TV-Bericht: Haben die Ausbrecher von Alcatraz doch überlebt?
Aktualisiert

TV-BerichtHaben die Ausbrecher von Alcatraz doch überlebt?

Ein Ausbrecher-Trio machte vor über 50 Jahren Schlagzeilen, als es von der Gefängnisinsel Alcatraz flüchtete. Offiziell überlebten die Männer nicht. Jetzt kommen aber Zweifel auf.

von
sut

Es ist der wohl berühmteste Gefängnisausbruch aller Zeiten. In der Nacht zum 12. Juni 1962 entkamen drei hartgesottene Verbrecher der Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco. Jetzt behauptet der «History Channel», das Trio habe – anders als bisher angenommen – die Bootsfahrt ans Ufer überlebt.

Vielleicht leben die drei sogar noch heute, irgendwo im sonnigen Südamerika. Ihr Anführer Frank Morris wäre 89 Jahre alt, John Anglin hätte 85 Jahre auf dem Buckel, sein Bruder Clarence 84 Jahre.

Mit Löffeln durch die Mauer

Der Ausbruch ist legendär wegen seiner raffinierten Vorbereitung. Der Bankräuber Frank Morris, ausgestattet mit einem hohen IQ von 133, ersann den Fluchtweg durch die Mauern der Zellen. Über einen Lüftungsschacht kletterten die drei Männer hinauf aufs Dach, von dort stiegen sie in den Hof hinab und gingen zum Wasser.

In monatelanger Kleinarbeit kratzten sich Morris und die Anglin-Brüder mit Löffeln durch den Zement der Mauer. Die Löcher verdeckten sie mit einer Lüftungsklappe. Damit die Wärter keinen Verdacht schöpften, fertigten sie Papiermaché-Modelle ihrer Köpfe an, versehen mit echten, aus dem Gefängnissalon entwendeten Haaren.

Schlauchboot aus Regenmänteln

Für die Überfahrt zum Festland bastelten sie ein transportables Floss aus gestohlenen Regenmänteln. Mit einem Akkordeon pumpten sie Luft in die Mäntel, bevor sie mit Brettern als Ruder in die Nacht hinaus stachen. Weil in den Zellen die Pappköpfe auf den Kissen lagen und Füllmaterial unter den Decken ihre Körper andeuteten, bemerkten die Wärter das Fehlen der drei Häftlinge erst neun Stunden später. Diese Zeit hätte theoretisch für eine Paddelfahrt in die Freiheit gereicht. Doch bisher ist nie ein Erfolgsbeweis gefunden worden.

Die am Montagabend in den USA ausgestrahlte Sendung«Alcatraz: die Suche nach der Wahrheit» beruft sich vor allem auf Angaben der Familie Anglin. Die Neffen David, 48, und Ken Widner, 54, behaupten, ihre Onkel hätten mindestens bis Mitte der 1970er-Jahre gelebt. Dafür werden drei Hinweise angeführt:

1. Die Weihnachtskarten: In den drei Jahren nach dem Ausbruch erhielt die Mutter der Anglins jeweils einen mit den Namen Clarence und John signierten Weihnachtsgruss. Die Handschriften stimmen, aber die Karten wurden unfrankiert abgegeben, sodass sie sich nicht genau datieren lassen.

2. Das Foto: Der «History Channel» zeigte in dem Programm eine Fotografie, auf der angeblich die Anglins in späteren Jahren lebend zu sehen sind.

3. Die DNA-Spuren: Die Familie erlaubte den Ermittlern, einen älteren Bruder aus seinem Grab zu buddeln. Alfred Anglin war seinerseits bei einem Ausbruchsversuch aus einem Gefängnis in Alabama durch einen Stromstoss getötet worden. Die Analyse seiner DNA zeigte, dass 1963 nördlich von San Francisco aufgefundene Knochen nicht jene der Anglin-Brüder sein konnten. DNA für einen Vergleich mit dem Vollwaisen Morris ist indes nicht mehr erhältlich.

Von der «New York Post» befragt, sagte der pensionierte, aber 20 Jahre lang mit der Aufklärung des Ausbruchs betraute US-Marshal Art Roderick: «Dies ist absolut der beste nachprüfbare Hinweis, den wir je hatten.» Roderick will das neue Beweismaterial jetzt zehn mit dem Fall Vertrauten vorlegen.

Die Strömung stimmte

Theoretisch ist möglich, dass das Ausbrechertrio tatsächlich der starken Strömung unter der Golden-Gate-Brücke trotzte und es vermied, in den kalten Pazifik hinausgetrieben zu werden. Letztes Jahr rekonstruierten Forscher der Universität Delft die Strömungsverhältnisse in der Ausbruchsnacht. Ihr Schluss: Die drei Häftlinge hatten eine Chance zu überleben, falls sie eine Stunde vor Mitternacht losruderten. Es wäre ein einmaliger Erfolg gewesen: 35 andere Gefangene versuchten auch zu entkommen und scheiterten.

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