Bezahl-Apps: Haben Twint und Paymit eine Chance gegen Apple?
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Bezahl-AppsHaben Twint und Paymit eine Chance gegen Apple?

Schweizer Banken, die Post, Grossverteiler und die Swisscom wollen ein einheitliches mobiles Bezahlsystem. Ist der Grund dafür Apple?

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kwo/lin
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In der Schweiz haben bis vor kurzem zwei Bezahllösungen um die Gunst der Kunden gebuhlt. Twint von PostFinance ...

In der Schweiz haben bis vor kurzem zwei Bezahllösungen um die Gunst der Kunden gebuhlt. Twint von PostFinance ...

Steffen Schmidt
... und Paymit von Six, auf die etwa die UBS setzte.

... und Paymit von Six, auf die etwa die UBS setzte.

Keystone/Ennio Leanza
Im Mai 2016 haben die Betreiberfirmen bekannt gegeben, dass sie die Apps definitiv fusionieren wollen. Die Marke Paymit verschwindet.

Im Mai 2016 haben die Betreiberfirmen bekannt gegeben, dass sie die Apps definitiv fusionieren wollen. Die Marke Paymit verschwindet.

Keystone/Christian Beutler

Noch sind die beiden Schweizer Bezahl-Apps Twint und Paymit Konkurrenten. Doch nun führen die PostFinance – sie betreibt Twint –, der Finanzdienstleister SIX, die Banken UBS, ZKB und Raiffeisen – sie setzen auf Paymit – Gespräche über eine gemeinsame Bezahllösung. Die Credit Suisse, Coop, Migros und Swisscom beteiligen sich ebenfalls daran.

Spannen Twint und Paymit wegen des bevorstehenden Markteintritts von Apple zusammen?

Fintech-Investor Marc P. Bernegger sagt: «Ein Zusammenschluss von Twint und Paymint ist aus Konsumentensicht zu begrüssen und stärkt die nationalen Anbieter gegen den möglichen Markteintritt von globalen Playern wie Apple Pay.» Denn neben Apple dürfte es nur Platz für eine andere Bezahllösung geben. Der Entscheid sei aber nicht wegen Apple Pay gefallen, teilen hingegen die involvierten Unternehmen mit. Vielmehr gehe es darum, dass man die Vorteile beider Systeme kombinieren könne.

Welche Chancen hat eine Schweizer Lösung gegen Apple Pay?

Die Schweizer Anbieter sagen, dass sie – ob fusioniert oder nicht – Apple Pay erfolgreich die Stirn werden bieten können. Grund ist laut PostFinance, dass Twint deutlich mehr Funktionen hat als Apple Pay. Zu nennen wären hier die Integration der Coop-Supercard, die Funktion «bestellen und abholen» oder die Einsetzbarkeit sowohl an der Ladenkasse als auch in Online-Shops. Twint und Paymit betonen beide, dass die Daten der Nutzer in der Schweiz bleiben würden. Das dürfte bei der US-Firma Apple kaum der Fall sein.

Wann kommt Apple Pay in die Schweiz?

Ende Februar wurde die Marke Apple Pay durch den Konzern aus Cupertino hierzulande registriert und aktiviert. Im Register des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum wurde das entsprechende Markenlogo aktiviert. Wann Apple Pay genau kommt, ist aber noch unklar. Schweiz-Mediensprecherin Andrea Brack wollte sich zur Frage bisher nicht äussern.

Gibt es erfolgreiche Apple-Pay-Konkurrenten?

Apple Pay wurde bisher erst in den USA und Grossbritannien grossflächig lanciert. Seit Mitte Februar ist der Dienst auch in China verfügbar. In den USA bietet etwa Google mit Android Pay Apple die Stirn. In Grossbritannien hat sich die App Pingit der Grossbank Barclays etabliert. Am weitesten in Sachen mobiles Bezahlen dürfte aber China sein. Ende 2015 sollen rund 358 Millionen Personen Einkäufe und Geldtransfers mit ihren Handys erledigt haben. Dominiert wird der Markt von Alipay des Online-Händlers Alibaba und von WeChat Wallet.

Was unterscheidet Twint und Paymit von Apple Pay?

Apple Pay ist bisher eine reine Bezahl-App. Mit Twint und Paymit lasst sich zudem auch Geld von Handy zu Handy überweisen. Diese Funktion bildete bisher den Kern von Paymit. Im Gegensatz zu Paymit oder Apple Pay kann Twint auch ohne Kreditkarte genutzt werden. Da Apple die NFC-Funktion bisher nicht für andere Anbieter freigegeben hat, müssen Twint und Paymit für die Bezahlfunktion auf Bluetooth und QR-Codes ausweichen.

Was heisst der Zusammenschluss für die Kunden?

Für die Kunden ändert sich vorläufig nichts. Da Twint und Paymit inzwischen fast identische Funktionen besitzen, dürfte sich für die Nutzer auch bei einer Zusammenarbeit nur wenig ändern.

Was bedeutet es für die Händler?

Für jene Shops, die bisher auf Twint setzten, könnte ein Zusammenschluss mit Paymit allenfalls höhere Gebühren mit sich bringen. Der Handel bezahlt bei Twint zwei Rappen Gebühren für Einkäufe unter fünf Franken. Maximal werden 20 Rappen fällig. Wie hoch der Betrag bei Paymit ist, will SIX nicht verraten. Es dürfte aber deutlich mehr sein als bei Twint. Die «Handelszeitung» schätzt die Gebühren auf 1 bis 2 Prozent pro Transaktion.

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