Aktualisiert 08.02.2018 09:35

Blutgrätsche auf Facebook«Haben Sie Ihren Anstand verloren?»

Spätabends platzte Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner der Kragen. Er griff zur Tastatur und feuerte eine Breitseite gegen Noch-Nationalrätin Silvia Schenker ab. Der Schuss ging nach hinten los.

von
lha
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Rudolf Rechsteiner ist ein altgedienter und prominenter SP-Politiker. Von 1995 bis 2010 sass er im Nationalrat, wo er sich als Energiepolitiker profilierte. Er ist auch bekannt dafür, seine Meinung unverblümt zu sagen.

Rudolf Rechsteiner ist ein altgedienter und prominenter SP-Politiker. Von 1995 bis 2010 sass er im Nationalrat, wo er sich als Energiepolitiker profilierte. Er ist auch bekannt dafür, seine Meinung unverblümt zu sagen.

Keystone/Lukas Lehmann
Seine Parteikollegin Silvia Schenker, die ihre letzte Amtsperiode im Nationalrat noch bis zum Ende absitzt, musste sich von Rechsteiner jetzt etwas anhören.

Seine Parteikollegin Silvia Schenker, die ihre letzte Amtsperiode im Nationalrat noch bis zum Ende absitzt, musste sich von Rechsteiner jetzt etwas anhören.

Keystone/Peter Klaunzer
Auf Facebook forderte er sie unverblümt zum Rücktritt auf. Im Ton hat er sich aber vergriffen, wie man anhand der Reaktionen unschwer feststellen kann.

Auf Facebook forderte er sie unverblümt zum Rücktritt auf. Im Ton hat er sich aber vergriffen, wie man anhand der Reaktionen unschwer feststellen kann.

Screenshot

«Geht's noch? Haben Sie selbst ihren Anstand verloren? Einfach nur respektlos! Das hier disqualifiziert dich aber so etwas von endgültig.»: Solche Kommentare erntete Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner (SP) – offensichtlich hatte er sich massiv im Ton vergriffen. Die «NZZ» schreibt gar von einer verbalen «Blutgrätsche», die Rechsteiner seiner Genossin und Noch-Nationalrätin Silvia Schenker austeilte. Dies in aller Öffentlichkeit auf Facebook.

Der Post von Dienstagabend macht in der ganzen Schweiz Schlagzeilen. Hintergrund von Rechsteiners Unmut ist, dass Schenker ihre letzte Amtszeit in Bern bis zum letzten Tag absitzen will. Dabei sollte sie dem nachrückenden Mustafa Atici Platz machen, damit dieser bei den nächsten Wahlen 2019 aus der Pole-Position starten kann. Das habe man so abgemacht, als die SP Basel-Stadt vor den letzten Wahlen die Amtszeitbeschränkung aufgehoben hatte.

Rote Karte für Trump-Post

«Ich habe Silvia Schenker für vier Jahre gewählt», entgegnen mehrere Kommentatoren auf Facebook. Überhaupt erntet Schenker für ihre Standhaftigkeit vor allem Zuspruch. Im virtuellen Blätterwald wird das parteiinterne Mobbing gegen Schenker gar als «beschämend» (Tageswoche) bezeichnet. Und die NZZ kommt zum Schluss: «Genosse Ruedi hätte spätestens seit Trump wissen müssen: Was man zur Schlafenszeit mutig in die virutelle Welt hinausposaunt, klingt am anderen Tag selten besonders weitsichtig.» Dafür gab es am Donnerstag von der «BZ Basel» die «Rote Karte».

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