreiber (MVNO; Mobile Virtual Network Operator) operiert UPC Cablecom mit den bestehenden Antennen respektive auf dem Netz von Orange. Demzufolge erhalten Cablecom-Kunden Handynummern mit der Vorwahl 078, gefolgt von der 4. Wer sich für eines der neuen Abos entscheidet, kann aber optional seine alte Nummer behalten.

UPC Cablecom versteht die neuen Abos als integrale Bestandteile sogenannter Kombi-Angebote. Heutige Kunden wollten Internet-, TV-, Festnetz- und Handy-Dienste in einem Paket kombiniert, meint Andreas Werz. Darum mache es keinen Sinn, die neuen Abos so auszurichten, dass beispielsweise ein Swisscom-TV-Nutzer mit einem Cablecom-Mobile-Abo telefoniere.

Konkurrenz für Swisscom?

Telekom-Experte Ralf Beyeler sieht für Branchenprimus Swisscom keine ernst zu nehmende Gefahr durch die neue Konkurrenz im Mobilfunkt-Markt. Schweizer Kunden seien relativ träge, was einen Abo-Wechsel anbelangt. Zudem beherrsche die Swisscom rund 60 Prozent des Marktes. Die Kunden-Anteile dürften sich seiner Einschätzung nach zwar um ein paar Prozente in Richtung UPC Cablecom verschieben, als wirklich gefährliche Konkurrenz für Swisscom sieht er den neuen Mobilfunkanbieter jedoch nicht. Insgesamt bezeichnet Beyeler die neuen UPC-Abos vor allem für zufriedene Cablecom-Kunden als «sehr gutes Angebot». Auch der Wechsel von einem anderen Anbieter zur Cablecom könne durchaus Sinn machen.

Er selber wird sein bestehendes Sunrise-Abo allerdings nicht zugunsten eines neuen UPC-Cablecom-Abos kündigen. Grund: Sein aktuelles Abo sei «sehr gut». Zudem gebe es in seiner Wohnung keine Abdeckung durch das Orange-Netz.

Ralf Beyeler

Ralf Beyeler ist Telekom-Experte bei comparis.ch und hat die neuen Handy-Abos von UPC Cablecom mit den Mobile-Angeboten von Sunrise, Orange und Swisscom verglichen. Er kommt zum Schluss, dass vor allem Wenig- und Durchschnittsnutzer von den neuen Cablecom-Abos profitieren werden.

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