Rossi klagt an: «Habe Angst vor Márquez, er zerstört unseren Sport»
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Rossi klagt an«Habe Angst vor Márquez, er zerstört unseren Sport»

Nachdem ihn Marc Márquez im GP von Argentinien zu Fall gebracht hat, erhebt Töff-Legende Valentino Rossi schwere Vorwürfe gegen den Weltmeister.

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kai

Márquez schiesst Rossi ab. (Video: Tamedia/SRF/MotoGP via Twitter)

Er hat genug. Genug von den gefährlichen Manövern. Genug von der aggressiven Fahrweise. Genug von den Respektlosigkeiten gegenüber den anderen Piloten. Valentino Rossi hat genug von Marc Márquez.

Dass die beiden keine Freunde mehr werden, ist nichts Neues. Immer wieder gerieten die Ausnahmekönner, der Altmeister und der Jüngling, in den vergangenen Jahren aneinander. Rossi ist derart genervt vom ungestümen Fahrstil des Spaniers, dass er sich im Herbst 2015 in Malaysia dazu hinreissen liess, ihn mit dem Fuss von der Strecke zu spedieren.

Das neuste Kapitel ihrer Rivalität schrieben sie nun am Sonntag im GP von Argentinien. Márquez wollte in Runde 19 in Kurve 13 innen an Rossi vorbeiziehen und stiess ihn dabei von der Strecke. Rossi stürzte und wurde schliesslich 19., Márquez bekam eine 30-Sekunden-Strafe aufgebrummt und klassierte sich auf Platz 18.

«Er ist bewusst in mich hineingefahren»

Rossi wählte nach dem Zwischenfall deutliche Worte. Zur übermotivierten Attacke sagte er: «Ich sah, dass Márquez eine Sekunde schneller war als ich. Warum überholt er mich nicht einfach in der nächsten Kurve?» Der 39-Jährige unterstellte seinem 14 Jahre jüngeren Kontrahenten gar Absicht. «Er ist stattdessen bewusst in mich hineingefahren, in mein Motorrad, in mein Bein, um mich von der Linie zu drängen.»

Für den Yamaha-Star ist klar, dass dieses Vorgehen zu Márquez' Strategie gehört. Um seine These zu untermauern, fasste Rossi das Wochenende in Termas de Río Hondo zusammen: «Am Freitag hat er das mit Viñales, Dovizioso, am Samstagmorgen mit mir gemacht. Und heute im Rennen ist er in vier Piloten gefahren. Das ist nicht nur ein Fehler, denn er streckt sein Bein bewusst heraus. Er weiss, dass er nicht stürzen wird, hofft aber, dass der andere stürzt. Wenn du auf diese Weise Rennen fährst, wird es sehr gefährlich.»

Rossi sorgt sich um die Sicherheit

Der Dottore macht sich nicht zuletzt auch Sorgen um seine eigene Sicherheit. «Ich habe auf der Strecke Angst, wenn Márquez kommt», sagte der neunfache Weltmeister. «Als ich auf der Boxentafel sah, dass er hinter mir liegt und aufholt, wusste ich bereits, dass er mich rammen wird. Ich konnte nur hoffen, dass ich ohne Crash davonkomme.»

Nach dem GP sprach Rossi bei der Rennleitung vor, um seine Bedenken zu äussern. Er hofft, dass sein Appell Wirkung zeigt. «Sie müssen etwas unternehmen, denn so, wie Márquez sich verhält, kann es nicht weitergehen. Er zerstört unseren Sport, weil er nicht den geringsten Respekt vor seinen Gegnern hat.»

Márquez hatte sich nach dem Rennen zwar bei Rossi entschuldigen wollen, der Zutritt zur Yamaha-Box wurde ihm jedoch verwehrt. Rossi dazu: «Das ist PR. Er hat ja nicht einmal die Eier, allein zu mir zu kommen, sondern kommt wie immer mit seinem Honda-Manager und all den Kameras. Denn das ist wichtig für ihn.» Der Italiener stellte auch gleich klar, dass er weitere Entschuldigungsversuche wiederum abblocken werde. «Ich hoffe, dass er clever genug ist und es erst gar nicht probiert.»

Márquez verteidigt sich

Und Márquez? Er gab zu, dass er sich den einen oder anderen Fauxpas geleistet hatte. «Natürlich habe ich einige Fehler gemacht. Es waren einige dabei, die ich in Zukunft nicht mehr begehen darf», sagte er, fand aber auch: «Ich habe nichts Verrücktes gemacht.»

Rossis Anschuldigungen wies er zurück. «In meiner Karriere bin ich noch nie gegen einen Fahrer mit dem Gedanken gefahren, dass er stürzen wird. Ich versuche immer auszuweichen.» Für das missglückte Manöver gegen den Dottore hatte er eine einfache Erklärung: «Die Ideallinie war trocken, aber ich habe mit dem Vorderreifen eine nasse Stelle erwischt. Die Vorderbremse hat blockiert, ich musste sie lösen und habe ihn berührt. Ich habe eingelenkt und dann gesehen, dass er gestürzt ist. Deshalb wollte ich mich entschuldigen.»

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