Aktualisiert 15.07.2014 20:05

Kartell-Verdacht

Haben Leasing-Kunden zu viel bezahlt?

Die Wettbewerbskommission verdächtigt neun Autoleasing-Firmen, Absprachen getätigt zu haben. Was bedeutet das für die Kunden? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

von
C. Landolt

Verschiedene Schweizer Autoleasing-Firmen stehen im Verdacht, regelmässig die Preise miteinander abgesprochen haben. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat bei Finanzdienstleistern von Autoimporteuren und Herstellerkonzernen entsprechende Untersuchungen eingeleitet. Darunter finden sich etwa die Finanzdienstleister der Autoimporteure Amag und Emil Frey, wie die Weko am Dienstag mitteilte. Diese Unternehmen hätten möglicherweise sensible Informationen über Zinssätze sowie Vertrags- und Händlerkommissionen ausgetauscht.

Was bedeuten die juristischen Abklärungen für den einzelnen Vertragsnehmer? Müssen die betroffenen Firmen mit einer Klage rechnen? 20 Minuten gibt eine Übersicht:

Betreffen die ausgetauschten Informationen auch Kunden?

Der Informationsaustausch, den die Behörde untersucht, betrifft nur die jeweiligen Marken - keine Kundendaten.

Welche Auto-Typen sind betroffen?

Das ist noch Gegenstand der laufenden Untersuchung.

Muss man die Leasing-Zinsen weiterhin zahlen?

Die Weko rät Leasing-Kunden, ihre Raten weiter gemäss Vertrag zu bezahlen und die Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Erst nach Abschluss und je nach Ergebnis der Untersuchung kann jede Person entscheiden, ob sie zivilrechtliche Schritte einleiten will, sagt Weko-Vizedirektor Olivier Schaller .

Habe ich zu viel für mein geleastes Auto gezahlt?

Das ist noch unklar. Die genauen Effekte der Absprachen müssten erst noch untersucht werden. Möglich sind neben Deals bei den Zinssätzen Übereinkünfte für die Kosten von Mehrkilometern.

Wie hoch kann die Busse für die Firmen ausfallen?

Das hängt vom Tatbestand ab. Gemäss Kartellgesetz beträgt die maximale Sanktion pro Firma zehn Prozent des Umsatzes der letzten drei Geschäftsjahre auf den relevanten Märkten.

Was sagen die involvierten Firmen?

Amag dementiert den Vorwurf der Preisabsprache. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es: «Aus unserer Sicht gab es keine Preisabsprachen. Alle ausgetauschten Daten und marktrelevanten Informationen sind auf anderem, legalem Weg schneller und zeitnaher erhältlich als bei Meetings, die zwei Mal pro Jahr stattfinden.» Und weiter: «Es ist uns nicht bewusst, dass wir gegen irgendwelche gesetzliche Bestimmungen verstossen hätten. Wir haben uns zu ethisch und rechtlich korrektem Verhalten verpflichtet, grundsätzlich und immer.»

Gab es schon einmal Preisabsprachen bei Autohändlern?

Ja. 2012 büsste die Weko den deutschen Autohersteller BMW wegen der Behinderung von Direkt- und Parallelimporten zu einer kapitalen Busse von 156 Millionen Franken. Der Konzern hatte Händlern im Ausland den Verkauf ihrer Autos an Schweizer Kunden verboten. BMW zog den Fall weiter ans Bundesgericht. Das Verfahren läuft noch.

Für wen lohnt sich Leasing eigentlich?

«Leasing ist für Private und Unternehmen interessant, welche ihre Liquidität schonen wollen», erklärt Rechtsanwalt und Leasing-Spezialist Markus Hess. Man könne mit dem Geld für einen Autokauf auch sinnvolle Anlagen oder einen Einkauf in die Pensionskasse tätigen.

Die vorzeitige Auflösung eines Leasing-Vertrages ist immer wieder ein Thema. Was gilt es dabei zu beachten?

Will ein Leasing-Nehmer einen Leasing-Vertrag vorzeitig auflösen, sollte er sich laut Hess vorgängig bei der Leasinggesellschaft melden. Je nach Grund für die vorzeitige Auflösung und je nach Leasinggesellschaft sind unterschiedliche Vorschläge möglich. Ebenfalls kann es sich lohnen, mit dem Garagisten, der das neue Fahrzeug liefern soll, über die entsprechenden Konditionen zu verhandeln.

Auto-Leasing ist in der Schweiz ein bedeutendes Geschäft

Der Jahresumsatz lag 2013 beim Leasing von Autos und Lastwagen bei über 7 Mrd. Franken, wie Zahlen des Schweizerischen Leasingverbandes zeigen. Allein bei den Personenwagen wurden im letzten Jahr fast 200'000 Neuabschlüsse unterzeichnet.

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