Alex Frei: Der neue Coach des FC Winterthur spricht über Kritik und Haaland
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Start für neuen FCW-Coach«Habe nicht die Nerven, alle zu überzeugen» – Alex Frei lässt Kritik kalt

Der FC Winterthur startete am Dienstag mit Alex Frei als neuen Trainer in die Vorbereitung auf die Rückrunde. Gegenüber 20 Minuten sprach der Nati-Rekordtorschütze über seine neue Aufgabe.

von
Florian Gnägi
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Alex Frei ist neuer Trainer des FC Winterthur.

Alex Frei ist neuer Trainer des FC Winterthur.

20min/Michael Scherrer
Am Dienstag leitete der frühere Nati-Star das erste Training auf der Anlage des Stadion Schützenwiese.

Am Dienstag leitete der frühere Nati-Star das erste Training auf der Anlage des Stadion Schützenwiese.

Andy Mueller/freshfocus
Frei ist sich bewusst, dass es unter den Winterthur-Fans nicht nur Jubelstürme gab, als er als Trainer bekanntgegeben wurde.

Frei ist sich bewusst, dass es unter den Winterthur-Fans nicht nur Jubelstürme gab, als er als Trainer bekanntgegeben wurde.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Am Dienstag leitete Alex Frei seine erste Einheit als Trainer des FC Winterthur.

  • Im Interview mit 20 Minuten erzählt der 42-Jährige von seinen Zielen mit dem FCW und was ihn am Projekt in der Eulachstadt reizt.

  • Dazu sagt Frei, welchem seiner Ex-Spieler er den Sprung in die Nati zutraut und wer für ihn die Hauptkonkurrenten im Aufstiegsrennen in der Challenge League sind.

Alex Frei, nach der Zeit beim FC Wil übernehmen Sie beim FC Winterthur eine neue Herausforderung. Was gab den Ausschlag, Winterthur zuzusagen?

Ich fand Winterthur immer ein spannendes Projekt. Wenn man das Stadion anschaut, das Zuschaueraufkommen, dann schmeckt das hier richtig nach Fussball. Man hat hier eine grosse Tradition, ist aber gleichzeitig seit 36 Jahren nicht mehr in der Super League gewesen. Mich haben immer Projekte interessiert, bei denen man etwas bewegen kann und die Wege kurz sind. Hier in Winterthur gibt es nicht irgendein Gremium mit 20 Leuten, dass über Transfer entscheidet.

Wenn man sich in der Fanszene vom FCW umhört, gibt es auch Stimmen die sagen, Alex Frei passe nicht zum FC Winterthur. Wieso passt es doch?

Ich handhabe das so: Es gibt solche, die finden es cool, dass ich hier Trainer werde. Die versuche ich zu bestätigen. Dann gibt es solche, die noch zweifeln. Die will ich überzeugen. Für die restlichen Fans habe ich dann nicht mehr die Nerven und die Kraft, die auch noch zu überzeugen.

Nachdem Sie bei Wil aufhörten, wurden Sie auch bei Luzern oder Basel als möglicher Trainer gehandelt. Wieso sind Sie jetzt nicht beim FCL Trainer, sondern in Winterthur?

Weil ich das so wollte. Ich wollte Trainer beim FC Winterthur werden.

«Für mich sind Projekte massgeblich, nicht das Prestige – das brauche ich nicht.»

Sie waren schon als Spieler bekannt für ihre grossen Ambitionen. Ist die Verpflichtung von Alex Frei ein klares Statement, dass jetzt der Aufstieg das grosse Ziel ist?

Grundsätzlich hoffe ich, dass ambitioniert zu sein und Ziele zu haben, nicht etwas Schlechtes ist. Ich kann aber nicht zaubern. Es wird sehr entscheidend, wie wir aus den Startlöchern kommen. Nach vielleicht neun Spielen können wir eine erste Bilanz ziehen und sagen, wo die Reise hingeht.

Was wäre, wenn Winterthur nicht aufsteigen würde. Würden Sie dann trotzdem weiter FCW-Trainer bleiben?

