Offene Bordelle im Kanton Bern: «Haben die maximale Gästeanzahl erreicht und schreiben doch Verluste»
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Offene Bordelle im Kanton Bern«Haben die maximale Gästeanzahl erreicht und schreiben doch Verluste»

Im Gegensatz zu vielen anderen Kantonen in der Umgebung dürfen bernische Bordelle geöffnet sein. Dies zieht Freier und Sexarbeiter von ausserhalb nach Bern. Dennoch sei der Betrieb ein Verlustgeschäft, sagt der Manager eines Erotikbetriebs.

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Laut dem Betreiber des Erotikbetriebes Cleo Club in Bargen BE, würden derzeit weniger Kunden sein Lokal besuchen.

Laut dem Betreiber des Erotikbetriebes Cleo Club in Bargen BE, würden derzeit weniger Kunden sein Lokal besuchen.

Erotikbetrieb Cleo Club
Ein Stammkunde berichtet jedoch, dass die Freier am vergangenen Samstag Schlange vor dem Erotikbetrieb standen und abgewiesen werden mussten.

Ein Stammkunde berichtet jedoch, dass die Freier am vergangenen Samstag Schlange vor dem Erotikbetrieb standen und abgewiesen werden mussten.

Tamedia/Beat Mathys
Auf dem Parkplatz seien viele Autos aus anderen Kantonen gestanden.

Auf dem Parkplatz seien viele Autos aus anderen Kantonen gestanden.

Tamedia/Beat Mathys

Darum gehts

  • Im Kanton Bern dürfen Erotikbetriebe seit dem 14. Dezember geöffnet sein.

  • Dies lockt viele Prostituierte und Freier aus anderen Kantonen nach Bern.

  • Dennoch sei der Betrieb momentan ein Verlustgeschäft, entgegnet der Betreiber des Cleo Club in Bargen.

Während in den Kanton Aargau, Solothurn, Neuenburg und Zürich derzeit sämtliche Bordelle geschlossen sind, sind einschlägige Etablissements im Kanton Bern seit dem 14. Dezember geöffnet. Dies lockt viele Prostituierte in den Kanton: «Wir verzeichnen seit letztem Montag allein in der Stadt eine Verdoppelung der Zahl der im Sexgewerbe tätigen Personen von rund 90 auf etwa 180 Personen», sagt Alexander Ott, Leiter der Fremdenpolizei Stadt Bern gegenüber der «Berner Zeitung». Durch die Schliessung der Bordelle in anderen Kantonen hätten viele Sexarbeiterinnen ihre Unterkunft verloren und würden nun versuchen, ihre Dienste im Kanton Bern anzubieten.

Dass Erotik-Etablissements im Kanton Bern noch geöffnet sind, registrierten anscheinend auch viele Freier von ausserhalb. «Letzten Samstag standen die Freier Schlage und mussten an der Türe abgewiesen werden, weil es drinnen keinen Platz mehr hatte», schildert ein Stammkunde die Situation vor dem Sauna- und Erotikbetrieb Cleo Club in Bargen BE gegenüber 20 Minuten. Die Kunden seien aus den verschiedensten Kantonen gekommen, was anhand der Autokennzeichen auf dem Parkplatz zu sehen war. Ein Nachbar bestätigt, dass die Parkplätze praktisch zu jeder Tageszeit besetzt sein sollen.

Unübliche Öffnungszeiten für Erotikbetriebe

Anders sieht dies Cleo-Manager Thorsten T*. Von einem Kunden-Boom könne derzeit keine Rede sein: «Die aktuelle Situation ist für den Club ein reines Verlustgeschäft.» Dies, weil das Etablissement gemäss Corona-Verordnung nur zwischen 9 und 19 Uhr öffnen darf. «Diese Öffnungszeiten sind für unsere Branche äusserst unüblich. Unsere Kunden arbeiten tagsüber und kommen deswegen normalerweise gegen den Abend zu uns», so T. Auch dass jegliche Personalien am Eingang aufgenommen und geprüft werden, schrecke viele Kunden ab. Die vollen Parkplätze erklärt er damit, dass diese auch von anliegenden Firmen und seinen Mitarbeiterinnen genutzt würden.

In seinem Erotikclub sei nichts mehr wie zuvor: «Die heutige Atmosphäre im Club kann überhaupt nicht mit den Zeiten vor Corona verglichen werden.» Er könne den Gästen beispielsweise keine Getränke mehr anbieten, es dürfe keine Musik gespielt werden und auch sämtliche Tanzshows seien gestrichen. «Es ist selbsterklärend, dass so nicht alle Damen in unserem Club einen Verdienst erzielen können.»

Kämpfen um Kunden

Der Cleo-Manager bestätigt, dass am Samstag Gäste abgewiesen werden mussten. Dies sei aber keineswegs eine alltägliche Situation: «Wir haben am Samstag erstmals seit Corona die maximale Gästeanzahl erreicht», sagt T. Mit diversen Sonderaktionen würde versucht werden Kunden anzuwerben. «Jedoch selbst bei Tiefpreisen gelingt es uns nicht jeden Tag genügend Gäste im Lokal zu haben. Es bleibt ein Verlustgeschäft.» Den Kundenansturm vom Samstag erklärt sich der Manager mit den deutlich reduzierten Eintrittspreisen zwischen 9 und 11 Uhr – danach habe wieder Flaute geherrscht.

Die Kantonspolizei Bern würde regelmässig vorbeikommen und kontrollieren, ob alle Anforderungen des Sicherheitskonzeptes erfüllt seien. «Gäbe es etwas zu beanstanden, müssten wir sofort schliessen und alle Mitarbeiterinnen würden auf der Strasse landen. Darum sind wir extrem vorsichtig.» Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt die Kapo Bern, dass im Rahmen der üblichen Patrouilletätigkeiten auch im Cleo Club Kontrollen stattgefunden hätten.

Angst vor Corona-Infektion

Unter den Kunden vom Samstag war auch Stammgast N. «Ich bin mehrmals im Monat im Cleos. Aber am Samstag war ich das letzte Mal dort.» Angesichts der hohen Fallzahlen sei es ihm beim letzten Besuch unwohl gewesen. «Falls ich nach einem Bordellbesuch positiv auf Corona getestet würde, wüsste ich nicht, wie ich das meinem Arbeitgeber erklären sollte.»

Gemäss Christa Ammann von der Fachstelle Xenia, sind sich auch Sexarbeiterinnen uneinig, was sie von der aktuellen Situation halten sollen. «Einige wünschen eine komplette Schliessung, weil es sich nicht lohne, wenn in den Betrieben am Abend nicht gearbeitet werden darf. Andere sagen, sie seien froh, dass sie arbeiten können.» Gegenüber der «Berner Zeitung» hält die Grossrätin (Alternative Linke) fest: «Im Kanton Bern ist bisher kein Covid-Fall aus dem Sexgewerbe bekannt.»

Eine Bordellbetreiberin aus Zürich schilderte im Oktober 2020 ihre Lage.

(Video: Tunya Koch, Thomas Sennhauser)
(cho/rc)

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