Mark Streit: «Habe durch die Tragödie zwei Freunde verloren»

Aktualisiert

Mark Streit«Habe durch die Tragödie zwei Freunde verloren»

Die Nati ist nach dem Tod von Duri Camichel und Harry Andereggen betroffen. Trotzdem wird konzentriert trainiert – als Teil der Verarbeitung.

von
Marcel Allemann
Prag
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Duri Camichel (links) spielte den Grossteil seiner Karriere für den EV Zug, wo er auch Teamcaptain war. Der Sohn des ehemaligen Bobfahrers Werner Camichel ist in Costa Rica bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Duri Camichel (links) spielte den Grossteil seiner Karriere für den EV Zug, wo er auch Teamcaptain war. Der Sohn des ehemaligen Bobfahrers Werner Camichel ist in Costa Rica bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Keystone/Steffen Schmidt
Während der Saison 2013/14, seiner zweiten, die er für die Rapperswil-Jona Lakers spielte, trat er als Spieler zurück.

Während der Saison 2013/14, seiner zweiten, die er für die Rapperswil-Jona Lakers spielte, trat er als Spieler zurück.

Keystone/Thomas Oswald
Zusammen mit Camichel war der Fitness-Trainer Harry Andereggen unterwegs, der unter anderem Mark Streit in dessen Sommertrainings betreute und mit dem NHL-Star befreundet war. Auch Andereggen kam bei dem Unfall ums Leben.

Zusammen mit Camichel war der Fitness-Trainer Harry Andereggen unterwegs, der unter anderem Mark Streit in dessen Sommertrainings betreute und mit dem NHL-Star befreundet war. Auch Andereggen kam bei dem Unfall ums Leben.

Keystone/Arno Balzarini

Nati-Captain Mark Streit kannte Harry Andereggen seit dem Jahr 2000. «Ich lernte ihn durch meinen Vater kennen und erinnere mich noch, wie er mich damals fragte, was mein Ziel sei. Ich sagte ihm ‹die NHL› und er meinte ‹dann lass uns das tun›», erzählt Streit gegenüber 20 Minuten. Andereggen wurde zu Streits persönlichem Fitness- und Sommertrainer und leitete dadurch die Nordamerika-Karriere des Berners ein.

«Harry hat nicht nur meine NHL-Karriere geprägt, sondern später auch jene von Roman Josi und Yannick Weber. Es hat mich mit ihm so vieles verbunden und ich kann noch gar nicht realisieren, was geschehen ist und wahrhaben, dass er nicht mehr da ist», sagt Streit traurig.

«Harry und Duri würden wollen, dass wir nun Vollgas geben»

Mit dem früheren Zug-Captain Duri Camichel, der zusammen mit Andereggen in Costa Rica bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte, hat Streit gemeinsam die WM 2007 in Moskau bestritten. «Ich habe durch diese schreckliche Tragödie zwei Freunde verloren», so der Nati-Captain nachdenklich. Einige Tage zuvor verstarb zudem auch noch seine geliebte Grossmutter Frieda. Am Dienstag, just dem Tag als auch Andereggen und Camichel ums Leben kamen, trug er sie zu Grabe.

Wenige Stunden später rückte er dennoch ins Nati-Camp ein, am Mittwoch ging es weiter in den WM-Ort Prag. «Klar, ist es enorm schwer, den Kopf bei der Sache zu haben, wenn man so fürchterliche Meldungen erhält», sagt Streit, «aber ich bin froh, dass ich zurzeit in einer Mannschaft bin. In der Gruppe kann man so etwas besser verarbeiten».

Natürlich werden Camichel und Andereggen in der Schweizer Kabine an dieser WM, an der es für die Nati am Samstag gegen Österreich losgeht, ein Thema bleiben. Neben Streit und Josi ist auch Damien Brunner tief betroffen, der ein enger Freund von Camichel war. «Jetzt müssen wir als Mannschaft zusammenstehen», fordert Streit deshalb. «Harry und Duri würden wollen, dass wir nun Vollgas geben.»

Hanlon vom Team schwer beeindruckt

Nati-Coach Glen Hanlon kannte Andereggen und Camichel nicht. Aber, was am Mittwoch bekannt wurde, beschäftigt natürlich auch ihn. «Es war hart, mitansehen zu müssen, wie jene, die ihnen sehr nahestanden, litten. Wir haben einen Mix in der Mannschaft – einige kannten diese beiden Herren überhaupt nicht, andere sehr gut.»

Hanlon weiter: «Natürlich haben wir zusammen darüber gesprochen. Und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt von dieser Mannschaft. Unmittelbar vor dem Training kam diese schreckliche Nachricht und trotzdem hängten sich alle rein und fühlten sich danach auch besser.» Oft würden Aussenstehende dem Schweizer Eishockey die mentale Stärke absprechen, «ich habe jedoch am Dienstag genau die gegenteilige Erfahrung gemacht».

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