23.03.2019 16:26

Bluttat in Basel

Haben die Behörden versagt?

Eine offenbar psychisch labile Frau tötete einen Buben. Fachpersonen versuchen hinter die Umstände der Schreckenstat zu blicken.

von
B. Zanni
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Auf dem Heimweg von der Schule erstochen: Der 7-jährige Ilias.M.

Auf dem Heimweg von der Schule erstochen: Der 7-jährige Ilias.M.

20 Minuten
Der 7-jährige Ilias .M.* wurde am Donnerstag auf offener Strasse auf brutale Art und Weise getötet.

Der 7-jährige Ilias .M.* wurde am Donnerstag auf offener Strasse auf brutale Art und Weise getötet.

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Der 7-jährige Ilias M. wurde von einer Frau niedergestochen. «Es geht uns ganz schlecht», sagt seine Mutter einen Tag nach der Tat.

Der 7-jährige Ilias M. wurde von einer Frau niedergestochen. «Es geht uns ganz schlecht», sagt seine Mutter einen Tag nach der Tat.

ZVG

Auf offener Strasse tötete eine 75-jährige Frau den Schulbuben I. M.*. Aktuell klärt ein psychiatrisches Gutachten ihre Schuldfähigkeit ab. Recherchen ergaben, dass die Täterin vor einigen Jahren Schulden von über 100'000 Franken und einen Rechtsbeistand hatte. Neben der Trauer um das Opfer steht die Frage im Zentrum, wie es zu einer solchen Tragödie kommen konnte.

Für den forensischen Psychiater Josef Sachs gibt es aufgrund der vorliegenden Informationen keine Hinweise auf ein Behördenversagen. «Damit eine psychisch gestörte Person eingesperrt wird, muss sie als selbst- oder fremdgefährdend eingestuft werden», sagt Sachs.

Risiko müsse bestehen

Eine solche Massnahme ergreift man laut Sachs zum Beispiel, wenn jemand einen Suizidversuch machte, gegenüber Drittpersonen gefährlich war oder das Risiko von erneuten Gewalthandlungen besteht. «Ist eine Person noch nie durch erhöhte Gewaltbereitschaft aufgefallen, ist ihr Gewaltpotenzial in vielen Fällen schwer absehbar.» Daher gebe es auch keinen Anlass, die Person in einer stationären Einrichtung unterzubringen.

Eine Alzheimer-Demenz als Auslöser für die Tat hält Sachs für wenig wahrscheinlich. «Die häufigsten Demenzen führen zu Verwirrtheit und Vergesslichkeit, was sich kaum in derart gefährliche Straftaten niederschlägt.»Davon zu unterscheiden seien spezielle Formen der Demenz, die Impulskontrollstörungen hervorrufen. «Bei diesen muss man genauer hinschauen, da sie sich unterschiedlich auswirken.» Die Störungen könnten sich durch lästiges Verhalten, aber auch Gewalttätigkeit äussern.

«Jemand könnte zu früh entlassen werden»

Im Sinne des therapeutischen Grundsatzes «Ambulant vor stationär» kam es in den stationären Psychiatrien in den letzten Jahren zu einem Abbau von Betten. Die Sonntagszeitung berichtete 2016, dass die Anzahl der Betten zwischen den Jahren 1999 und 2014 um 12 Prozent reduziert wurde. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Hospitalisierungen, was eine kürzere durchschnittliche Verweildauer zur Folge hatte.

Laut Josef Sachs verleitet der Abbau aber nicht zu weniger stationären Einweisungen. «Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde schert sich nicht um die Anzahl Betten in einer stationären Psychiatrie. Was zählt ist, ob der Patient eine Einweisung nötig hat oder nicht.» Fehler könnten höchstens in der stationären Therapie passieren. «Jemand könnte wegen Platzmangels zu früh entlassen werden.»

«Psychische Störungen werden geprüft»

Kindes- und Erwachsenenschutzexperte Christoph Häfeli macht darauf aufmerksam, dass die Schwelle für eine fürsorgerische Unterbringung heute hoch ist. Früher habe jemand schneller gegen seien Willen untergebracht werden können. «Es ist denkbar, dass der Beistand das fremdgefährdende Potenzial der Täterin sah oder hätte sehen können», sagt Häfeli.

Im Rahmen der Beistandsabklärungen prüft die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde laut Häfeli auch, ob bei der gemeldeten Person eine psychische Störung vorliegt. «Dafür reicht auch, wenn jemand nur wegen Schulden gemeldet wurde», sagt Häfeli. Gebe es Hinweise auf eine Störung, ordne die KESB ein ambulantes Gutachten an. «Verweigert die Person dies, muss die KESB ein stationäres Gutachten anordnen.»

*Name der Redaktion bekannt.

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