Lieber Fernunterricht: Gymnasiasten fühlen sich an Schule nicht mehr sicher
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Lieber FernunterrichtGymnasiasten fühlen sich an Schule nicht mehr sicher

Viele Schüler des Gymnasiums Liestal im Kanton Baselland stellen die Wirksamkeit der Corona-Schutzkonzepte in Frage: Die Mensa sei zu eng, der Sportunterricht zu unsicher. Auf Instagram fordern sie wieder Fernunterricht.

von
Alexia Mohanadas
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Schüler des Gymnasiums Liestal wünschen sich angesichts der aktuellen Corona-Lage und der neu beschlossenen Massnahmen des Bundes, dass wieder auf Fernunterricht umgestellt wird.

Schüler des Gymnasiums Liestal wünschen sich angesichts der aktuellen Corona-Lage und der neu beschlossenen Massnahmen des Bundes, dass wieder auf Fernunterricht umgestellt wird.

bl.ch
Auf dem inoffiziellen Schul-Account auf Instagram meldeten sich zahlreiche Schüler zu Wort, die ihr Unbehagen über die Situation an der Schule zum Ausdruck brachten. So wird kritisiert, dass die Schutzmassnahmen stellenweise, etwa in der Mensa, nicht oder nur schlecht eingehalten werden.

Auf dem inoffiziellen Schul-Account auf Instagram meldeten sich zahlreiche Schüler zu Wort, die ihr Unbehagen über die Situation an der Schule zum Ausdruck brachten. So wird kritisiert, dass die Schutzmassnahmen stellenweise, etwa in der Mensa, nicht oder nur schlecht eingehalten werden.

Instagram
Die Schüler trugen ihr Anliegen auch an die Schulleitung heran. Auf Instagram wurde dann die Stellungnahme des Rektors veröffentlicht, der sich der Problematik bewusst ist.

Die Schüler trugen ihr Anliegen auch an die Schulleitung heran. Auf Instagram wurde dann die Stellungnahme des Rektors veröffentlicht, der sich der Problematik bewusst ist.

Instagram

Darum gehts

  • Schüler des Baselbieter Gymnasiums Liestal fordern die sofortige Umstellung auf Fernunterricht.

  • Im Sport und in der Mensa würden die Schutzmassnahme ignoriert, weshalb sie sich nicht mehr sicher fühlten.

  • Auch der Epidemiologe Marcel Tanner von der Covid-Taskforce plädiert für eine rasche Schliessung von Gymnasien und Berufsschulen.

Am Montag treten die verschärften Corona-Massnahmen in Kraft, die der Bundesrat am Mittwoch kommuniziert hat. Während Betriebe, wo immer möglich, auf Homeoffice umstellen, bleibt in den Schulen vorderhand alles normal. Schüler des Gymnasiums Liestal sind darüber nicht glücklich. Nicht wenige wünschen sich eine Schulschliessung. «Wir sollten alle demonstrieren, damit die Schulen schliessen», schrieb ein Schüler auf Instagram. Ein anderer möchte dafür Unterschriften sammeln bei der Schülerschaft.

Für eine möglichst rasche Schliessung von Gymnasien und Berufsschulen sprach sich auch Epidemiologe Marcel Tanner von der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes in der «SonntagsZeitung» aus. «Angesichts der neuen Lage müssen die Gymi- und Berufsschüler möglichst schnell wieder in den Fernunterricht», so Tanner.

Das von Schülern betriebene Instagram-Profil «Gymnasium Liestal Official» sammelte in einer Story schon am Donnerstag zahlreiche Feedbacks von Schülerinnen und Schülern, die zeigen, dass sich viele unwohl fühlen. Vor allem, weil punktuell die Abstands- und Hygieneregeln nicht oder nur mangelhaft eingehalten werden.

