Dating-Sites: «Habe 500 Franken für falsche Frauen gezahlt»
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Dating-Sites«Habe 500 Franken für falsche Frauen gezahlt»

Ein Mann auf der Suche nach Liebe und Zärtlichkeit tappt in eine der vielen Fallen, die im Internet lauern. Dagegen kann man kaum etwas unternehmen.

von
num
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Gibt es wie Sand am Meer: Fake-Profile mit gestohlenen Fotos von Frauen aus dem Internet. Oft werden diese von den Erstellern gespiegelt, damit auch eine umgekehrte Suche keine Ergebnisse zu Tage fördert.

Gibt es wie Sand am Meer: Fake-Profile mit gestohlenen Fotos von Frauen aus dem Internet. Oft werden diese von den Erstellern gespiegelt, damit auch eine umgekehrte Suche keine Ergebnisse zu Tage fördert.

kein Anbieter
Dreist: Auf einer Datingseite dieses Betreibers wird diese Praxis gar in den AGBs beschrieben.

Dreist: Auf einer Datingseite dieses Betreibers wird diese Praxis gar in den AGBs beschrieben.

Der 70-jährige J. R.* aus der Region Basel ist seit einiger Zeit single. Seine Frau hat ihn verlassen und der Pensionierte möchte «einfach wieder mal menschliche Wärme» erfahren, wie er sagt. Dafür geht er oft online auf die Suche nach einer Partnerin.

Angemeldet hat er sich auf Websites mit nicht unbedingt seriös klingenden Namen wie Willkennenlernen.com oder Erotik-partnervermittlung.com. Der Clou an diesen Websites: Wer schreiben will, muss zahlen – also Guthaben kaufen. Ein teurer Spass: 80 Einheiten kosten 99 Euro. Ein Mail an eine Dame kostet eine Einheit.

«Ob es einen geilen Mann gibt in meiner Nähe?»

«Oft wurde ich zuerst von den Frauen angeschrieben, aber immer nur kurze Nachrichten. Die schrieben nur ‹Guten Morgen› oder so was. Er versuchte es mit «Belinda», einer angeblichen Tanzlehrerin aus dem Aargau: Ihr Profilbild zeigt eine leichtbekleidete Frau auf einem Bett.

Ihre erste Nachricht an J. R.: «Ob es wohl einen geilen Mann gibt hier in meiner Nähe? Dann würde ich ein Abenteuer mit ihm wagen ... » J. R. antwortet: «Ich würde dich gerne kennenlernen. Nicht nur für ein Abenteuer – es darf auch mehr draus werden!» Nach einigen Nachrichten fragt J. R. nach einem zweiten Foto von ihr.

«Warum lässt du mich sitzen?»

«Belinda» liefert kein zweites Foto, sondern schreibt: «Wüsste nicht, warum ich lügen sollte.» Als J. R. nicht mehr antwortet, versucht sie ihn noch zweimal zu ködern, indem sie schreibt: «Warum lässt du mich denn jetzt so sitzen?» Mehrere Profile hat J. R. angeschrieben. «Ich habe insgesamt 500 Franken ausgegeben.» Obwohl er eigentlich weiss, dass er nicht einer echten Frau schreibt, kann er kaum davon ablassen.

Daniel Baltzer von «Singleboersen-Vergleich.ch» sagt: «Diese Seiten poppen immer wieder mal auf mit hunderten gefälschten Profilen.» Dagegen könne man kaum etwas unternehmen. «Diese Seiten zocken hunderte Männer ab und verschwinden dann wieder.» Wer hinter den Seiten steckt, ist kaum zu eruieren – dafür sorgen Briefkastenfirmen in London. «Einige dieser Seiten sind gar so dreist, dass sie in ihre AGB reinschreiben, dass nicht alle Profile echt sind. Die sind rechtlich fein raus.»

«Investiere nicht mehr»

Er rate allen Männern, den gesunden Menschenverstand einzuschalten, wenn sie auf solche Seiten stossen würden. «Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es höchstwahrscheinlich nicht echt.» Man könne bei solchen Datingseiten auch den Test machen: «Schreiben Sie ein Mail und fragen Sie nach dem besten Angebot für Sie. Oder fragen Sie nach einer Telefonnummer – unseriöse Seiten werden nicht erreichbar sein.»

J. R. hat seine Lektion gelernt: «Ich werde ab sofort nicht mehr in diese Seiten investieren.» Er wolle einfach nicht, dass andere Männer wie er in solche Fallen tappten. Die Macher hinter Erotik-partnervermittlung.com reagierten nicht auf Anfragen von 20 Minuten.

*Name geändert

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