«Habe oft überlegt, aufzuhören»
Aktualisiert

«Habe oft überlegt, aufzuhören»

Dass Fabienne Suter immer noch Ski fährt, grenzt schon an ein kleines Wunder. Dass sie nun wie in Sestriere (It) sogar Weltcuprennen gewinnen kann, ist eine dieser schönen Geschichten, wie sie nur der Sport schreiben kann.

«Deshalb», sagt Fabienne Suter, «danke ich all denen, die in der schweren Zeit zu mir gehalten haben. Ich geniesse diesen Sieg, aber ich weiss auch, wie es ist, wenn man auf der andern Seite steht.»

Zu jenen Leuten gehört auch der ehemalige Cheftrainer Osi Inglin, der ihr immer noch mit Ratschlägen zur Seite steht, mit dem sie auch verwandschaftlich verbunden ist. Er ist ihr Onkel. «Wir haben heute noch guten Kontakt», sagt Fabienne Suter, die Gotte eines Buben von Osi Inglin ist. Die «Si» sprach mit Fabienne Suter:

Sie waren einst das grösste Talent, aber dann drei Jahre fast permanent verletzt - wie hielten Sie so etwas durch?

Suter: Es war keine einfache Zeit, zumal mich alle immer wieder trösteten: es wird schon wieder gut. Vielleicht war ich auch selber zu ungeduldig. Ich wollte sofort alles erreichen. In diesen drei Jahren habe ich aber auch viel gelernt. Mir wurde bewusst, dass nichts von selber geht und man um alles kämpfen muss. Deshalb kann ich den heutigen Tag geniessen. Aber ich weiss diesen Erfolg auch richtig einzuschätzen.

Was hatten Sie genau?

Suter: Im Sommertraining 2003 erlitt ich in Argentinien einen Schienbeinkopf-Trümmerbruch, der dreimal operiert werden musste. Nach dem ersten Jahr versuchte ich ein Comeback, aber die Schmerzen waren zu gross. Als es mir auch nach dem zweiten und dritten Jahr noch nicht besser ging, reiste ich zu einer Behandlung nach Kanada- aber primär um den Kopf wieder etwas freizukriegen. Ich war immer nur zu Hause, bei Ärzten, in Therapien - da wollte ich einfach mal weg.

Waren Sie damals dem Ende Ihrer Karriere näher als an einer Fortsetzung?

Suter: Ich habe mir oft überlegt aufzuhören. Ich war zu Hause und konnte nichts tun. Temporär habe ich in einem Büro bei meinem Onkel gearbeitet, aber das war ja nicht mein Traumberuf, obwohl ich einst das KV gemacht habe. Ich überlegte mir, nochmals eine neue Lehre anzufangen - aber eigentlich wollte ich immer Ski fahren. Heute trage ich im Training und Wettkampf immer eine Schiene. Und viel geholfen hat mit auch die Osteopathie (eine ganzheitliche Heilmethode, die Red.)

Auch diese Saison ist nicht optimal angelaufen. Sie fühlten sich unter Druck gesetzt, weil Sie wider Willen zur Leaderin des Riesenslalom-Teams gemacht wurden.

Suter: Ich habe mich nie als das betrachtet, weil ich ja selber nur knapp der zweiten Startguppe angehörte. In den Trainings war es ja auch nicht so, dass ich 'herausgestochen' wäre. Das letzte Jahr war meine Aufbau-Saison, deshalb konnten in diesem Winter nicht schon Top-Resultate erwartet werden. Zudem hatte ich grosse Mühe in dieser Disziplin. Deshalb gehe ich auch nicht an die vorolympischen Speed-Rennen nach Kanada, sondern trainiere Riesenslalom. So dass es in Zwiesel vielleicht für die Qualifikation für den 2. Lauf reicht.

Sie stehen nicht so gerne im Mittelpunkt?

Suter: Ich bin lieber im Hintergrund.

Aber jetzt stehen Sie an der Spitze. Ist der Rummel noch erträglich?

Suter: Als Siegerin ist es auch angenehmer, im Mittelpunkt zu stehen. Es ist zum Aushalten. (Im Stile einer Routinière stand sie an der Medienkonferenz auf Englisch Red und Antwort. Die Red.)

Offenbar ist die Talsenke von Borgata für Skirennfahrer aus Sattel ein gutes Pflaster. Vor vier Jahren hat ihre vom gleichen Ort stammende Zimmerkollegin Nadia Styger hier ebenfalls den ersten Weltcupsieg gefeiert.

Suter: Am Samstag sind wir miteinander squashen gegangen. Da hat Nadia mir erzählt, sie erinnere sich noch an jede Sekunde jenes Tages. Mir kam das am Morgen vor dem Start dann ebenfalls nochmals in den Sinn, und dann erst recht, als ich als Leaderin über einer Stunde vor dieser «roten Wand» stand.

(si)

Deine Meinung