Lieber Phil Geld: Habe ich ein Anrecht auf Lohn während der RS?
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Lieber Phil GeldHabe ich ein Anrecht auf Lohn während der RS?

Till (20) muss bald in die Rekrutenschule einrücken. Sein Betrieb will ihm während der Zeit in der RS lediglich 60 Prozent seines Lohnes auszahlen. Ist das erlaubt?

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20M
Rekrutinnen und Rekruten haben während der RS Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung. (Bild: Keystone)

Rekrutinnen und Rekruten haben während der RS Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung. (Bild: Keystone)

Lieber Phil Geld

Ich muss Anfang März in die Rekrutenschule einrücken. Mein Betrieb will mir während der Zeit in der RS lediglich 60 Prozent meines Lohnes bezahlen. Ist das erlaubt? Habe ich nicht Anspruch auf eine Lohnfortzahlung?

Lieber Till

Wer in der Schweizer Armee, im Zivilschutz, im Rotkreuzdienst oder im Zivildienst Dienst leistet, hat Anspruch auf eine Erwerbsausfallentschädigung – den sogenannten Erwerbsersatz (EO) gemäss der Erwerbsersatzordnung (EO) des Bundes. Die Erwerbsausfallentschädigung dient dazu, den durch die Dienstleistung entstehenden Lohn- und Verdienstausfall angemessen zu ersetzen.

Der Rekrut oder die Rekrutin erhält während der Rekrutenschule (RS) grundsätzlich eine Einheitsentschädigung von 62 Franken pro Tag. Das gilt unabhängig davon, ob sie vor dem Einrücken erwerbstätig waren, sich in Ausbildung befanden oder während der RS weiterhin ein Arbeitsverhältnis besteht. Eine Ausnahme besteht für Rekrutinnen und Rekruten mit Kindern. Sie erhalten dieselben Ansätze wie WK-Dienstleistende – nämlich 80 Prozent ihres durchschnittlichen vordienstlichen Einkommens, mindestens aber 62 Franken und höchstens 196 Franken pro Tag. Die Erwerbsersatzordnung zahlt – im Gegensatz beispielsweise zur Arbeitslosenversicherung – für jeden Wochentag eine Entschädigung aus. Folglich auch für den Samstag und Sonntag.

Behält der Rekrut oder die Rekrutin während der RS seine/ihre Anstellung und bezahlt der Arbeitgeber für die Zeit des Dienstes weiter den Lohn aus, so geht der Erwerbsersatz direkt an den Arbeitgeber – allerdings nur im Umfang seiner Lohnfortzahlung. Das heisst: Ist der ausbezahlte Lohn höher als die Erwerbsausfallentschädigung, erhält der Arbeitgeber die volle Leistung der EO. Ist der Betrag kleiner, bekommt der Arbeitgeber lediglich jenen Teil, den er als Lohn ausbezahlt. Der Rest geht an den Dienstleistenden.

Die Höhe der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber richtet sich grundsätzlich nach der vertraglichen Vereinbarung. Wurde vertraglich nichts festgehalten, gelten die Bestimmungen des Obligationenrechts (Art. 324b OR). Der Arbeitnehmer hat in jedem Fall Anspruch auf Leistungen in der Höhe der EO-Entschädigung und gestützt auf das OR zusätzlich Anspruch auf Ergänzung derselben auf 80 Prozent seines Lohnes durch den Arbeitgeber während einer beschränkten Zeit (je nach Dienstjahr).

Bezahlt dir dein Arbeitgeber während der RS weiter monatlich den Lohn aus, hat er dir, gestützt auf Art. 324b OR, 80 Prozent deines Lohnes auszubezahlen. Die Erwerbsausfallentschädigung steht dann aber deinem Arbeitgeber zu.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch (20M/20 Minuten)

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