Aktualisiert 04.06.2015 12:43

Knall bei der Fifa

Haben Sponsoren Blatter in die Knie gezwungen?

Kurz nach seiner Wiederwahl ist Sepp Blatter als Fifa-Präsident zurückgetreten. Sein überraschender Abgang wirft Fragen auf – und schafft Raum für Spekulationen.

Erst am vergangenen Freitag wurde Sepp Blatter für weitere vier Jahre zum Präsidenten des Weltfussballverbands gewählt. Trotz Korruptionsskandal schien an der Spitze der Fifa alles so zu bleiben, wie es die letzten 17 Jahre war. Doch dann folgte der grosse Knall: Der eben wiedergewählte Fussballkönig verkündete seinen Rücktritt.

Was war passiert in den letzten Tagen, was hatte den 79-jährigen Walliser zu diesem Schritt bewogen? Der Sinneswandel Blatters wirft Fragen auf – und schafft Raum für Spekulationen.

Denn über die Gründe wollte sich Blatter vorerst nicht äussern. «Ich habe beschlossen, mein Mandat an einem ausserordentlichen Kongress niederzulegen», gab er am Dienstagabend an einer denkwürdigen Pressekonferenz am Hauptsitz der Fifa in Zürich lediglich bekannt. «Ich liebe die Fifa mehr als alles andere und will nur das Beste für den Fussball.» Doch die Querelen um seine Person und die verhafteten Funktionäre gingen auch an ihm nicht spurlos vorbei. «Ich spüre nicht, dass ich das Mandat von der gesamten Fussball-Welt habe», gestand er ein.

Reformen bei der Fifa vorantreiben

Tatsächlich könnte der Druck auf Blatter schlicht und einfach zu gross geworden sein. Nach seinem Triumph vom Freitag soll er den Entschluss, vom Präsidium zurückzutreten, bereits einen Tag später gefasst haben, schreibt die «Welt». Es sei ihm klar geworden, dass er so nicht mehr weitermachen könne. Er fühle sich machtlos, die Reformen bei der Fifa voranzutreiben, und könne seine Pläne als scheidender Präsident leichter umsetzen, da er nun weniger Rücksicht nehmen müsse, schreibt das Blatt und bezieht sich dabei auf einen Vertrauten von Blatter.

Doch die Zeit drängt, voraussichtlich zwischen Dezember 2015 und März 2016 soll an einem Sonderkongress sein Nachfolger gewählt werden. Bis dahin will er die Fifa radikal umbauen. Blatter kündigte an, das 24-köpfige Exekutivkomitee zu verkleinern und dessen Mitglieder durch den Fifa-Kongress wählen zu lassen.

Ermittlungen des FBI

Auch die Anklageerhebung der US-Justizbehörden gegen 14 Funktionäre dürfte Blatter mehr Sorgen bereitet haben als bisher angenommen. Nach der Verhaftungswelle durch die Bundesanwaltschaft von vergangener Woche stand er unter medialen Dauerbeschuss. Fürchtete sich Blatter davor, dass Offizielle mit der Justiz kooperieren und bislang geheime Informationen auspacken könnten? Daneben könnte auch Generalsekretär Jérôme Valcke das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Dieser wird verdächtigt, Schmiergelder bezahlt zu haben.

Auch die vom FBI angekündigten Ermittlungen gegen seine Person selbst könnten ein Grund für seinen Rücktritt gewesen sein. Dies, sofern Blatter bereits davon in Kenntnis gesetzt war. Dafür spricht die sehr kurzfristig einberufene Pressekonferenz vom Dienstag. Um 16.30 Uhr traf die Einladung via E-Mail ein, um 18 Uhr hätte Blatter vor den Medien reden sollen. Doch gleich zweimal wurden die wartenden Medienvertreter um Geduld gebeten. Schliesslich startet die Medienorientierung erst um 18.44 Uhr. Was wurde im Hintergrund noch besprochen? Ging es nur um Details der Rede oder allenfalls um grössere Zusammenhänge? Doch darüber, dass Blatter aus Angst vor einer Strafverfolgung einknickte, kann nur spekuliert werden.

«Dies ist ein wichtiger erster Schritt»

Vielleicht haben Blatter aber auch mächtige Sponsoren in die Knie gezwungen. Immerhin begrüssen diese einen Wechsel an der Spitze. Die grossen Partner der Fifa, Coca-Cola, Adidas, Visa, Gazprom und Hyundai zeigten sich mehrheitlich erfreut über Blatters Rücktritt. «Die heutige Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fussballs und dessen Fans», teilte der US-Getränkekonzern Coca-Cola in der «NZZ» mit.

Nach dem Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe hatte die Kreditkartengesellschaft Visa vergangene Woche gedroht, ihr Sponsoring zu überdenken. Jetzt zeigt man sich optimistisch: «Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um das öffentliche Vertrauen wieder aufzubauen, doch mehr Arbeit ist nötig»

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