«Time-Out»: Haben wir bereits den Meister 2013 gesehen?
Aktualisiert

«Time-Out»Haben wir bereits den Meister 2013 gesehen?

Fribourg-Gottéron hat die ZSC Lions auswärts 2:1 n.V. besiegt. Die Logik sagt: Wir haben den Meister gesehen.

von
Klaus Zaugg

Die Fragen sind berechtigt: War das wirklich Gottéron? Das Team, das gegen Biel in sieben Spielen durch die Viertelfinals getaumelt und gestolpert war? Das weiche und verspielte und welsche Gottéron?

Nein, es war ein neues, ein grosses, ein meisterliches Gottéron. Ja, vielleicht haben wir gestern sogar den Meister gesehen. Und dieser Meister kann immer noch Gottéron oder ZSC Lions heissen. Nur mit einer meisterlichen Leistung war es nämlich möglich, diese grossen ZSC Lions in der Höhle des Löwen in Zürich zu besiegen.

Taktisch und diszipliniert

Es war nicht das spektakulärste Gottéron dieser Saison. Bei weitem nicht. Aber es war das taktisch beste, disziplinierteste und selbstsicherste seit langer, langer Zeit. Die richtige Mischung zwischen Tempo, Präzision, Härte und Disziplin. Mit der richtigen Balance zwischen Offensive und Defensive. Nie passiv, immer aggressiv, aktiv auf den Zehenspitzen, nie in Rücklage auf den Fersen. Eine grosse, mächtige Hockeymaschine, die über vier Linien einwandfrei funktionierte – so wie einst in besseren Tagen der SCB, so wie in meisterlichen Zeiten der HC Davos. Oder eben die ZSC Lions.

Es war ein hochstehendes, intensives und von den Schiedsrichtern hervorragend geleitetes Spiel zwischen zwei gleichwertigen Teams, die sich in jeder Beziehung auf Augenhöhe begegneten. Was machte den Unterschied aus? Eine Analyse, gemacht am Ende des Spiels und im Wissen um das Resultat, ist ein wenig billig. Diese Partie hätte jeden Ausgang nehmen können. Die ZSC Lions hatten durchaus Chancen, die Partie bereits in der regulären Spielzeit zu entscheiden (27:21 Torschüsse). Aber sie scheiterten am coolen, sicheren Benjamin Conz. Er wehrte sage und schreibe 96,30 Prozent der Schüsse ab. Ohne grossen Goalie gibt es eben keine grossen Teams.

Ein Ende wie in Hollywood

Schliesslich fiel in der Verlängerung (nach 64:35 Min.) die Entscheidung so, als wäre das Drehbuch in Hollywood geschrieben worden. Andrej Bykow, der Sohn von Slawa Bykow, vollendete einen Angriff des ersten Sturmes mit einem Schuss, präzis wie ein Laserstrahl in den Netzhimmel zum 2:1. Unhaltbar für den starken Lukas Flüeler. Die Scheibe fuhr so schnell ins Netz, dass die Partie noch etwa zehn Sekunden weiterlief und erst nach Konsultation der Video-Bilder gegeben werden konnte. Doch Bykow war sich seiner Sache sicher und hatte sofort gejubelt. Sein Vater Slawa, der Weltstar, hat es in drei Finals nicht geschafft, mit Gottéron Meister zu werden. Sein Bub hat eine Mission: Zu vollenden, was seinem Vater nicht gelungen ist.

Mit diesem zweiten Sieg im zweiten Halbfinalspiel, den er persönlich herbeigeführt hat, ist er dem Traum der Familie Bykow einen ganz, ganz grossen Schritt nähergekommen. Wenn die ZSC Lions ihren Titel verteidigen wollen, müssen sie zweimal auswärts in Fribourg gewinnen. Gegen ein Gottéron, das sie in der Qualifikation nie besiegt haben. Wenn sie das schaffen, holen sie im Finale auch den Titel. Egal, wer der Gegner sein wird. Auch Gottéron wird im Finale Favorit sein, wenn es gelingt, den starken Titelverteidiger aus den Playoffs zu kippen.

Conz ein Meistergoalie?

Wenn Gottéron zum ersten Mal seit 1994 wieder das Finale erreicht, müssen wir nur noch die Antwort auf eine Frage finden: Ist Benjamin Conz der Dino Stecher des 21. Jahrhunderts oder ein Meistergoalie? Dino Stecher, zuletzt Assistent von Kevin Schläpfer in Biel und nächste Saison Cheftrainer in Basel, hat mit Gottéron als bisher einziger Torhüter das Finale erreicht – und es dreimal verloren.

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