Gefängnisausbruch: Haben die Killer eine Angestellte verführt?
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GefängnisausbruchHaben die Killer eine Angestellte verführt?

Ermittler in New York haben eine Gefängnisangestellte im Visier: Sie könnte den beiden hochgefährlichen Häftlingen bei der Flucht geholfen haben.

von
sut
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Die Flüchtigen wurden gesichtet: 565 Kilometer entfernt von Dannemora geht die US-Polizei einer neuen Spur nach, sagte Sprecher Beau Duffy am 20. Juni 2015.

Die Flüchtigen wurden gesichtet: 565 Kilometer entfernt von Dannemora geht die US-Polizei einer neuen Spur nach, sagte Sprecher Beau Duffy am 20. Juni 2015.

Keystone/Mike Groll
Erster Ausbruch seit Eröffnung 1865: Hohe Mauern umrunden das Gelände der Haftanstalt Dannemora im US-Staat New York.

Erster Ausbruch seit Eröffnung 1865: Hohe Mauern umrunden das Gelände der Haftanstalt Dannemora im US-Staat New York.

Keystone/Gabe Dickens
Trotz den hohen Sicherheitsvorkehrungen ist dem 48-jährigen Richard Matt die Flucht gelungen. Er hatte 1997 einen Mann entführt und zu Tode geprügelt.

Trotz den hohen Sicherheitsvorkehrungen ist dem 48-jährigen Richard Matt die Flucht gelungen. Er hatte 1997 einen Mann entführt und zu Tode geprügelt.

Keystone/New York State Police

Trotz einer breit angelegten Menschenjagd mit Suchhunden, Helikoptern und 250 Polizisten sind zwei gefährliche Killer nach ihrem sensationellen Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Dannemora, New York, noch immer auf der Flucht. Die Mörder Richard Matt, 48, und David Sweat, 34, sägten und schnitten sich den Weg in die Freiheit über versteckte Gänge und unterirdische Rohre.

Seit sie um 5.30 Uhr einen Schachtdeckel ausserhalb der zehn Meter hohen Knastmauern hochstemmten und entwischten, bleiben sie unauffindbar. Für Hinweise, die zu ihrer Ergreifung führen, ist eine Belohnung von je 50'000 Dollar ausgeschrieben worden.

Eine Angestellte könnte den Killern geholfen haben

Bei der Flucht seien die zwei als hochgefährlich eingestuften «Lebenslänglichen» auf die Hilfe Dritter angewiesen gewesen, sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo am Montag der «Today»-Show. «Wir befragen zuerst alle Zivilisten und Arbeiter. Mich würde schockieren, wenn ein Gefangenenwärter daran beteiligt gewesen wäre.»

Die «New York Post» geht vorerst davon aus, dass zwar kein uniformierter Wärter, aber eine Angestellte der Clinton Correction Facility den zwei Killern geholfen haben könnte. «Eine weibliche Angestellte wird befragt», sagte ein ungenannter Informant der Zeitung. Die in der Näherei tätige Frau sei bereits von ihrem Job entfernt worden, sagte er.

Richard Matt ist «sehr grosszügig ausgestattet»

Der Insider vermutet, Richard Matt könnte die Angestellte umgarnt haben. «Er hat so seine Tricks mit Frauen.» Die gleiche Ahnung hat laut «Post» David Bentley, ein Polizist im Ruhestand. Bentley war an der Ergreifung Matts beteiligt, nachdem dieser 1997 eine Geschäftsfrau im Städtchen North Tonawanda umgebracht hatte. Er erinnert sich: «Wenn sich Matt herausputzt, schaut er sehr gut aus, und er ist, offen gesagt, sehr grosszügig ausgestattet. Er kriegt überall Freundinnen.»

Hilfe aus dem Innern des Knasts brauchten die zwei Killer, um an elektrische Bohrmaschinen oder Trennscheiben heranzukommen. Damit sägten sie ein Loch in die Stahlwand zwischen den Zellen. Dann gruben sie sich durch sechzig Zentimeter Backsteinmauer hindurch, schlitzten ein dickes Metallrohr auf und krochen hindurch bis zum Schachtdeckel. Um den Deckel zu heben, «mussten sie sogar ein Stahlschloss mit einer Kette durchschneiden», sagte Gouverneur Cuomo. Von aussen sei der Deckel nicht zu öffnen gewesen.

Während Wochen minutiös geplant

Die Elektrowerkzeuge stammen laut Insidern wahrscheinlich von Bauarbeitern, die in dem Gefängnis tätig waren. Alle zum Knast gehörenden Werkzeuge seien gefunden worden, schreibt die «Post».

Der Ausbruch muss während Wochen, wenn nicht Monaten minutiös geplant worden sein, sagte eine andere Quelle. Für den Gouverneur ist rätselhaft, dass niemand die nächtlichen Sägearbeiten gehört haben soll. « Ich habe mit ein paar Insassen gesprochen», sagte Cuomo in der Sendung «Good Morning America». «Ich sagte: Sie hörten es, sie mussten es gehört haben.»

Wie in der Realität

Der Ausbruch erinnert an jenen im Film «The Shawshank Redemption» von 1994. Im wirklichen Leben ähnelt er dem berühmten Ausbruch von 1962 aus der Gefangeneninsel Alcatraz vor San Francisco. In allen Fällen entwichen die Häftlinge durch Mauern und versteckte Wege aus dem Gefängnis, und die Wärter foppten sie, indem sie Puppen von sich selbst auf die Pritschen legten.

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