Aktualisiert 11.06.2018 14:21

Schülerinnen verärgertGymi gibt Kleiderregeln nur für Mädchen heraus

Das Gymnasium Oberaargau fordert seine Schülerinnen auf, sich züchtiger zu kleiden. Für die Buben gibt es keine Empfehlungen. Das sei sexistisch, finden die Mädchen.

von
sul
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Dieses Merkblatt erhielten die Schülerinnen des Gymnasiums Oberaargau vor wenigen Tagen. An die Buben verschickte die Schulleitung keine Kleiderempfehlungen.

Dieses Merkblatt erhielten die Schülerinnen des Gymnasiums Oberaargau vor wenigen Tagen. An die Buben verschickte die Schulleitung keine Kleiderempfehlungen.

Leser-Reporter
Zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» werden die Mädchen aufgefordert, bestimmte Aspekte bei der Kleiderwahl zu berücksichtigen. Pikant: Die Schulleitung hat die Grafik von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt. Diese sieht Regeln für beide Geschlechter vor. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung jedoch herausgeschnitten.

Zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» werden die Mädchen aufgefordert, bestimmte Aspekte bei der Kleiderwahl zu berücksichtigen. Pikant: Die Schulleitung hat die Grafik von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt. Diese sieht Regeln für beide Geschlechter vor. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung jedoch herausgeschnitten.

Leser-Reporter/zvg
Die einseitige Kleiderempfehlung stösst den Mädchen des Gymnasiums sauer auf. «Wir haben uns gehörig aufgeregt und fühlen uns diskriminiert», sagt eine Schülerin (17).

Die einseitige Kleiderempfehlung stösst den Mädchen des Gymnasiums sauer auf. «Wir haben uns gehörig aufgeregt und fühlen uns diskriminiert», sagt eine Schülerin (17).

Gymnasium Oberaargau

Die Mädchen am Gymnasium Oberaargau im bernischen Langenthal sind zu aufreizend gekleidet. Dieser Ansicht ist zumindest die Schulleitung: In einer E-Mail fordert sie die Schülerinnen auf, zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» eine Reihe von Empfehlungen zu befolgen. Man habe nämlich feststellen müssen, «dass jetzt, in der wärmeren Jahreszeit, Einblicke gewährt werden, die wir lieber vermeiden möchten», heisst es im Schreiben, das 20 Minuten vorliegt.

Zu den «No-gos», die anhand einer Grafik illustriert werden, zählen unter anderem bauchfreie und trägerlose Tops, tiefe Ausschnitte und diskriminierende oder sexistische Aufdrucke. Als unschicklich gilt ausserdem, wenn «Hintern oder Unterhose permanent sichtbar» sind. «Denken Sie daran», mahnt die Schulleitung, «Sie gehen zur Schule und nicht in den Ausgang oder in die Badi.»

Keine Kleiderempfehlungen für Buben

Pikant: Zu einer züchtigeren Kleiderwahl werden nur die Mädchen angehalten, die Buben erhielten kein Merkblatt. Und das, obschon die Originalgrafik – die Schulleitung hat sie von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt – für beide Geschlechter Empfehlungen vorsieht. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung herausgeschnitten.

Die einseitige Kleiderempfehlung stösst den Mädchen des Gymnasiums sauer auf. «Wir haben uns gehörig aufgeregt und fühlen uns diskriminiert», sagt eine Schülerin (17), die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Offenbar herrsche bei der Schulleitung die Meinung vor, dass die Mädchen die Buben durch zu viel nackte Haut vom Unterricht ablenken könnten. «Wir werden zu Objekten degradiert. Das ist klar sexistisch.» Auch bei den Knaben würden die Ratschläge zum weiblichen Outfit für Kopfschütteln sorgen, so die Gymnasiastin weiter.

«Lehrer sollten nicht gleich zur Schulleitung rennen»

Unter den Schülern würden Gerüchte kursieren, wonach sich Lehrer bei der Schulleitung über zu viel Freizügigkeit beschwert hätten. «Wenn das stimmt, bin ich sehr enttäuscht», sagt sie. «An einem Gymnasium sollte nicht die Kleidung der Schülerinnen bewertet werden.» Und weiter: «Wenn einzelne Lehrer mit den Outfits der Mädchen ein Problem haben, sollen sie mit uns das Gespräch suchen und nicht gleich zur Schulleitung rennen.»

Im Schreiben an die Schülerinnen wird die einseitige Empfehlung damit begründet, dass Frauen «ungleich mehr Möglichkeiten in Sachen Kleidungsstil» hätten. «Mit ihrem Kleidungsstil können Sie ohne Worte eine Aussage machen», schreibt die Schulleitung.

20 Minuten hat die Rektorin des Gymnasiums Oberaargau am Freitagnachmittag mit den Vorwürfen der Schülerinnen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Bis Sonntagabend ging keine Antwort ein.

Wie denken Sie über Kleidervorschriften an Schulen? Wo liegen die Grenzen: Welche Outfits soll man verbieten, welche sind tolerierbar? Und welche Kleiderregeln gibts an Ihrer Schule? Schreiben Sie uns auf feedback@20minuten.ch!

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