Gerücht: Haben Bundesangestellte mit Impf-Aktien spekuliert?
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GerüchtHaben Bundesangestellte mit Impf-Aktien spekuliert?

Laut einer Quelle aus der Finanzbranche haben hohe Bundesbeamte mit Insider-Informationen Aktien von Moderna oder Pfizer/Biontech gekauft. Die Bundesanwaltschaft wird nun aktiv.

von
Pascal Michel
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Die Schweiz hat unter anderem auf den Impfstoff von Pfizer/Biontech gesetzt. 

Die Schweiz hat unter anderem auf den Impfstoff von Pfizer/Biontech gesetzt.

20min/Marco Zangger
Das Finanzportal «Inside Paradeplatz» zitiert nun eine Quelle, die behauptet, mit Informationen zur Impfstrategie hätten Bundesbeamte Insiderhandel betrieben.

Das Finanzportal «Inside Paradeplatz» zitiert nun eine Quelle, die behauptet, mit Informationen zur Impfstrategie hätten Bundesbeamte Insiderhandel betrieben.

20min/Marco Zangger
Es beruft sich auf eine Quelle aus der Finanzbranche. Diese sagt: Hinter den möglichen Insider-Deals sollen höchste Beamte und Beauftragte der Schweizer Regierung stecken. Würden die Namen bekannt, dann käme es zu einem Aufschrei.

Es beruft sich auf eine Quelle aus der Finanzbranche. Diese sagt: Hinter den möglichen Insider-Deals sollen höchste Beamte und Beauftragte der Schweizer Regierung stecken. Würden die Namen bekannt, dann käme es zu einem Aufschrei.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Eine Quelle aus der Finanzbranche erhebt gegenüber «Inside Paradeplatz» schwere Vorwürfe: Hohe Bundesbeamte seien in Insidergeschäfte mit Moderna- oder Pfizer-Aktiven involviert.

  • Die Bundesanwaltschaft prüft nun das weitere Vorgehen.

  • Bei Swissmedic heisst es, dies werde nicht geduldet. Hinweise auf einen Verdacht hat die Behörde aber keine.

Hohe Bundesangestellte sollen sich kurz vor der Zulassung der Moderna-, AstraZeneca-, und Pfizer-Vakzine mit den entsprechenden Titeln an der Börse eingedeckt haben: Über diesen Verdacht berichtet das Finanzportal «Inside Paradeplatz». Es beruft sich auf eine Quelle aus der Finanzbranche. Diese sagt: Hinter den möglichen Insider-Deals sollen höchste Beamte und Beauftragte der Schweizer Regierung stecken. Würden die Namen bekannt, dann käme es zu einem Aufschrei.

Die Behörde Swissmedic hat am 19. Dezember 2020 den Impfstoff von Pfizer/BioNTech zugelassen. Damit war Swissmedic schneller als die europäischen Behörden. Die Zulassung für das Moderna-Vakzin folgte am 12. Januar. Jenes von AstraZeneca befindet sich noch in der Prüfung.

Nachdem die SVP bereits wegen der aus ihrer Sicht «vermasselten Impfstrategie» auf die beiden BAG-Direktorinnen zielt, ist der vermutete Insiderhandel zusätzlich Wasser auf die Mühlen von SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.

Aktie von Moderna legte zu

Die entsprechenden Absichtserklärungen und Verträge mit den Impfstoffherstellern wurden im Herbst und Winter geschlossen – und seither ist der Kurs etwa der Moderna-Aktie in die Höhe geschossen. Ob für diese Kurs-Entwicklung die Entscheidung der Schweiz, auf diesen Impfstoff zu setzen, eine Rolle spielte, bleibt offen. Gegenüber «Inside Paradeplatz» nennt die Quelle aus der Finanzbranche keine konkreten Titel oder Zeiträume, in denen die Aktien gekauft worden sein sollen. Da die Titel nicht bei der Schweizer Börse SIX gelistet sind, ist die Schweizer Börse nicht für deren Überwachung zuständig.

Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi zeigt sich gegenüber 20 Minuten erstaunt über den Bericht. Er hat aus den Medien davon erfahren. Er stellt klar: «Es ist Mitarbeitenden und Angehörigen von Swissmedic untersagt, Wertpapiere von Firmen zu besitzen, die wir beaufsichtigen oder beauftragen. Das wird nicht geduldet.» Dazu müssten Führungskräfte jedes Jahr und alle Mitarbeitenden alle zwei Jahre eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Wer dagegen verstosse, riskiere Massnahmen bis hin zur fristlosen Kündigung.

Im Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel heisst es zudem: Wer Insiderinformationen ausnützt, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Jaggi hat keine Kenntnis davon, dass Swissmedic-Mitarbeitende je in Insiderhandel mit Impftiteln verwickelt waren.

Bundesanwaltschaft ist zuständig

Klar ist aber: Die Zahl der Personen, die in der Bundesverwaltung Zugang zu sensiblen Informationen der Impfstrategie haben, könnte erheblich ausfallen. Infrage kämen die Armeeapotheke, das BAG, aber auch Kantonsvertreter. Zuständig für eine allfällige Untersuchung ist die Bundesanwaltschaft sowie die Finanzmarktaufsicht Finma.

«Die Bundesanwaltschaft hat die Berichterstattung zur Kenntnis genommen, kommentiert jedoch grundsätzlich keine Medienberichte», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. «Die BA steht in regelmässigem Kontakt mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma und prüft das weitere Vorgehen.»

«Wir haben keine Anhaltspunkte für Insiderhandel von Mitarbeitenden des BAG», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Es bestünden personalrechtliche Vorgaben, die ein solches Verhalten verbieten würden. «Die Compliance-Regeln werden von allen Mitarbeitenden bei Stellenantritt unterzeichnet, auch von temporären Mitarbeitenden, von Mitarbeitenden auf Mandatsbasis und von externen Fachkräften.»

Bei Marktbeobachtern kursiert auch die Vermutung, das Gerücht könnte mit Blick auf die heutigen Entscheide des Bundesrats gestreut worden sein, um Druck aufzubauen.

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