08.07.2014 16:16

Vergleichsstudie

Haben Städter mehr Freunde als Dörfler?

Wer in der Stadt lebt, ist besser vernetzt als Menschen, die in einsameren Gegenden zu Hause sind. Darauf lässt zumindest die Zahl ihrer Telefonkontakte schliessen.

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Grossstädter telefonieren mehr als Menschen auf dem Land.

Grossstädter telefonieren mehr als Menschen auf dem Land.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Menschen zunehmend in Städte zogen, befürchtete man, dass sie dort vereinsamen und depressiv würden. Das dem nicht so ist, wissen Städter aus eigener Erfahrung. Eine Studie von Forschern des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge bestätigt die persönlichen Empfindungen und zeigt: Städter sind alles andere als einsam. Sie telefonieren mehr als Landbewohner und haben ein grösseres Netzwerk.

Markus Schläpfer und seine Kollegen analysierten dafür die Verbindungsdaten von 440 Millionen Handy-Anrufen aus Portugal, die während 15 Monaten in den Jahren 2005 und 2006 getätigt worden sind, und von 7,6 Milliarden Festnetzanrufen aus Grossbritannien, die während eines Monats im Jahr 2005 gesammelt wurden. Dabei stellten sie fest, dass sowohl Menge als auch Dauer der Telefonate pro Kopf je höher waren, desto mehr Einwohner ein Wohnort hatte. Demnach pflegen Grossstädter ein dichteres Netzwerk, schreiben die Forscher im «Journal of the Royal Society Interface».

Zahlen sprechen Bände

Weil in Portugal ausschliesslich Mobilfunkverbindungen angeschaut wurden und Handys in der Regel nur von einer Person genutzt werden, sind die von dort stammenden Daten besonders aussagekräftig. So hatten die Bewohner von Lissabon (547'631 Einwohner) im Untersuchungszeitraum durchschnittlich elf unterschiedliche Telefonkontakte, Menschen aus dem Örtchen Lixa (rund 4200 Einwohner) hingegen nur sechs. Ob es unter Umständen daran liegt, dass die Leute in kleineren Ortschaften eher den direkten Kontakt suchen, darüber sagt die Studie nichts aus.

Doch neben den Unterschieden gibt es auch Parallelen zwischen dem Telefonverhalten von Stadt- und Landbevölkerung. So sind deren Netzwerke strukturell ähnlich aufgebaut. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Telefonkontakte einer Person auch miteinander in Kontakt stehen, ändert sich mit zunehmender Grösse einer Stadt nicht. Sie liegt bei etwa einem Viertel.

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