Aktualisiert 04.05.2012 13:13

Bin Ladens letzte JahreHaarfärbemittel, Viagra und viele kleine Sorgen

Bevor Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor einem Jahr getötet wurde, führte er rege Briefwechsel mit Mitkämpfern. Die nun veröffentlichten Dokumente geben Einblicke in sein Seelenleben.

von
aeg

Osama bin Laden hat die letzten Jahre seines Lebens entweder versteckt oder auf der Flucht verbracht. Der in die Jahre gekommene Terrorfürst blieb zwar bis zum Schluss die unangefochtene Integrationsfigur der Al-Kaida, deren Aktivitäten konnte er jedoch nicht zu 100 Prozent kontrollieren. Darüber wurde er offenbar immer frustrierter.

Nach dem Sturm auf das Anwesen von Osama bin Laden in Abbottabad, Pakistan, stellten die SEALS eine grosse Menge an Dokumenten sicher, die der Terrorfürst vor seinem Tod verfasst hatte. Pünktlich zum ersten Todestag bin Ladens hat die US-Regierung nun 17 Briefe im Umfang von 175 Seiten aus den Beständen übersetzt und veröffentlicht.

Ohrfeige für Al-Awlaki

Darin hält Osama bin Laden Kontakt mit diversen vertrauten Jihadisten und versucht trotz seines eingeschränkten Lebens die Kontrolle über die Al-Kaida zu behalten. Er sei wie ein CEO mit viel zu vielen Managern auf mittlerer Stufe gewesen, beschreibt CNN die Lage bin Ladens. Immer und immer wieder versuchte er zwar, mit Briefen auf Fehler in der Organisation hinzuweisen. Der Effekt blieb jedoch weitgehend aus, die einzelnen Gruppen handelten weitgehend auf eigene Faust.

Neues 9/11-Video von Al Kaida

Bemerkenswert ist seine Reaktion auf die Anfrage zur Ernennung des jemenitischen Klerikers Anwar Al-Awlaki zum Chef des Al-Kaida-Ablegers im Jemen. Al-Awlaki, der sich mit seinen Aktionen auf der arabischen Halbinsel Respekt innerhalb der Gruppe verschafft hatte, habe keine Kampf-Erfahrung und sei lediglich ein Theoretiker, schrieb bin Laden. Diese Aussage wird von CNN als Eifersucht gegenüber dem Emporkömmling ausgelegt.

Aufnahmen von Bin Ladens Witwen

«Just for Men»

Er geisselte die vielen zivilen Opfer bei den Anschlägen der Al-Kaida, besonders im Irak. Zudem machte er sich Gedanken, wie man dem guten Netzwerk der Amerikaner entgehen könnte. Dabei machte ihm vor allem der Einsatz der US-Drohnen Sorgen. Diese seien im Stande, gezielt Mitglieder von Al-Kaida auszulöschen. Bin Laden schlug deshalb vor, sich mehr in Bergregionen zurückzuziehen.

Doch nicht nur die «beruflichen» Probleme schienen bin Laden zu beschäftigen. Sein zunehmendes Alter setzte ihm körperlich und mental zu. Sein grau gewordenes Haar etwa färbte er dunkel – mit dem Haarfärbemittel «Just for Men». Er machte Witze über die Anzahl an Ehefrauen (Er hatte nach aktuellem Erkenntnisstand drei) und neben dem in seinem Haus gefundenen Avena-Sirup, der als «natürliches Viagra» gilt, benutzte er laut den Berichten auch die pharmazeutische Variante in Pillenform.

Grosse Pläne in den USA

Zudem sorgte er sich vermehrt um die Sicherheit seiner Familie. Über den Gesundheitszustand einer seiner Ehefrauen war er stark besorgt, wie aus den Briefen hervorgeht. Ebenso bereite ihm das Wohl seiner bereits erwachsenen Söhne Kopfzerbrechen. Diese würden von den Geheimdiensten beobachtet und sollten sich besonders auf Reisen vorsehen.

Trotz der Alterserscheinungen wendete bin Laden den Blick aber immer wieder nach vorne. Dabei hatte er wie gewohnt die USA im Visier. Offenbar plante er erneut einen grösseren Schlag im Innern seines Erzfeindes. Dazu sollten «gute und vertrauenswürdige Kämpfer» an Flugzeugen ausgebildet werden. Die Al-Kaida verfügt laut bin Laden über viel Erfahrung in den USA, dieses Potenzial sollte besser ausgenutzt werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.