Aktualisiert 13.06.2011 23:39

Auf Seilbahn in Baum gerastHaben die Leiter fahrlässig gehandelt?

Nach dem Tod einer Achtjährigen im Pfingstlager steht der Cevi unter Schock. Die Polizei untersucht nun, ob die Lagerleiter Fehler gemacht haben.

von
amr/hal

Es hätte ein Gaudi für die 27 Kinder werden sollen und endete im Desaster: Während eines Cevi-Lagers bei Oetwil an der Limmat ist am Pfingst­sonntag ein achtjähriges Mädchen praktisch ungebremst in einen Baum geprallt. Wenig später verstarb es im Spital an seinen schweren Kopfverletzungen.

Die Seilbahn war eine eigene Konstruktion der 13 Lagerleiter. In einem steilen Hang mit gegen 40 Metern Höhen­differenz hatten sie ein Seil ­gespannt, über das die Kinder in die Tiefe gelassen wurden. Mit einem Sicherungsseil hätte die Geschwindigkeit reguliert werden sollen. Doch nachdem einige Fahrten problemlos verlaufen waren, liess sich die Seilbahn beim achtjährigen Mädchen nicht bremsen. Ein Leiter am Ende der Abfahrt versuchte noch, den Aufprall zu dämpfen. Laut Seilpark-Experte Christian Bolliger ist dies ­jedoch unmöglich (siehe Interview).

«Wir sind alle zutiefst schockiert», sagt Cevi-Sprecher Jürg Schelldorfer. Der Cevi hat als Sofortmassnahme beschlossen, dass vorläufig keine Seilbahnanlagen mehr gebaut ­werden dürfen. Man werde den Untersuchungsbericht abwarten und dann entscheiden, wie es weitergeht. Die Polizei klärt derweil ab, ob die Lagerleiter die Gefahren missachteten und fahrlässig vorgingen. Laut den Vorgaben von Jugend + Sport hätte es zumindest eine Notbremse am Ende des Seils gebraucht. (amr/hal/20 Minuten)

«Seilbahn des Cevi war extrem steil»

Herr Bolliger*, war die Cevi-Seilbahn falsch konstruiert?

Christian Bolliger: Ich habe zu wenig Infor­mationen, um dies zu beantworten. Sicher war die Seilbahn extrem steil. Das ist bei temporären Seilan­lagen aber üblich und kann sicher ausgeführt werden. Was im vorliegenden Fall versagte, weiss ich nicht.

Gibt es Hinweise auf fahrlässiges Handeln?

Das wird die Untersuchung klären. Fakt ist, dass für eine solche Anlage ein zuverlässiges System angewendet werden muss, das auf doppelte ­Sicherheit ausgelegt ist. Wenn ein Kind ungesichert die Seilbahn runterkommt, kann es nicht mehr gebremst werden.

Sind Seilbahnen nicht ohnehin ein gefährliches Vergnügen?

Nein. In einem Seilpark kann so ein ­Unfall nicht passieren. Die strengen ­Vorschriften verlangen, dass die Anlagen von Profis nach europäischer Norm gebaut werden. Am Ende von Seilbahnen darf man keine hohe Geschwindigkeit mehr haben.

*Christian Bolliger ist Sicherheitsingenieur und Experte für Seilparks.

*Christian Bolliger ist Sicherheitsingenieur und Experte für Seilparks.

*Christian Bolliger ist Sicherheitsingenieur und Experte für Seilparks.

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