Haarige Kunststücke
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Haarige Kunststücke

Die Fernsehserie «The Addams Family» aus den Sechzigern gehört bereits zu den Klassikern. Als Parodie auf die Dracula- und Frankenstein-Filme präsentierte sie eine Ansammlung von Monstern und Mutanten mit Problemen, die jenen einer (fast) normalen amerikanischen Vorstadt-Familie entsprechen.

Mit zum Clan gehört Cousin Itt, ein von Kopf bis Fuss behaartes Wesen, das in quäkender Sprache kommuniziert. Dieses verhuschte Wesen liess Lali Chetwynd die Bilder einer Ausstellung in der Liverpooler Tate Gallery kommentieren. Die Künstlerin selbst assistierte als Simultanübersetzerin. In einer anderen Performance («Ein Abend mit Jabba the Hutt») trat der unbarmherzige Sklavenhändler aus den «Star Wars»-Filmen auf und hielt einen Vortrag über die aktuelle Weltpolitik — auf Farsi, der meistgesprochenen Sprache im Iran.

Die 33-jährige englische Künstlerin Lali «Spartacus» Chetwynd hat eine Vorliebe für Motive aus der Popkultur. In ihren opulenten, locker inszenierten Aufführungen geht es aber nicht etwa um eine ironische Freakshow. Lieber hinterfragt Chetwynd anhand der Schriften des Ethnologen Lévi-Strauss scheinbar festgelegte Identitäten, mit denen wir unseren Alltag vereinfachen. Mit diesem humorvollen Ansatz hat es die Britin zum heissen Geheimtipp gebracht.

Im Migros-Museum präsentiert Chetwynd neben der neuen Performance «Giotto's Play» auch Skulpturen, Filme, Bühnensituationen und vor allem ihre Bildserie «Bat Opera»: Die kleinformatige Bildserie ist benannt nach Meat Loafs legendärem Album «Bat Out of Hell». Darin erzählt Chetwynd vordergründig im Stil alter Meister von den surrealen Ereignissen, die der Angriff eines Fledermausschwarms verursacht.

Ausstellung: Freitag, 23. Februar, 18 Uhr, bis 22. April, Migros-Museum, Zürich.

Performance: Freitag, 23. Februar, 19 Uhr, Migros-Museum, Zürich.

Silvano Cerutti

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