Rektor kritisiert Masken-Schlendrian

«In der Mensa kann man sich unmöglich an die Abstandsregeln halten und immer wieder kommt es zu Gruppierungen», erzählt ein Schüler gegenüber 20 Minuten. «Im Sportunterricht, spielen wir sogar Fussball mit Körperkontakt und das starke Schwitzen macht es auch nicht angenehmer.» Auf die Frage, ob er für eine Schulschliessung sei, antwortete er: «Nein, aber es gibt einfach Situationen, die besser organisiert oder sogar unterlassen werden müssen. Es ist ein Witz. Ich fühle mich so einfach nicht mehr sicher.»

Die Schülerschaft des Gymnasium Liestal hat ihre Bedenken auch an die Schulleitung herangetragen und eine Stellungnahme von Rektor Thomas Rätz auf Instagram veröffentlicht. Darin bestätigt er, dass es ein Problem sei, dass sich zu viele Schüler nicht an die Abstands- und Maskenregel halten würden. Die Schule habe trotzdem alles im Griff. Allerdings: «Ich befürchte aber, dass die Mutation das positive Bild bald verändern wird. Erst dann müssen wir über eine Schulschliessung diskutieren», kommt er zum Schluss.

Dabei ist das Gymnasium Liestal kein Einzelfall. Auch am Gymnasium Münchenstein soll sich Unmut breit machen, weil es in der Mensa zu Gruppenbildungen kommt und Abstände nicht eingehalten werden, wie 20 Minuten zugetragen wurde.

Schulen sind vorbereitet

Ob und wann es zu einer Schlussschliessung kommt, hängt aber nicht von der Schulleitung ab, sondern von der Baselbieter Regierung oder dem Bund. «Die Umsetzung des geltenden Schutz- und Organisationskonzepts ist Sache der Schulleitung. Sie sind am besten mit den lokalen Gegebenheiten vertraut und in der Lage, diese Aufgabe zielführend wahrzunehmen», sagte Fabienne Romanens, Sprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion auf Anfrage von 20 Minuten. «Falls der Bund weitergehende Massnahmen beschliesst oder sich die Lagebeurteilung des Teilstabs Pandemie des Krisenstabs BL ändert, können auch weitere kantonale Massnahmen erlassen werden, wobei die Schulen vorbereitet sind», so Romanens.

Deine Meinung

488 Kommentare
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Jo88

18.01.2021, 14:49

Es sollten hier ausschliesslich Schüler und Lernende Kommentare abgeben. Alle Erwachsene, die um ihre Gesundheit bangen, sind selber um sich besorgt.

Ruth Richtig

18.01.2021, 13:50

Junge Erwachsene in Berufsschulen allenfalls zusätzlich BMS sind an 4 Orten präsent. Familie, Lehrbetrieb, Berufsschule sowie BMS. In der Regel verbringen diese, z. B. unser Sohn 5 - 8 Stunden im ÖV. In dieser ausserordentlichen Situation ist es für mich unbegreiflich, dass die Wirtschaft an die Wand gefahren wird, weil einige dieser Schüler ohne den Präsenzdruck nicht funktionieren. Faulenzen während des Fernunterrichts ist zu kontrollieren und zu sanktionieren. Schulische Probleme können mit den heutigen Möglichkeiten bestens mit dem Lehrer, dem Lehrmeister, den Eltern oder aber auch den Mitschülern besprochen werden. Oder aber man versucht selber einmal zu denken. Lieber einmal ein paar Wochen selbstständig arbeiten und Mami und Papi haben in einem halben Jahr noch einen Job!

Bildung oder Gesundheit

18.01.2021, 13:31

Eine Lösung zu finden, um alle Meinungen zu treffen ist eine Sache der Unmöglichkeit, ob Home-School nun die bessere Variante ist, ist die andere Frage. Ohne nur den kleinsten Zweifel ist der Präsenzunterricht definitiv besser für die Bildung, man riskiert dabei aber Ansteckungen. Spätestens wenn diese auf die Familie übergreifen und dann auch auf Oma und Opa sollte klar sein, dass die Schulen geschlossen werden müssen. An meiner Schule gilt es nach dem Motto "Solange offen bleiben wie es geht, egal wie" was mir fragwürdig rüber kommt.