Wenn es so wäre, hätte ich nur für sechs Monate unterschrieben. Das habe ich aber nicht. Der FC Winterthur hat eine klare Vorstellung davon, wie er funktionieren soll die nächsten Jahre – mit mir oder ohne mich. Die Frage nach einem Verbleib bei einem Nichtaufstieg stellt sich für mich überhaupt nicht. Ich frage mich, wie ich mithelfen kann, die Mannschaft und die Spieler besser zu machen und eventuell dem Club auch sonst Tipps aus meiner Erfahrung heraus zu geben, dass er weiter wachsen kann. Für mich sind Projekte massgeblich, nicht das Prestige – das brauche ich nicht.

Wie viel Spieler Alex Frei steckt noch im Trainer Alex Frei?

Da gibt es klare Unterschiede. Ich bin ein anderer Mensch als Trainer, wie ich als Spieler war. Als Spieler war ich ein Egoist, als Trainer kannst du gar nicht egoistisch denken. Als Trainer bist du Dienstleister, das ist ein komplett anderer Beruf als derjenige des Spielers. Da kannst du nicht so sein wie als Spieler.

In der letzten Partie vor der Ära Alex Frei verlor der FC Winterthur gegen Vaduz.

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Sie trainierten als Spieler unter Klopp, Hitzfeld oder Favre. Von welchem Ihrer früheren Trainer nehmen Sie am meisten mit?

Ich bin keine Kopie von irgendjemanden. Ich habe sicherlich die Sachen mitgenommen, die ich bei meinen früheren Trainern gut fand, aber ich bin keine Kopie von Klopp, Hitzfeld oder von Favre. Ich versuche, meinen Weg als Trainer selber zu gehen.

Winterthur spielt seit Jahren in der Challenge League. Wäre der Verein nun sportlich sowie von den Finanzen und der Infrastruktur her bereit für den Aufstieg?

So wie ich den FC Winterthur einschätze, gibt es ein Szenario Super League und ein Szenario Challenge League. Man bereitet sich vor für alle Szenarien. Wenn der Fall Super League eintrifft, beginnt man nicht zu träumen und umgekehrt wird nicht Weltuntergangsstimmung einkehren, wenn wir nicht aufsteigen. Man weiss beim FC Winterthur, wo man hingehört und gleichzeitig auch, was möglich sein kann.

Die Liga ist extrem ausgeglichen. Wen sehen Sie als Hauptkonkurrenten im Aufstiegsrennen?

Das Glück vom FC Winterthur war in der Vorrunde schon auch, dass in der Schwächephase des FCW keine andere Mannschaft davon gezogen ist. Wir selber haben eine sehr gute, ausgeglichene Mannschaft, aber letztlich sind immer die Mannschaften mit Super-League-Erfahrung in der Favoritenrolle wie Aarau, Thun oder auch Xamax, die immer gefährlich sind.

«Bledian Krasniqi wird früher oder später in der Nati landen, wenn er so fortfährt.»

Das Transferfenster geöffnet. Auf welcher Position sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?

Ich will Erling Haaland (lacht)! Das wird aber nicht möglich sein.

Wer ist für Sie der beste Spieler der Challenge League?

Es gibt da einige, die das Potenzial hätten, nächste Saison in der Super League zu spielen, aber ich werde keine Namen nennen. Sonst heisst es wieder, Alex Frei hätte den und den Spieler unter Druck gesetzt oder sonst was. Der einzige, bei dem ich mich festgelegt hatte, war der heutige FCZler Bledian Krasniqi. Ihn hatte ich bei Wil trainiert und gesagt, er wird eine tolle Karriere machen und früher oder später in der Schweizer Nati landen, wenn er so fortfährt.

Sie trainierten bei Wil Spieler neben Krasniqi auch Phillip Köhn, der nun bei RB Salzburg in der Champions League spielt. Gibt es bei Winterthur Spieler, denen Sie einen ähnlichen Werdegang zutrauen?

Grundsätzlich ist die Ausbildung eines Spielers nie abgeschlossen. Du kannst auch mit 30 oder 32 noch besser werden. Das ist meine Ambition als Trainer. Dann hatte und hat der FC Winterthur immer zwei bis drei gute, junge Spieler in der ersten Mannschaft oder auch im Nachwuchs, die interessant sein können für die Zukunft. Am Schluss entscheide aber nicht ich oder jemand vom Trainerstab, wie schnell der Weg eines Spieler vorangehen wird, sondern der Spieler selber.

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