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Skandal bei den AmischenHaarabschneider im Visier des FBI

Sam Mullet und seine Mitläufer säten mit Scheren Terror unter den Amischen in Ohio. Ein Bericht der Bundespolizei schildert ihre Schandtaten. Jetzt wurden die Bartstutzer offiziell angeklagt.

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Es ist eine absurde Geschichte – und vielleicht beschäftigt sie gerade darum die Medien aus aller Welt. Drei Amische aus einer Gemeinde in Bergholz im US-Bundesstaat Ohio hatten Anfang Oktober Mitgliedern einer anderen Gemeinschaft die Haare und Bärte abgeschnitten. Damit wollten sie sich an ihren ehemaligen Gemeinschaftsbrüdern rächen, die sie vor vier Jahren aus der Gemeinschaft verbannt hatten. Die Abtrünnigen gehorchten den Anweisungen von Bischof Sam Mullet.

Bald beschäftigte sich auch das FBI mit dem Fall. Denn Haare und Bärte abschneiden ist unter den Amischen keine Lappalie - für einen Amischen ist die Gesichtsbehaarung ein Teil seiner Identität. Die Haare der Frauen oder die Bärte der Männer zu entfernen sei einfach demütigend, peinlich und erniedrigend für sie, erklärt David L. McConnell, ein Anthropologie-Professor des «College of Wooster», der seit zwei Jahrzehnten das Verhalten der Religionsgemeinschaft studiert.

Mullet regiert mit eisernen Hand

Nun präsentierte die Agency einen Bericht, in dem die Gräueltaten der Renegaten zusammenfasst werden. Er basiert auf Aussagen mehrerer Opfer, die jahrelang dem Druck und dem Terror des Oberhauptes ausgesetzt waren. «Im Widerspruch zu den Vorgaben der amischen Doktrin verhängte Sam Mullet harte Sanktionen und körperliche Strafen gegen diejenigen, die ihm nicht gehorchten. Unter anderem zwang er einen Mann, zwölf Tage lang in einem offenen Hühnerstall zu schlafen. Auch schlug er jene Clan-Mitglieder, die es wagten, ihm zu widersprechen.»

Der Bericht des FBI geht auch auf die jüngsten Taten ein, welche die Mullet-Anhänger in Jefferson County verübt hatten. «Als die Bergholz-Männer dem ersten Opfer die Haare und den Bart abschnitten, verletzten sie den Mann am Kopf.» Auch ein anderer Mann wurde auf brutale Art und Weise rasiert. Zudem sollen die Täter ihre Aktionen fotografiert haben, «um die Opfer noch mehr zu demütigen». An jenem 4. Oktober sei die Bande später ein Dorf weiter gegangen und habe in Carroll County ihr drittes Opfer aufgesucht.

Mit einer neuen, alten Technik das Opfer gelockt

Im Rapport wird zudem eine «neue Taktik» der Übeltäter beschrieben. So soll Bischof Mullet sein letztes Opfer zu sich gerufen haben – anstatt selber zu ihm zu gehen. «Er schrieb ihm einen Brief, weil Telefon und Computer unter den Amischen verboten sind, und lud ihn zu sich ein. Das Opfer wurde festgehalten und wie allen anderen wurde ihm der Bart gestutzt.» Der Mann ist Mitglied einer jener acht Familien, die 2005 den Ausschluss der Mullets aus der Gemeinde beschlossen hatten.

Sam Mullet und seine drei Söhne Johnny, Lester und Daniel sowie Levi und Eli Miller und Emanuel Shrock wurden nun von der Staatsanwaltschaft angeklagt – wegen Hassattacken gegen Mitglieder ihrer Religionsgemeinschaft.

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