Alkohol, Tabak, Marihuana und Opioide - Haben Drogenkonsumenten ein höheres Risiko für Durchbruchsinfektionen?
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Alkohol, Tabak, Marihuana und OpioideHaben Drogenkonsumenten ein höheres Risiko für Durchbruchsinfektionen?

Geimpfte, die abhängig von Substanzen wie Alkohol, Zigaretten oder illegalen Drogen sind, laufen eher Gefahr, sich trotz Immunisierung mit Covid-19 zu infizieren. Das zeigt eine Erhebung aus den USA. Doch es gibt auch Gegenstimmen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Auch wer gegen Covid-19 geimpft ist, kann sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren und muss in Quarantäne. 

Auch wer gegen Covid-19 geimpft ist, kann sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren und muss in Quarantäne.

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Fachleute bezeichnen solche Fälle als Durchbruchsinfektionen. Laut einer US-Studie ist das Risiko für solche, bei Personen mit Substanzkonsumstörung (SUD) höher war als bei Personen ohne diese Störungen.

Fachleute bezeichnen solche Fälle als Durchbruchsinfektionen. Laut einer US-Studie ist das Risiko für solche, bei Personen mit Substanzkonsumstörung (SUD) höher war als bei Personen ohne diese Störungen.

20min/Marco Zangger
SUD-Betroffene kennzeichnet ein zwanghafter Drogenkonsum, der fortgesetzt wird, obwohl es durch diesen zu Problemen zuhause oder bei der Arbeit kommt. Eine SUD muss diagnostiziert werden. Ärzte behandeln diese Erkrankung mit einer Beratung und manchmal mit Medikamenten.

SUD-Betroffene kennzeichnet ein zwanghafter Drogenkonsum, der fortgesetzt wird, obwohl es durch diesen zu Problemen zuhause oder bei der Arbeit kommt. Eine SUD muss diagnostiziert werden. Ärzte behandeln diese Erkrankung mit einer Beratung und manchmal mit Medikamenten.

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Darum gehts

  • Durchbruchsinfektionen bei gegen Covid-19 geimpften Personen sind selten.

  • Betroffen sind vor allem Vorerkrankte und ältere Personen.

  • US-Forschende haben nun untersucht, ob das auch für Drogenkonsumentinnen und -konsumenten zutrifft.

  • Das Ergebnis ihrer Studie ist ihnen zufolge eindeutig – doch es gibt auch eine Gegenstimme.

Ein höheres Risiko für Durchbruchsinfektionen – also Corona-Ansteckungen trotz vollständiger Covid-19-Impfung – haben laut Forschenden der Case Western Reserve University und des National Institute on Drug Abuse Personen, die zwanghaft Substanzen wie Alkohol, Tabak, Marihuana und Opioide nehmen und bei denen eine sogenannte Substanzgebrauchsstörung vorliegt, kurz SUD (substance use disorder, siehe Box) vorliegt.

SUD?

Dabei handelt es sich um Suchterkrankungen, die durch die Abhängigkeit von Substanzen entstehen. Die Betroffenen kennzeichnet ein zwanghafter Drogenkonsum, der fortgesetzt wird, obwohl es durch diesen zu Problemen zuhause oder bei der Arbeit kommt. Ärzte behandeln diese Erkrankungen mit einer Beratung und manchmal mit Medikamenten. Selbst nach jahrelanger Abstinenz können noch Verlangen und Rückfälle auftreten. Alkohol, Nikotin, Cannabis, Opioide und Stimulanzien sind die häufigsten Auslöser. SUDs werden als schwere chronische Krankheiten betrachtet. Sie beeinträchtigen die Gesundheit der Betroffenen und verursachen erhebliche soziale, aber auch wirtschaftliche Probleme.

Für die im Fachjournal «World Psychiatry» veröffentlichte Studie hat das Team um Pamela Davis die Gesundheitsdaten von fast 580’000 Personen mit und ohne Drogenkonsum in den USA elektronisch ausgewertet, die zwischen dem 1. Dezember 2020 und dem 14. August 2021 vollständig gegen Covid-19 geimpft wurden und die vor der Impfung nicht an Covid-19 erkrankt waren (siehe Box).

So lief die Studie ab

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermittelten den Anteil der Personen in jeder Gruppe, die sich mindestens zwei Wochen nach ihrer letzten Impfung mit Sars-CoV-2 infizierten. Diese Analyse wurde wiederholt, nachdem Patientinnen und Patienten mit und ohne Substanzmissbrauchsstörungen hinsichtlich demografischer Merkmale, sozioökonomischer Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen, wie z. B. unsichere Wohnverhältnisse oder Arbeitsverhältnisse, und lebenslanger körperlicher Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Fettleibigkeit oder Diabetes abgeglichen worden waren. Das Team untersuchte auch, ob vollständig geimpfte Personen mit Durchbruchsinfektionen ein anderes Risiko für Krankenhausaufenthalte und Tod hatten als vergleichbare Personen ohne Durchbruchsinfektionen.

Kiffer stechen aus der Masse heraus

Bei der Auswertung zeigte sich, dass das Risiko einer Durchbruchsinfektion bei Personen mit Substanzkonsumstörung höher war als bei Personen ohne diese Störungen. So erlebten sieben Prozent der Drogen-konsumierenden Geimpften während der Studie einen Durchbruch, bei den Geimpften ohne Suchtstörung waren es nur 3,6 Prozent. Wie gross das Risiko ist, hängt von der konsumierten Substanz ab: Bei Tabak liegt es bei 6,8 Prozent, bei Opioiden bei 7,1 Prozent, bei Alkohol bei 7,2 Prozent, bei Kokain bei 7,7 Prozent und bei Cannabis bei 7,8 Prozent.

Nachdem die Studienautorinnen und -autoren ungünstige sozioökonomische Gesundheitsfaktoren wie zum Beispiel das Alter und weitere Erkrankungen herausgerechnet hatten, unterschied sich das Risiko einer Durchbruchsinfektion nicht mehr signifikant. Es scheint also, dass diese weitgehend für das erhöhte Risiko von Covid-19-Durchbruchsinfektionen verantwortlich sind, heisst es in einer Mitteilung. Eine Ausnahme stellten die Personen dar, bei denen eine Cannabis-SUD vorlag. Bei diesen Personen war die Wahrscheinlichkeit einer Durchbruchinfektion immer noch um 55 Prozent höher als bei Personen ohne Suchtproblem, obwohl sie tendenziell jünger waren und weniger Begleiterkrankungen aufwiesen.

Eine Erklärung dafür haben Davis und ihre Kolleginnen und Kollegen nicht: «Dies könnte darauf hindeuten, dass zusätzliche Variablen wie Verhaltensfaktoren oder negative Auswirkungen von Cannabis auf die Lungen- und Immunfunktion zu dem höheren Risiko einer Durchbruchinfektion in dieser Gruppe beitragen könnten.»

Unterschiedliche Beurteilungen der Studie

Frühere Analysen, die in der Anfangsphase der Pandemie durchgeführt wurden, ergaben, dass Menschen mit SUD ein erhöhtes Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion haben. Bei ihnen war auch die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung, die einen Spitalaufenthalt erforderte oder zum Tod führte, grösser. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass dies insbesondere für People of Color mit einer Drogenabhängigkeit gilt. Die Ergebnisse der neuen Studie «unterstreichen, dass dieselben Risikofaktoren, die den Schweregrad von Covid-19 beeinflussen, immer noch Risikofaktoren für Durchbruchsinfektionen sind», so Davis. «Das bedeutet, dass die Behandlung laufender Erkrankungen neben Covid-19 sowohl für Patienten und Patientinnen als auch für Ärzte und Ärztinnen weiterhin sehr wichtig ist, um die Gesamtmorbidität zu verringern.»

Weniger überzeugt von den Ergebnissen gibt sich dagegen Paul Armentano, stellvertretender Direktor der amerikanischen National Organization for the Reform of Marijuana Laws: Die Studie «wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet», lässt er sich in einer Mitteilung zitieren. Es sei nach wie vor unklar, wie hoch die Covid-19-Risiken für Cannabiskonsumenten und -konsumentinnen sind, die nicht an einer SUD leiden. Weiter kritisiert er, dass die untersuchten Daten nur von Menschen mit diagnostizierter Cannabiskonsumstörung stammen. Diese stellten aber nur eine «kleine und deutliche Untergruppe» der Cannabiskonsumenten und -konsumentinnen darstellen. «Aus diesen Ergebnissen können wir nicht ableiten, ob und welche erhöhten Risiken diese nicht klassifizierten Konsumenten – die die überwältigende Mehrheit der Marihuanakonsumierenden ausmachen – haben.»

Tatsächlich hat die Studie einige Einschränkungen. So handelt es sich etwa um eine Beobachtungsstudie. Das heisst: Es ist unklar, ob die Diagnosen korrekt sind. Auch umfasst sie nur Daten von Personen, die mit dem US-Gesundheitssystem in Kontakt standen. Personen, die sehr weit draussen auf dem Land wohnen oder keine Papiere besitzen, blieben möglicherweise aussen vor. Und auch über die Schwere der Durchbruchsinfektionen sagt die Studie nichts aus.

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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